Nur zu Besuch: Alexander Lorz (CDU), Kultusminister von Hessen, als Gast an der Liebfrauen-Grundschule in Frankfurt bei einem sogenannte Sommercamp während der Schulferien. Nach Angaben des Ministeriums sollen über 7000 Schülerinnen und Schüler an über 130 hessischen Schulen mit dieser Unterrichtsform für das kommende Schuljahr fit gemacht werden. FOTO: DPA
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Nur zu Besuch: Alexander Lorz (CDU), Kultusminister von Hessen, als Gast an der Liebfrauen-Grundschule in Frankfurt bei einem sogenannte Sommercamp während der Schulferien. Nach Angaben des Ministeriums sollen über 7000 Schülerinnen und Schüler an über 130 hessischen Schulen mit dieser Unterrichtsform für das kommende Schuljahr fit gemacht werden. FOTO: DPA

Lernen in den Ferien

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Sommercamps statt Sonnenliege, Ferienakademien statt Freibad - wird das ausreichen, damit benachteiligte Kinder nicht abgehängt werden? Kultusminister Lorz hat in einer Frankfurter Schule nachgefragt.

Der, die das. Nicht so einfach, wenn Deutsch nicht die Muttersprache ist. Stuhl? Tisch? Buch? Acht Erstklässler der Frankfurter Liebfrauenschule halten blaue, rote, grüne Zettel hoch, um den richtigen "Begleiter" anzuzeigen. Oft ist sind die Zettelfarben der Kinder bunt gemischt. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat auch Begleiter dabei, ziemlich viele sogar. Sie informieren sich über die Sommercamps, in denen Kinder nach der Schulschließung Stoff nachholen können.

Die freiwilligen Angebote sollen "eine Brücke schaffen zwischen dem Ausnahmezustand der vergangenen Monate und dem neuen Schuljahr", sagt Lorz. "Wir haben die Hoffnung, dass wir das neue Jahr wenigstens so nah wie möglich am Regelbetrieb beginnen können." 130 Schulen im Land bieten für 7000 Schülern Sommercamps an. Sie werden von den Schulen und deren Lehrkräften organisiert. Obwohl in diesem Schuljahr niemand eine Klasse wiederholen muss, beteiligten sich laut Ministerium im Vergleich zu den Vorjahren viermal so viele Kinder und Jugendliche.

Neben den Sommerferiencamps gibt es in diesem Jahr in Hessen erstmals 360 sogenannte Ferienakademien. Mehr als 15 000 Schülerinnen und Schüler haben sich angemeldet, wie das Ministerium mitteilte. Bei dem freiwilligen und kostenlosen Angebot kann in den letzten beiden Wochen der Ferien Deutsch, Mathematik oder auch Englisch gebüffelt werden. Als Lehrpersonal sollen laut Ministerium vor allem Lehramtsstudenten eingesetzt werden.

Wird das ausreichen, damit im neuen Schuljahr alle Kinder auf einem Lernstand sind? Eva Bühler, die in der Liebfrauenschule eines der Sommercamps leitet, ist skeptisch, aber hoffnungsvoll. "Das Camp trägt auf jeden Fall dazu bei", sagt die Lehrerin. "Die Kinder haben zumindest ein besseres Polster als ohne." Die Grundschule in der Frankfurter Innenstadt hat viele Kinder, deren Eltern nicht Deutsch sprechen. Die Schließung habe viele "vor allem sprachlich sehr zurückgeworfen", sagt Bühler.

GEW skeptisch

50 Familien habe die Schule angesprochen, berichtet Schulleiterin Susanna Kock, 31 Kinder hätten das Angebot angenommen. Deutsch und Mathe stehen an der Liebfrauenschule im Vordergrund, es gehe darum, "die spezifischen Defizite des einzelnen Kindes auszugleichen". Die Tage sind gegliedert in Lernzeiten, Kreativ- und Bewegungsangebote, Frühstück und Mittagspause inklusive.

Sommercamps und Ferienakademien sollen helfen, Kinder "fit für die nächste Klasse zu machen", sagte Lorz. "Wir sehen den Bedarf." Dass Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, nach den Belastungen der vergangenen Monate solche Angebote auf die Beine zu stellen, statt sich in die Ferien zu verabschieden, sei großartig.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist nicht überzeugt. "Diese Aktionen des Kultusministeriums dienen in erster Linie zur Beruhigung der Eltern", sagt der Geschäftsführer der GEW Hessen, Ulrich Märtin. "Die Ferienangebote wurden so kurzfristig an die Schulen weitergegeben, dass eine sinnvolle Vorbereitung und inhaltliche Abstimmung mit den Lehrkräften nicht möglich war." Teils würden pensionierte Lehrkräfte eingesetzt, "die in Corona-Zeiten zwangsläufig zu den Risikogruppen gehören", Ehrenamtliche oder Studierende "im nullten Semester". Die GEW hofft, "dass der Schulanfang nach den Sommerferien nicht ähnlich chaotisch durch das Kultusministerium vorbereitet wird, wie die Erfahrungen in den letzten Monaten gezeigt haben".

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