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Leben und Genießen am Fluss

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In diesem Teil unserer Serie "Hessisch!" geht es darum, wie Gewässer die Region beleben. Für die Hessen ist der "Maa" Identitätsstifter, Namensgeber und unverzichtbar für Lebens- und Freizeitgestaltung. Auf ihn legen wir unseren Schwerpunkt: Porträt eines Flusses in fünf Episoden.

Die wichtigsten Daten Gleich zwei Quellflüsse speisen den Main, der mit 527 Kilometern Fließstrecke der längste rechte Nebenfluss des Rheins ist. Der Weiße Main entspringt im Fichtelgebirge, der Rote Main in der Fränkischen Alb. In Kulmbach vereinigen sich beide zum Main.

Wenn der Fluss bei Großkrotzenburg schließlich Hessen erreicht, hat er Baden-Württemberg und Bayern bereits hinter sich und auch den längsten Teil seiner Strecke. Bei Mainz fließt er in den Rhein.

Schiffbar ist der Main über eine Länge von 388 Kilometern. Die Wassertiefe beträgt 2,50 bis 5 Meter. Die wichtigsten Nebenflüsse des Mains in Hessen sind die Kinzig, die bei Hanau mündet. Die Nidda fließt bei Frankfurt-Höchst in den Main, die Rodau bei Mühlheim.

In den 70er Jahren galt der Main als einer der am stärksten verunreinigten Flüsse Europas. Ursache waren unter anderem Industrieanlagen an den Flussufern, der Ausbau des Mains zur Wasserstraße mit zahlreichen Staustufen, die Zunahme der Bevölkerungsdichte in den Ballungsräumen.

Heute geht es dem Main wieder besser, weil Chemiebetriebe wie Allessa inzwischen eigene biologische Kläranlagen haben und kleinere Betriebe in städtische Abwasseranlagen einleiten statt direkt in den Fluss. Zwischenzeitlich gibt es wieder Leben im Fluss. Fische tummeln sich und Flusskrebse. Von Hanau bis Frankfurt trifft man an den Flussufern Angler, die ihre Ruten nach Beute auswerfen.

2004 kam die Idee auf, zwischen den Staustufen Griesheim und Offenbach die Wasserqualität durch Einleitung großer Mengen Trinkwasser zu verbessern, auch um die Triathleten des Ironman-Wettbewerbs ihre lange Schwimmstrecke im Main statt im Langener Waldsee absolvieren zu lassen. Daraus wurde am Ende aber nichts.

Wohnen

Es war einmal eine Industriebrache in Offenbach am Mainufer, vernachlässigt, verlottert, vergessen. In Sichtweite wurde und wird bis heute von Frachtschiffen Kohle gelöscht für den Betrieb des nahe gelegenen Heizkraftwerkes des örtlichen Energieversorgers: herber Industrie-Charme zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Nordring.

Dann bebaute die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG das Gelände. Es entstanden drei mächtige, achtgeschossige Gebäuderiegel mit insgesamt 178 Mietwohnungen mit Blick auf den Main, und davor kleinere Solitäre mit Eigentumswohnungen mit Blick auf den Hafen. Die Hafeninsel war geboren.

Wohnen am Fluss war so gefragt, dass die ABG 2012 bereits vor Fertigstellung der Wohnungen Wartelisten für interessierte Mieter führte. Inzwischen hat sich die Hafeninsel zu einem kleinen Stadtteil von Offenbach entwickelt, mit Hafenschule, Kindertagesstätte, Einkaufszentrum und allen Problemen einer neuen Siedlung auf engem Raum.

Freizeit

Mitten in Offenbach ist der Gruß "Willkommen in Offenbach am Meer" zu lesen. Das Leben am Wasser macht allem Anschein nach euphorisch, mindestens aber ist es fantasieanregend. An den Fluss zieht es uns wie magisch: zum Flanieren und Radeln, zum Sonnenanbeten und Grillen, zum Chillen und Feiern.

In den Städten konzentriert sich vor allem im Sommer urbanes Leben an den Flussufern. Auch an den Nebenflüssen geht es munter zu. Eine besondere Form des Lebens am Wasser hat die Stadt Bad Vilbel realisiert: mit der neuen Bibliotheksbrücke. Kühn und klotzig überspannt das 40 Meter lange zweigeschossige Bauwerk die Nidda, das die Stadtbibliothek beherbergt und ein Café. Die umlaufenden Glasfassaden erlauben dem Besucher den ungehinderten Blick aufs Wasser.

Schieden sich noch 2013 bei Fertigstellung dieser sehr besonderen Brücke die Geister an ihrem Erscheinungsbild, mag sie heute wohl kaum jemand mehr missen. Weil hier Leben pur am Fluss ist.

Kultur

Die Promenaden an den Frankfurter Mainufern werden längst bewundernd in einem Atemzug genannt mit der Binnenalster in Hamburg oder den Dresdner Elbterrassen. Auf der rechten Mainseite ("hibbdebach") imponiert das Nizza mit mediterranen Pflanzenarrangements, auf der linken Mainseite das Museumsufer, das in äußerer Gestaltung und Qualität des Angebots bislang einmalig ist. 15 Museen unterschiedlicher Ausrichtung und vorzüglicher Güte reihen sich an beiden Mainufern hibb- und dribbdebach aneinander. Kaum irgendwo sitzt es sich lauschiger als während des Museumsuferfestes unter den alten Bäumen im pittoresken Innenhof des Skulpturen-Museums Liebieg-haus.

Eine besondere Kulturstätte findet sich in Frankfurt mitten im Main, nahe der Alten Brücke. Auf der schmalen und nur 300 Meter langen Maininsel steht der Portikus, ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst. Direkt daneben übrigens: das Bootshaus des ältesten Frankfurter Rudervereins von 1865. Kultur hat in Frankfurt keine Berührungsängste.

Sport

Rudervereine gibt es am Main wie Sand am Meer. Staustufen sind zwar Barrieren für Wassersportler, aber sie sind nicht unüberwindlich. Viele Schleusen haben eigens eine Sportbooten vorbehaltene kleine Schleusenkammer. Paddler überwinden die Staustufe, indem sie an Land gehen, ihr Boot über die Schleuse tragen und es dahinter wieder einsetzen, um weiterzufahren.

Wasserskiläufer und Jetski-Fahrer dürfen sich nur auf eng eingegrenzter Strecke auf dem Main bewegen: Stromkilometer 48,5 bis 49,3 bei Offenbach-Rumpenheim ist die vergleichsweise mickrige Meile, die auch für sie nutzbar ist. Für alle Wassersportler gilt indessen: Berufsschifffahrt hat Vorfahrt, jederzeit.

Wer Bodenhaftung behalten und dennoch das Flair der abwechslungsreichen Flusslandschaft genießen möchte, dem sei der Mainwander- weg empfohlen. Für Radler gibt es mit dem Mainradweg ein attraktives Freizeitangebot (www.mainradweg.com).

Feiern

Folgendes gilt vollumfänglich natürlich nur in Nicht-Corona-Zeiten: Chillen und grillen kann man kaum irgendwo schöner als in Frankfurt auf der Niederräder Main-Halbinsel mit dem wunderbar altmodischen Namen Licht- und Luftbad, kurz LiLu, mit Uferwiesen, Sandstrand und fürs Grillen reservierten Flächen. Beach-Clubs ziehen normalerweise mainauf, mainab in den Sommermonaten Feierfreudige an. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch Party-Schiffe auf dem Main, die durch die Nacht fahren. 2020 ist alles ein bisschen anders.

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