So sehen freundliche Helfer aus: Schüler der Emil-von-Behring-Schule in Marburg haben den Sonderpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen gewonnen. FOTO: OP
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So sehen freundliche Helfer aus: Schüler der Emil-von-Behring-Schule in Marburg haben den Sonderpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen gewonnen. FOTO: OP

Ein lobenswertes Engagement

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Auszeichnung für das soziale Engagement von Schülern: Die Emil-von-Behring-Schule (EvB) hat für ihr Projekt "Mach mit - sei aktiv" - das ist ein seit 2003 existierendes Sozialpraktikum - den Ehrenamtpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen verliehen bekommen.

Siebt- und Achtklässler der EvB, die mitunter monatelang immer wieder stundenweise in sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Seniorenheimen oder der Tafel gearbeitet haben, nahmen den mit 1000 Euro dotierten Sonderpreis stellvertretend für alle Projektteilnehmer entgegen.

"Es ist nicht selbstverständlich, dass so junge Leute so etwas machen. Dabei hat die Tätigkeit einen großen Wert, einen, der über Geld hinausgeht. Man bekommt von Menschen etwas zurück. Es gibt nichts Schöneres, als dazu beizutragen, dass andere sich wohlfühlen", sagte Stiftungsvorsitzender Klaus Arnold bei der Preisverleihung im ehemaligen Turnergarten. Für EvB-Schulleiter Klaus Schäfer war die Auszeichnung eben wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie "der schönste Schultag des Jahres" und für die Jugendlichen grundsätzlich eine "Bestätigung, dass ihr Engagement gesehen, wahrgenommen und wertgeschätzt wird".

Das pädagogische Ziel: Entwicklung der Persönlichkeit

Die Schüler, die wöchentlich zwei Stunden etwa im Elisabethenhof, im Kindergarten in Roth oder Auf der Weide, bei der Tafel oder im Tierheim aushalfen, berichteten von ihren Erlebnissen: "Es ist eine interessante, tolle Erfahrung gewesen, mit den alten Menschen Zeit zu verbringen", sagt Anton Wehnert, der unter anderem Brettspiele mit Demenzkranken spielt. Es habe ihm gezeigt, dass es unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand im Leben vor allem darum gehe, freundlich zueinander zu sein. Um die ganz Jungen kümmerte sich indes Ashley Hartung, die in einem Kindergarten mitarbeitete. "Ich liebe Kinder, es macht mir unheimlich viel Spaß mit ihnen. Das ist etwas, das ich mir auch dauerhaft vorstellen kann", sagt sie. Einen Babysitter-Job hat sie wegen ihres freiwilligen außerschulischen Engagements bereits in der Tasche.

Als "tolle, verantwortungsvolle aber auch sehr stressige Erfahrung", bezeichnet Antonia Lemke ihre Zeit im Kindergarten. Auch wenn sie sich den Erzieherinnen-Job eher nicht vorstellen könne, habe sie die Arbeitseinsätze "gerne durchgezogen". Genau das ist der Wesenskern des von Lehrerin Sabine Karbus betreuten EvB-Projekts. "Reinschnuppern, Selbstständigkeit, Verantwortung wie auch Pünktlichkeit und Verlässlichkeit lernen."

"Am Ende geht es vor allem um Persönlichkeitsentwicklung", sagt Karbus. Ob im Begegnungscafé Caldern, bei der Freiwilligen Feuerwehr Elnhausen oder wie Mariella Beyer im Tierheim: "Das Anpacken früh auszuprobieren, bringt jeden voran", sagt Schulleiter Schäfer. Das sieht auch Katja Kirsch von der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf so und hofft, dass "der Spaß geweckt ist" und die frühen Erfahrungen der Schüler für diese zu einem "Türöffner werden, sich weiter zu engagieren".

Die Begründung der Bürgerstiftung für die Preisvergabe ist zugleich ein dickes Lob: "Eigentlich werden mit dem Ehrenamtpreis nur einzelne engagierte junge Menschen ausgezeichnet. Aber das Projekt dieser Schule hat uns sehr berührt, denn hier gelingt es offenbar seit Jahren schon, junge Menschen neben ihren schulischen Aufgaben noch zu sozialem Engagement zu bewegen. Der Name des Projektes ›Mach mit - sei aktiv‹ könnte auch eins zu eins für das Motto des Ehrenamtpreises stehen. Deshalb haben wir uns entschlossen in diesem Jahr einen Sonderpreis für dieses wunderbare Zeichen jugendlichen Engagements, getragen und initiiert von der Emil-von-Behring-Schule, auszuzeichnen.

Sabine Karbus sagte gegenüber dieser Zeitung: "Die Jugendlichen verpflichten sich verbindlich, einmal wöchentlich eineinhalb bis zwei Stunden in einer sozialen Einrichtung mitzuwirken. Sie sollen die Erfahrung machen, dass die Einrichtungen mit ihnen rechnen, sich auf ihr Kommen verlassen und sie verantwortlich mit ihrem Fernbleiben umgehen müssen, mehr als das in der Schule der Fall ist." Darüber hinaus sei auch die Erfahrung wichtig, dass sich Tätigkeiten, die nicht mit Euro und Cent honoriert werden, lohnen.

Um das ehrenamtliche Engagement der Schüler angemessen zu würdigen, erhalten die Teilnehmer am Ende des Schuljahres eine Urkunde, auf der ihre Tätigkeit beschrieben wird.

Das Engagement der Jugendlichen lohnt sich auch in dieser Hinsicht: Aus Gesprächen mit Personalchefs wisse man, dass bei Einstellungen von Auszubildenden ehrenamtliche Arbeit positiv vermerkt werde, sagte Karbus.

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