Ein Rudel wild lebender Damhirsche grast auf einer Lichtung im Naturschutzgebiet Mönchsbruch: Mit Senisibilität und coronagerechtem Verhalten lässt sich in Hessens Wäldern viel entdecken. FOTO: DPA
+
Ein Rudel wild lebender Damhirsche grast auf einer Lichtung im Naturschutzgebiet Mönchsbruch: Mit Senisibilität und coronagerechtem Verhalten lässt sich in Hessens Wäldern viel entdecken. FOTO: DPA

Lockruf der Wälder

  • vonDPA
    schließen

Abstand halten und in Corona-Zeiten gesund bleiben - für viele Menschen in Hessen ist das derzeit mit einem Ausflug in Wälder oder Naturschutzgebiete verbunden. Und was heißt das für Tiere und Pflanzen?

Safari in der Serengeti, Öko-Camps in Costa Rica oder auf Borneo - solche Naturerlebnisse müssen sich deutsche Touristen in diesem Jahr wohl abschminken.

Andererseits hat in Zeiten sozialer Distanz und Abstandsregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie Wandern an Beliebtheit gewonnen. Auch in Hessen haben zahlreiche Menschen ihre Liebe zu den heimischen Wäldern entdeckt. Bedeutet dass jetzt zusätzlichen Stress für Tiere und Pflanzen?

"Ich sehe es eher positiv, dass die Leute jetzt in die Wälder gehen", sagte Manuel Schweiger, Wildnisexperte der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der Deutschen Presse-Agentur. "Denn nur das, was man kennt, will man auch schützen. Deshalb freue ich mich, wenn die Leute die hiesigen Naturwälder entdecken, statt in den Flieger zu steigen, um zu einem Tropenwald aufzubrechen."

Wie viele Besucher derzeit in den hessischen Wäldern unterwegs sind, weiß auch Schweiger nicht - Er sehe dort aber derzeit deutlich mehr Menschen. "Die Auswirkungen auf die Tierarten können wir noch nicht abschätzen", sagte er. Doch es sei eher kein Problem für das Wild, wenn relativ viele Menschen in den Wäldern sind, solange es rechtzeitig auf sie aufmerksam wird. "Das sind ja keine treibjagdähnlichen Zustände, sondern Spaziergänger, die sich eventuell laut unterhalten oder mit hoffentlich angeleinten Hunden unterwegs sind. Das Wild ist dadurch relativ früh gewarnt." Es gebe allerdings sensible Bereiche wie beispielsweise einen Schwarzstorchhorst. Die scheuen Vögel wählten ihre Nistplätze aber ohnehin in Gebieten, die möglichst abgelegen seien, so Schweiger.

Gerade in stadtnahen Ausflugsgebieten wie etwa der Schwanheimer Düne in Frankfurt könne ein Andrang zahlreicher Besucher zu viel des Guten sein, räumte der Naturschutzexperte des NABU Hessen, Mark Harthun, ein. Ausflügler, die die Wege verlassen oder womöglich Abfall hinterließen, könnten das empfindliche Ökosystem verletzen.

Dennoch könnten Natur und Naturschutz von dem neuen Interesse profitieren. "Wir rufen sogar dazu auf, die Naturwälder zu besuchen", sagte Harthun. Mittlerweile gebe es sogar "virtuelles Waldbaden".

Hessen gehört zu den besonders waldreichen Bundesländern. Doch zu großen Teilen sind diese Wälder von den Menschen geprägt und bewirtschaftet. Immerhin: Zehn Prozent der hessischen Staatswälder sollen sich natürlich entwickeln, etwa am Edersee.

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt setzt sich seit Jahrzehnten weltweit für den Erhalt und Schutz von Wildnisgebieten ein. Das Engagement für die Wildnis vor der eigenen Haustür ist auch durchaus als globale Botschaft zu verstehen: "Nur wenn wir in Deutschland eine Vorbildfunktion einnehmen und alte, seltene Waldlebensräume vor der Zerstörung bewahren, können wir diesen Schutzgedanken auch von wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern in Afrika, Asien und Südamerika erwarten", heißt es auf der Projektseite.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare