Solch eine moderne Anlage wie die Humboldt-Pinguine haben nicht alle Tiere im Frankfurter Zoo. 14 der 25 Anlagen sind über 50 Jahre alt. In den nächsten 15 Jahren soll sich daran einiges ändern. FOTO: DPA
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Solch eine moderne Anlage wie die Humboldt-Pinguine haben nicht alle Tiere im Frankfurter Zoo. 14 der 25 Anlagen sind über 50 Jahre alt. In den nächsten 15 Jahren soll sich daran einiges ändern. FOTO: DPA

Langer Weg zum modernen Zoo

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Eine Konzeptstudie soll den Frankfurter Zoo moderner und attraktiver machen. Der Masterplan ist auf die nächsten 15 Jahre ausgelegt. Und ein Rundgang zeigt, warum er für vor allem für die Tiere so wichtig ist.

Wir leben von unserer Reputation. Noch. Aber wir müssen grundlegende Änderungen vornehmen, um die Zukunft des Frankfurter Zoos zu sichern." Dr. Miguel Casares, seit Februar 2018 Direktor des Frankfurter Zoos, ist ein freundlicher Mann - und ein Freund klarer Worte. Als er vor fast genau einem Jahr bei der Präsentation der Konzeptstudie "Zookunft2030+" von "Zeitbomben" (seine Allegorie für teils über 150 Jahre alte Tierhäuser) sprach, nahm ihm das manch Zartbesaiteter in der Stadtpolitik krumm, anstatt sich die rund elf Hektar große Anlage einmal nüchtern anzusehen. Und eben nicht nur die neueren Anlagen wie Borgoriwald (Menschenaffenhaus, 2008 eröffnet), Ukumari-Land (Brillenbären und Brüllaffen, 2013) und die Pinguin-Anlage (Mai 2019). "Ja, diese drei Anlagen sind schön. Sie zeigen, wohin die Reise gehen kann", sagt Casares. Rund 30 Millionen Euro, ausgelegt auf 15 Jahre, seien hier gut angelegt worden.

Der Zoodirektor, Jahrgang 1966, schließt das derzeit wegen Corona geschlossene Spitzmaulnashorn- und Nilpferdhaus beim Rundgang mit dieser Zeitung auf. Es gehört zu den bittersten Beispielen, wie kaputt, beengt und traurig der Zoo inzwischen in großen Teilen ist. Uralte Kacheln, aufgeplatzte Böden, marode Leitungen, rostige Heizkörper, Dauerpfützen im Heizungskeller und enge Tierpflegergänge machen sprachlos. Mit 147 Jahren ist dieses Gebäude eines der ältesten. Casares schweigt. Für das einsame Senior-Spitzmaulnashorn, das auf der viel zu kleinen und unattraktiven Außenfläche meist nur döst, würde er von keinem Zoo der Welt eine Partnerin bekommen: "Nicht unter diesen Umständen." Für das ebenso einsame und alte Flusspferd auch nicht.

Über 65 Jahre hat auch die Anlage der Giraffen auf dem Buckel. Eine Familie läuft achtlos am kleinen Außengehege vorbei, obwohl zwei Langhälse gerade anmutig aus ihrem hoch hängenden Fresskorb naschen. Das Affenhaus mit den hellblau gefliesten Schaugehegen (Casares: "Die einst typische Badezimmerarchitektur") wurde vor fast 60 Jahren erbaut - und sieht genauso aus. Auch wenn in den Gängen vor den Käfigen Rindenmulch und Topfpflanzen Augenwischerei betreiben. 148 Jahre alt ist auch die große Greifvogelvoliere. "Noch so ein Methusalem", sagt Casares. Auf einer Übersichtskarte hat er alle überalterten Gehege eingezeichnet: 14 der 25 Anlagen sind über 50 Jahre alt. Die normale Lebensdauer einer Tieranlage liegt bei maximal 30 bis 40 Jahren.

