20 Landwirte beliefern künftig die Biogasanlage

Ebsdorfergrund (ker). Die Betreibergesellschaft Biogas Ebsdorfergrund sowie die Gemeinde hatten jetzt zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Die Führungen über das rund vier Hektar große Gelände machten die Dimension der Anlage deutlich. Die Stadtwerke Gießen wollen ein Drittel des dort produzierten Bioerdgases abnehmen.

Silo, Fermenter und Gärrestlager, das sind in groben Zügen die drei baulichen Elemente, die eine Biogasanlage ausmachen. In Heskem-Mölln ist das nicht anders. Der Unterschied ist hier die bauliche Dimension und vor allem das Konzept der Biogasnutzung. Viele Interessierte aus den umliegenden Dörfern kamen daher zur Baustelle, um sich über den Entwicklungsstand der größten Biogasanlage in Mittelhessen zu informieren.

Seit dem ersten Spatenstich am 16. März wurde hier einiges bewegt. Der Bau ist jetzt so weit fortgeschritten, dass die Besucher eine Vorstellung davon bekamen, wie sich das fast vier Hektar große Gelände einmal darstellen und die Anlage arbeiten wird. Ab Sommer 2012 soll in den Fermentern täglich aus 90 bis 100 Tonnen Substrat Biogas gewonnen werden. Dieses wiederum wird in Bioerdgas umgewandelt, das dann über die Erdgasleitungen der Stadtwerke Marburg direkt zum Verbraucher geht.

Drei Fermenter und sechs Silos

Bürgermeister Andreas Schulz sprach zu Beginn der Führungen von einem Vorzeigeprojekt, das ein bedeutender Schritt zur eigenständigen Energieversorgung der Gemeinde Ebsdorfergrund sei und zum Strukturwandel sowie zum Erhalt der Landwirtschaft beitrage. Hinter diesem Konzept stehen drei Gesellschaften, wie Wolfgang Fettig, Geschäftsführer der Biogas Ebsdorfergrund GmbH und Co. KG erklärte. 50 Prozent der Gesellschaft gehören der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG, zu je 25 Prozent sind Anlagenbau Weltec und die Altus AG, die auch Projektplaner ist, Anteilseigner. Insgesamt werden es rund 40 000 Tonnen Substrat, sprich Mais, Gräser, Gerste- und Triticale-Ganzpflanzensilage oder Gülle sein, mit denen die Biogasanlage das Jahr über "gefüttert" werden soll. Erwartet werde von dem System, dass es aufgrund geringer Wartungsarbeiten von den im Jahr verfügbaren 8760 Stunden etwa 8400 seine Arbeit tue, informierte Fettig.

Welche baulichen Dimensionen die Verarbeitung solcher Mengen an organischem Material benötigt, verdeutlichten die Führungen von Kleingruppen über das Gelände. Diese übernahmen die Mitarbeiter der Altus AG sowie der Biogas Ebsdorfergrund. Allein für die Lagerung der Substrate wurden sechs Silos mit einer Gesamtgrundfläche von einem Hektar und einer Wandhöhe von vier Metern gebaut. Bis zu sechs Meter hoch sollen die Substrate hier gelagert werden. Angebaut werden diese auf etwa 600 Hektar Ackerfläche. Die Belieferung werde künftig von 20 Landwirten aus einem Umkreis von zehn Kilometern erfolgen.

Nicht minder interessant war es, in einem der Fermenter zu stehen, um dessen Größe zu ermessen. Drei Edelstahlbehälter mit einem Durchmesser von 27 und einer Höhe von sechsMetern werden im Jahr 7,5 Millionen Kubikmeter Biogas produzieren. Das wiederum entspreche einer Energiemenge von mehr als 40 Millionen Kilowattstunden, sagte Fettig. Das bedeute eine 92-prozentige Ausnutzung der eingebrachten Energie. Das ist nur möglich, weil hier nicht – wie sonst üblich – aus Biogas Strom, sondern Bioerdgas gewonnen wird. Dieses Konzept sei "das Geniale an der Anlage", erklärte Fettig.

Normale Biogasanlagen produzieren bei der Stromgewinnung in den Blockheizkraftwerken sehr viel Abwärme, die meist nicht genutzt wird oder eines weiteren Nutzungsplanes bedürfe. In Heskem-Mölln sind die Stadtwerke Marburg beteiligt, die bereits Gasleitungen von Cappel nach Beltershausen gelegt haben und nun noch den Lückenschluss zur Biogasanlage einschließlich der Gaseinspeisestation übernehmen. Fließen wird das Bioerdgas später nicht nur im Netz der Stadtwerke Marburg. Die Einspeisung erfolgt auch in übergeordnete Netze, zum Beispiel in das Netz der Stadtwerke Gießen sowie zu den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden.

Entwässerung über zwei Systeme

Die Gärreste, wertvoller Dünger, werden von den Landwirten abgeholt, um sie auf die Äcker zurückzuführen. Für die Zwischenlagerung dieser flüssigen Substanz befinden sich drei Restbehälter im Bau. Sie werden ein Fassungsvermögen von 4900 bis 6000 Kubikmeter haben. Damit es zu keiner Verunreinigung des Erdreichs kommt, wird die Entwässerung der Silos über zwei Systeme geleitet. Sickersäfte werden damit in einen unterirdischen, 120 Kubikmeter großen Behälter geleitet. Auch eine Löschwasserzisterne ist eingeplant. Sie hat ein Volumen von 200 Kubikmetern. Drei Vollzeitkräfte werden auf der Anlage arbeiten.

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