Dr. Claudia Ellert, Gefäßchirurgin in den Wetzlarer Lahn-Kliniken, hat selbst eine Corona-Infektion hinter sich.
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Dr. Claudia Ellert, Gefäßchirurgin in den Wetzlarer Lahn-Kliniken, hat selbst eine Corona-Infektion hinter sich.

Neues Reha-Programm

„Kann jeden treffen“: Oberärztin aus Wetzlar leidet an „Long Covid“ – und will aufklären

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Nach einer Corona-Infektion leidet die Wetzlarer Medizinerin Dr. Claudia Ellert unter Long-Covid. Nun setzt sich die Gefäßchirurgin für Betroffene ein und hat ein Konzept entwickelt, um Menschen mit Langzeitfolgen zu helfen.

Wetzlar – Die Berichte über Menschen, die noch Monate später an den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion leiden, häufen sich. Und inzwischen scheint klar: Auch leichte Krankheitsverläufe können offenbar zu langwierigen Problemen führen. Dr. Claudia Ellert, Gefäßchirurgin in den Wetzlarer Lahn-Kliniken, kann dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Deswegen setzt sie sich öffentlich für eine bessere Versorgung von „Long Covid“-Patienten ein und arbeitet an einem Konzept für eine spezielle Reha-Therapie.

Im Interview mit dem Radiosender „FFH“ hat die 48-jährige Triathletin über ihre Erfahrungen mit Covid-19 gesprochen: Mitte November sei sie erkrankt und habe wenige Tage lang grippeähnliche Symptome gehabt. Nach etwa zehn Tagen sei es auch zu einem Geschmacksverlust gekommen. Der Wiedereinstieg in den Job nach etwa drei Wochen stellte sich für die Leitende Oberärztin an den Lahn-Dill-Kliniken zudem als Problem heraus: Kopfschmerzen, Wortfindungsstörungen und Erschöpfungszustände machten ihr einen Strich durch die Rechnung, heißt es bei „FFH“. Noch jetzt, fünf Monate nach ihrer Covid-19-Infektion, sei sie dem beruflichen Alltag in einem Akutkrankenhaus nicht gewachsen.

Wetzlar: Medizinerin will Akzeptanz für „Long Covid“ schaffen

Um Akzeptanz für die Erkrankung zu schaffen, setzt sich Claudia Ellert öffentlich für „Long Covid“-Betroffene ein. So hat sie bereits in mehreren Medien über ihre Erfahrungen mit der Krankheit berichtet und teilt auf auf ihren Twitter-Account Studien und andere Informationen rund um die Langzeitfolgen von Covid-19. So verweist sie etwa auf eine Studie aus Stockholm, die die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion unter Mitarbeitern einer Klinik in Schweden abfragt und zu dem Ergebnis kommt, dass jeder 10. mit mildem Verlauf auch acht Monate nach seiner Infektion noch an mindestens einem Residualsymptom leidet, das sich negativ auf seine Arbeit, sein soziales oder häusliches Leben auswirkt. Zudem verweist sie auf eine britische Studie, nach der 29 Prozent der Betroffenen jünger als 29 Jahre sind und die darauf hinweist, dass medizinisches Personal und Lehrer besonders häufig betroffen sind.

„Long Covid“: Betroffene Chirurgin aus Wetzlar fordert bessere Versorgung

Zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion können Atemprobleme, Kopfschmerzen, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen, anhaltende Geschmacks- bzw. Geruchsstörungen sowie eine sogenannte „Belastungsintoleranz“ zählen. Dr. Claudia Ellert rät den Betroffenen daher, nicht über ihre Belastungsgrenze zu gehen und mit ihren begrenzten Energiereserven hauszuhalten. Denn im Falle einer Überlastung trete die Erschöpfung zum Teil auch mit zeitlicher Verzögerung ein und könne dann mehrere Tage anhalten.

Auf Twitter hat die Leitende Oberärztin an den Lahn-Dill-Kliniken auch eine Petition geteilt, die eine fachübergreifende, patientenorientierte Behandlung von Betroffenen von „Long Covid“ fordert. „Langzeit-COVID kann jeden treffen – auch junge, gesunde Menschen, die keiner bekannten Risikogruppe angehören. Laut einer vorläufigen Studie sind 45% dieser Betroffenen nach über sechs Monaten nicht in der Lage Vollzeit zu arbeiten, 22 % sind arbeitsunfähig“, heißt es in dem Text zu der Unterschriftenaktion.

Entwicklung eines speziellen Reha-Konzepts bei „Long Covid“: Medizinerin will Betroffenen Mut machen

Die Wetzlarer Chirurgin will den Betroffenen nach eigenen Angaben jedoch vor allem Mut machen. Bei ihr würden die neurokognitive Einschränkungen wie Kopfschmerzen oder eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen knapp fünf Monate nach der Infektion nur noch selten auftreten, sagt sie. Betroffene sollten nicht verzweifeln, sondern einen Weg finden, um mit der Situation umzugehen, denn man könne davon ausgehen, dass sich die Symptome bei „der größten Zahl der Patienten zurückbilden“ – auch wenn dies bisweilen erst nach Monaten der Fall sei. Chronisch bedeute nicht lebenslang.

Um Betroffene auf diesem Weg zu unterstützen, hat Claudia Ellert inzwischen an den Lahn-Dill-Kliniken in Wetzlar zusammen mit dem Rehazentrum kerngesund!  eine Reha-Sportgruppe initiiert, die auf Bewegungstherapie, Atemtherapie und Entspannungstechniken setzt. Zudem, so heißt es in einer Ankündigung des Kurses, können bei Bedarf Leistungen wie Krankengymnastik, Krankengymnastik am Gerät, Psychotherapie in Gruppen, Ergotherapie oder Akupunktur vermittelt werden. Zwar seien mittelfristig bereits alle Termine für Beratungsgespräche vergeben, es gebe jedoch eine Nachrückerliste. Zudem solle eine Ausweitung des Angebots geprüft werden.

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