Dieser Missstand soll sich endlich ändern. In der Konzeptstudie schlagen der Zoodirektor und andere Experten die Umgestaltung von zwei großen Arealen vor - insgesamt fünf Hektar des elf Hektar großen Zoos. In diesen Arealen (Nordost und Süd-west) befinden sich derzeit die meisten der veralteten Tieranlagen.

Die Gestaltungen haben eine Verbindung zu den wichtigsten Projektgebieten der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) von 1858: Afrika und Südamerika (Amazonas). Mit der historisch gewachsenen Vernetzung des Zoos und der ZGF, die sonst nur noch die Zoos von London und New York aufweisen, gibt es beste Voraussetzungen. "Viele Leute wissen davon nichts", sagt Casares.

Monatelang haben er, Mitarbeiter des Zoos, der ZGF und Planer von The Logical Zoo (TLZ) an der Konzeptstudie gearbeitet, finanziell gefördert von der Stiftung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Stiftung Zoo Frankfurt. "Es geht hier nicht darum, einzelne Gehege neu zu bauen oder die Besucherwege neu zu gestalten", betont Casares. Frankfurts Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig (SPD) stimmt zu: "Es geht um viel mehr, nämlich eine ganzheitliche Vorstellung davon, was ein moderner Zoo leisten kann. Und warum er für uns alle in unserer bedrohten Welt so wichtig ist und wie die elf Hektar inmitten des Frankfurter Ostends optimal genutzt werden können." Der Konzeptstudie haben die Stadtverordneten am 2. Juli dieses Jahres zugestimmt. Das ist Grundlage für die Entwicklung eines Masterplans. Dafür stehen im Haushalt 2020/21 rund 750 000 Euro bereit. Die Planungen inklusive dem Finanzierungskonzept sollen 2022 fertig sein, die Umbauten 2023 beginnen und stufenweise bis 2032 fertig sein.

Doch bevor der Masterplan kommt, muss der Zoo einiges vorbereiten, denn mit einer europaweiten Ausschreibung ist zu rechnen. Zudem muss das Vorhaben zur gesamtstädtischen Klimaschutzstrategie passen. "Es sind Voruntersuchungen zum Einfluss des geplanten Umbaus auf die lokale Biodiversität und das Stadtklima in Arbeit", erklärt Hartwig. Auch eine gartenhistorische Betrachtung des Areals läuft gerade.

"Ein solch komplexer Prozess wie die Arbeit an einem Masterplan für den Zoo, der die nächsten 15 Jahre umfassen soll, wird sicherlich noch das ganze nächste Jahr beanspruchen, pandemiebedingte Verzögerungen nicht eingerechnet", erklärt Hartwig. Doch sie freut sich, dass die "dringend notwendige Neugestaltung dank der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung begonnen hat". Mit ihrem kürzlich vorgestellten Konzept für das Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus und einem Frankfurt Conservation Center am Osteingang sowie dem Masterplan-Prozess kommt ihr "Drei-Säulen-Konzept" für das Zoo-Areal voran.

Casares hat derweil ein klares Ziel vor Augen: "Das Motto ›Tiere erleben - Natur bewahren‹ ist stark. Wir wollen die Faszination Wildtier erlebbar machen. Unsere Besucher sollen eintauchen in die Welt der Tiere und nach ein paar Stunden mit dem Gefühl aus dem Zoo gehen, etwas Wertvolles kennengelernt zu haben." Er will eine Naturschutz-Kultur fördern, "dafür muss das Zooerlebnis möglichst dicht und umfassend sein".

Zum Zeitplan und den nächsten Schritten erklärt Casares: "Die weitere Zooentwicklung ist in drei Phasen eingeteilt und auf die nächsten 15 Jahre ausgelegt. In Phase I von 2019 bis 2022 sollen die bereits begonnenen oder geplanten Projekte im zentralen Dreieck des Zoos fertiggestellt werden - so etwa der Umbau der Löwen-Anlage."

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