Und dann war das Geld weg: Privat-Verkäufer sollten sich bei Kleinanzeigen nicht auf unseriös wirkende Abwicklungen einlassen, sondern ein gesundes Misstrauen an den Tag legen. FOTOS: DPA
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Und dann war das Geld weg: Privat-Verkäufer sollten sich bei Kleinanzeigen nicht auf unseriös wirkende Abwicklungen einlassen, sondern ein gesundes Misstrauen an den Tag legen. FOTOS: DPA

Lieber einmal misstrauisch sein

  • vonGerd Chmeliczek
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Er glaubte, auf alles vorbereitet zu sein. Auf einen Internet-Betrüger werde er niemals hereinfallen. Ist er letztendlich auch nicht, aber es war haarscharf. Dabei wollte er doch nur sein altes Smartphone verkaufen. Warum es keine gute Idee ist, Waren ins Ausland zu verschicken und warum man nicht leichtfertig seine E-Mail-Adresse oder seine Handy-Nummer herausrücken sollte, das erklärt Ulrich Kaiser vom Polizeipräsidium Mittelhessen.

Die Anzeige beim Verkaufsportal war schnell in Szene gesetzt: Ein Smartphone ohne große Macken, viele Fotos, ein realistischer Preis. Was dann allerdings folgte, ließ den Verkäufer ratlos zurück: Ob er denn auch nach England verschicken würde, fragte ein Interessent über das Portal an. Die Versandkosten übernehme er natürlich. Warum nicht, dachte sich der Verkäufer - zugegebenermaßen etwas sehr blauäugig. Die Überweisung des Geldes sei angewiesen, schrieb der Interessent dann per E-Mail. Er werde die Zahlung freigeben, sobald das Päckchen unterwegs ist. Nun endlich schrillten beim Verkäufer die Alarmglocken und er brach den Kontakt zum Interessenten sofort ab.

"Die Masche ist bekannt", sagt Ulrich Kaiser. Der Kriminaloberkommissar ist beim Polizeipräsidium Mittelhessen Fachberater für Cybercrime. "Man kann davon ausgehen, dass der Verkäufer nie Geld gesehen hätte. Und das Handy wäre weg gewesen." Fragen und Antworten zum Thema:

?Was ist bei Privatgeschäften im Internet zu beachten?

"Ich empfehle grundsätzlich, Waren nicht zu verschicken, sondern den Verkauf persönlich abzuwickeln", sagt Kaiser. "Ware gegen Geld." Damit könne man schon relativ viel ausschließen. Bei vielen Verkaufsportalen könne man sich anmelden, ohne viel Persönliches preisgeben zu müssen. Daher könne man nie genau wissen, wer sich denn jetzt wirklich hinter dem angezeigten Namen verberge. Wolle man trotzdem Waren versenden, sollte man sich genau über die Sicherheitsbestimmungen der jeweiligen Plattform informieren.

?Versenden ins Ausland: Sollte man hier nicht sofort misstrauisch werden?

"Ja, ganz klar", sagt der Experte. Das sage einem auch schon der gesunde Menschenverstand. "Warum sollte jemand aus England ein gebrauchtes Smartphone kaufen? Da sind ja alleine die Versandkosten schon entsprechend hoch. Das macht keinen Sinn." Gleiches gelte übrigens auch im umgekehrten Fall: "Auch bei Angeboten aus dem Ausland sollte man generell vorsichtig sein."

?Die Interessenten fragen oft nach einer E-Mail-Adresse oder einer Handy-Nummer für den weiteren Kontakt. Was hat es damit auf sich?

"In der Regel wollen die Betrüger raus aus dem Chat-System des Verkaufsportals. Damit umgehen sie die jeweiligen Sicherheitsmaßnahmen der Plattform. Die hat den Account vielleicht schon gesperrt oder gelöscht, aber der Betrüger kann trotzdem weiter mit dem Anbieter kommunizieren. Zudem solle dieser private Kontakt Vertrauen schaffen. Der Interessent gibt etwas von sich preis, geht raus aus der Anonymität - angeblich. "Aber eine E-Mail-Adresse oder eine Handy-Nummer sagt nichts über die Person aus, die dahintersteht."

?Wie gefährlich ist es, wenn ich Daten von mir herausgebe?

In diesen Fällen gehe es weniger um mögliche Hacker-Angriffe, als darum, Vertrautheit vorzutäuschen, sagt Kaiser. Man bekommt zum Beispiel die Kopie eines Ausweises zugeschickt, verbunden mit der Bitte, es dem Interessenten gleichzutun. "Es ist aber davon auszugehen, dass das zugeschickte Dokument bei einem vorherigen Betrug erlangt wurde. Somit ist es zur Identifizierung des virtuellen Gegenübers wertlos."

?Solche Geschäfte werden oft über Online-Bezahldienste abgewickelt. Wie kann man sich hier schützen?

"Zu beachten gilt: Starten Sie den Dienst über die Browserleiste. Geben Sie die Adresse ein und klicken Sie nie auf einen Internet-Link, der Ihnen zugeschickt wurde", empfiehlt Ulrich Kaiser. Nur dann könne man auch sicher sein, auch auf der Originalseite zu landen.

?Bei Paypal gibt es die Funktion "Freunde und Familie". Betrüger wollen die Transaktion oft darüber abschließen. Was steckt dahinter?

"Paypal ist ein seriöser Anbieter", sagt der Experte. Vordergründig gehe es in diesem Fall darum, die Gebühren bei der Transaktion zu sparen. Die entfallen nämlich, wenn man über die Funktion "Freunde und Familie" Geld transferiert. "Eigentlich geht es aber darum, den Käuferschutz bei Paypal auszuhebeln. Der entfällt bei diesem Service." Ulrich Kaisers Tipp: "Nehmen Sie die Formulierung ›Freunde und Familie‹ unbedingt wörtlich."

?Worauf ist beim Zahlungsvorgang noch zu achten?

"Das Geld ist angewiesen und wird verschickt, sobald das Päckchen unterwegs ist." Auch diese Masche sei bekannt, erklärt Kaiser. Hier handelt es sich jedoch um Fake-Mitteilungen der Betrüger.

?Ich bin trotzdem in die Falle getappt. Was mache ich jetzt?

"Wichtig ist, die Kommunikation mit dem Betrüger zu sichern. Chat-Verläufe, E.-Mails, Textnachrichten auf dem Smartphone." Und damit gehe man dann zur Polizei und erstatte Anzeige. "Falsche Scham ist hier fehl am Platz", stellt Kaiser klar.

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