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Der Mangel an Landärzten nimmt zu. Die SPD möchte dem mit einer Quote entgegenwirken. FOTO: DPA

Landarztquote gegen den Mangel

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Wiesbaden- Mit einer Landarztquote bei Hessens Medizinstudienplätzen will die oppositionelle SPD-Fraktion im Landtag die medizinische Versorgung verbessern. In ländlichen Regionen sei es schon heute vielerorts nicht mehr selbstverständlich, in erreichbarer Nähe zum Wohnort einen Hausarzt zu finden, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Daniela Sommer am Montag in Wiesbaden. Schon jetzt gebe es 300 unbesetzte Arztstellen, in den kommenden zehn Jahren gingen 60 Prozent der Hausärzte in den Ruhestand. Bei der Vorstellung des Gesetzentwurfes war auch Stephanie Becker-Bösch (SPD), Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin des Wetteraukreises, dabei. Sie bekräftigte die Dringlichkeit neuer Wege. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt im Wetteraukreis bei 55 Jahren. Knapp 20 Sitze seien unbesetzt, sagte Becker-Bösch. Stipendien und andere Förderversuche seien erfolglos gewesen. Speziell im verkehrlich schlecht angebundenen Ostkreis sei es wichtig, dass die Lücken im Versorgungsnetz nicht noch größer würden. Laut der Forderung der SPD-Fraktion sollten zehn Prozent der Medizinstudienplätze für Bewerber reserviert werden, die sich verpflichten, nach erfolgreichem Abschluss mindestens zehn Jahre als Hausarzt zu praktizieren. Und zwar in einer Region, in der Mangel herrscht oder die von Mangel bedroht ist. Hält sich der Mediziner nicht an die Abmachung, drohe eine Vertragsstrafe von 250 000 Euro.

Anreize bei der Studienplatzvergabe gibt es bereits, etwa in Nordrhein-Westfalen: Das Interesse an den dortigen Medizinstudienplätzen nach Landarztquote war ein Jahr nach der Einführung bereits sprunghaft gestiegen. Bei den Bewerbungen zum Sommersemester 2020 kamen auf jeden der 25 noch verfügbaren Plätze 16 Anträge. In Bayern sind dagegen bislang weniger Bewerbungen für die neue Quote eingetrudelt, als es Plätze gibt.

Der gesundheitspolitische Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Ralf-Norbert Bartelt, verwies darauf, dass die Landesregierung bereits in ihrem Koalitionsvertrag die Einführung einer Landarztquote vereinbart habe.

Bei der Ärzteschaft stößt der SPD-Vorstoß auf Ablehnung. Die Entscheidung für die Fachrichtung falle erst während des Studiums, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), Eckhard Starke, gegenüber der "Frankfurter Rundschau". dpa/eb

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