Glücklich: Claudia Calise und ihr Sohn Willi mit dem von der LEBERECHT-Stiftung gespendeten Fahrrad. Das Tandem ist perfekt für Willi: Er kann vorne selbst treten, muss aber nicht lenken. Seine Mutter ist sehr froh, dass ihr Sohn nun endlich bei Fahrradtouren dabei sein kann. FOTO: JOCHEN REICHWEIN
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Glücklich: Claudia Calise und ihr Sohn Willi mit dem von der LEBERECHT-Stiftung gespendeten Fahrrad. Das Tandem ist perfekt für Willi: Er kann vorne selbst treten, muss aber nicht lenken. Seine Mutter ist sehr froh, dass ihr Sohn nun endlich bei Fahrradtouren dabei sein kann. FOTO: JOCHEN REICHWEIN

Ein Lächeln ins Gesicht zaubern

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Manche Menschen sagen ja, dass Charles Dickens das Weihnachtsfest erfunden habe. Das stimmt natürlich nicht. Aber wer erzählt schöner vom Zauber der Heiligen Nacht als der englische Schriftsteller? Seine Geschichten lassen uns wieder an Wunder glauben. Um Wunder und eine Stiftung, die Gutes tut, geht es in diesem Text.

Sie geschehen nicht einfach so. Man muss schon etwas dafür tun, eine Idee oder einen Wunsch haben - und ein Ziel vor Augen. Vor allem muss man an das Gute im Menschen glauben. Dann geschehen auch Wunder - so wie dieses: Vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ruft die Redaktion der "Frankfurter Neuen Presse" dazu auf, für Kinder, die durch den Krieg Waisen wurden oder die in armen Verhältnissen leben, ein paar Mark zu spenden. Leser können auch kleine Geschenke in der Redaktion abgeben.

Was dann geschieht, überrascht alle: Das Druckhaus muss mehrere Räume bereitstellen, um die vielen Gaben zu sortieren und zu lagern. Der Verlag gleicht zunehmend einem Versandhaus. So kam es, dass das "FNP-Christkind" am 22. Dezember 1949 beinahe 400 armen Kindern eine Bescherung bereiten konnte. Aus dieser Aktion, aus diesem Weihnachtswunder entstand die LEBERECHT-Stiftung, die bis heute Gutes tut.

Die FNP ist unsere Partnerzeitung. Und deshalb werden wir, das Zeitungshaus MDV, uns auch in der Stiftung einbringen, werden Spenden sammeln und damit behinderten und benachteiligten Kindern und Jugendlichen helfen. Und wir bitten Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns dabei zu unterstützen. Bianca Haag ist Geschäftsführerin von LEBERECHT. Sie stellt im Interview die Stiftung vor.

Frau Haag, glauben Sie an Wunder?

Allein diese Frage zaubert mir schon ein Lächeln ins Gesicht. Und sofort habe ich den Song "Wunder gibt es immer wieder" im Ohr - geht es Ihnen auch so? Ich sage: Ja, lassen Sie uns an die kleinen und vielleicht auch großen Wunder im Leben glauben!

Was genau ist denn LEBERECHT?

Nun, es ist eine gemeinnützige Stiftung für behinderte und benachteiligte Kinder und Jugendliche im Rhein-Main-Gebiet. Wir unterstützen sowohl Privatpersonen als auch Institutionen, indem wir behindertengerechte Geräte und Hilfsmittel finanzieren wie zum Beispiel Computer für Blindenschulen oder Fahrstühle für Privathaushalte. Zudem ermöglichen wir Reittherapien oder Musiktherapien, fördern Nachhilfeunterricht oder vergeben Kleidergutscheine.

Das ist alles sehr hilfreich, aber auch sehr teuer. Woher kommt das Geld?

Wir erfahren seit Jahren eine große Unterstützung durch Privatpersonen und Firmen aus der Region und freuen uns dabei über jeden einzelnen Euro. Das reicht vom monatlichen Zehn-Euro-Dauerauftrag über den fünfstelligen Weihnachts-Spendenscheck bis hin zur Einsetzung unserer Stiftung als Erbe. Ein Beispiel: Zwei Leser, beide waren jahrzehntelang Abonnenten der FNP, haben uns jeweils eine Immobilie vererbt. Damit, aber auch mit vielen kleinen Spenden, können wir unglaublich viel Gutes tun.

Es gibt auch ganz gezielte Aktionen, beispielsweise Charity-Projekte. Können Sie Beispiele nennen?

Es gibt so viele tolle Projekte von Privatleuten, Prominenten oder Firmen. Da fällt es mir schwer, einzelne herauszuheben. Ich persönlich finde das Familienfest in Usingen, welches die Stadt Usingen und unsere "Taunus Zeitung" zugunsten unserer Stiftung veranstalten, ganz im Sinne von LEBERECHT. Es erfüllt viele Zwecke, ist unter anderem ein inklusives Spielefest. Hier verbringen Kinder, deren Familien sich keinen Sommerurlaub leisten können, für eine Fünf-Euro-Spende einen ganz besonderen Tag - mit Ponyreiten, Kindermodenschau und Bastelangeboten. Zudem ist das Familienfest dank eines Inklusionsmobils und eines Rollstuhlparcours ein Ort der Begegnung von behinderten und nicht behinderten Kindern und ihren Eltern.

Wohin fließt das gespendete Geld?

Wichtig ist zunächst zu wissen: Bei der LEBERECHT-Stiftung arbeiten alle ehrenamtlich. Es entsteht nur ein geringer Verwaltungsaufwand - beispielsweise für Logistikkosten bei Spendenveranstaltungen oder für die Erstellung von Werbematerialien. Der Rein- erlös von Veranstaltungen und Spenden kommt den Schützlingen zugute.

Haben Sie ein paar Beispiele für unsere Leser?

Jedes Schicksal, dem wir über LEBERECHT begegnen, berührt uns. Gerade in Pandemie-Zeiten hat mich betroffen gemacht, dass wichtige Anlaufstellen für behinderte und benachteiligte Kinder und Jugendliche geschlossen hatten. Aus meiner Sicht eine riesengroße Katastrophe. Eine Initiative, deren Kreativität und Engagement mich in diesem Zusammenhang sehr begeistert hat, ist die Arche Frankfurt. Statt eines warmen Mittagessens in der Betreuungseinrichtung wurden Essenspakete zu den Familien nach Hause geliefert. Um beim Homeschooling helfen zu können, wurden Lernvideos produziert. Und via Chat und Videoplattform wurde miteinander gelesen, gerechnet und gespielt. LEBERECHT hat hier eine sechsstellige Summe gespendet, sodass diese Form der Hilfe möglich war.

Auf Ihrer Website kann man hören und lesen: Eines der Hauptanliegen von LEBERECHT sei es, "ein Lächeln in das Gesicht von Kindern zu zaubern". Wie reagieren denn die Eltern, wenn ihre Kinder so viel Hilfe bekommen?

Die Eltern sind unglaublich dankbar für die Unterstützung durch LEBERECHT. Unsere Hilfe schafft oftmals eine Erleichterung im Alltag und sorgt für Freiräume, um kleine und unbeschwerte Momente in der Familie teilen zu können. Wenn zum Beispiel ein behindertengerechtes Fahrzeug bereitsteht, sind Fahrten zu Therapieangeboten einfacher möglich. Und wenn dann noch - wie jetzt in Fechenheim - ein inklusiver Spielplatz entsteht, gibt es zudem ein tolles Ausflugsziel, wo behinderte und nicht behinderte Geschwisterkinder gemeinsam spielen können.

Sie schauen jetzt auch nach Gießen und in die Wetterau. Wie wollen Sie sich da etablieren?

Wir haben das große Glück, mit den Tageszeitungen unserer Gruppe eine große Öffentlichkeit zu erreichen. Über redaktionelle Berichte wie dieses Interview, Spendenaufrufe in Anzeigen und die Web- site www.leberecht-stiftung.de wollen wir auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Dabei sprechen wir gleichermaßen Personen an, die uns unterstützen möchten, wie auch Familien, die Hilfe benötigen. Das bedeutet auch: Geld, das in Ihrem Verbreitungsgebiet gespendet wird, fließt auch in Hilfsprojekte in der Region Gießen und Wetterau.

Wie können Leser helfen?

Mit jedem Betrag, den Ihre Leserinnen und Leser spenden, helfen sie. Spenden ist möglich auf unsere Spendenkonten. Sehr sympathisch ist auch immer wieder, wenn Leserinnen und Leser auf Geschenke zu runden Geburtstagen verzichten, und stattdessen zu einer Spende an LEBERECHT aufrufen. Vereine, Gruppen oder Firmen können Charity-Aktionen starten.

Was steht jetzt vor Weihnachten an?

Alljährlich findet als stimmungsvoller Start in die Adventszeit eine Sammlung zugunsten von LEBERECHT auf der Frankfurter Fressgass" statt. In diesem Jahr müssen wir leider pausieren und laden stattdessen ein, mehr über die Stiftungsarbeit in unseren Zeitungen zu erfahren. Bis Weihnachten werden wir Geschichten unserer Schützlinge erzählen und engagierte Unterstützer zu Wort kommen lassen. Auch wenn dies den persönlichen Kontakt auf der Fressgass nicht ersetzt, hoffen wir doch, unsere Leserinnen und Leser auf emotionale Art und Weise zu erreichen.

Bremst Corona das Engagement von LEBERECHT, weil es derzeit keine Veranstaltungen geben kann?

Es gibt ein großes Engagement von Partnern, die zum Beispiel Galaveranstaltungen zugunsten von LEBERECHT organisieren. Diese öffentlichkeitswirksamen Anlässe fehlen in diesem Jahr. Dennoch erfahren wir eine breite Unterstützung langjähriger Spender - im Firmenumfeld wie auch im Privaten. In diesem Jahr konnten wir zudem die bereits erwähnten Immobilien, die wir seitens LEBERECHT geerbt hatten, veräußern.

Geschäftsführerin einer Stiftung zu sein, die Gutes tut - was bedeutet das für Sie?

Es ist für mich eine starke Motivation und große Erfüllung im Alltag.

Was wünschen Sie sich für das Weihnachtsfest?

Dass jeder Mensch am Heiligen Abend wenigstens ein kleines Stück menschliche Nähe erfahren kann.

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