Kunstpause für Neuanfang

Marburg (dpa). Werkzeuge statt Gemälde dominieren derzeit das Kunstmuseum in Marburg. Das Gebäude wird seit 2011 saniert, die Bilder und Skulpturen warten derweil im Untergeschoss auf die Wiedereröffnung der besonderen Einrichtung. Das Museum gehört nicht etwa der Stadt, sondern der Universität.

"Es ist das einzige funktionierende Universitätsmuseum in Hessen", erklärt Ulrike Adamek vom hessischen Museumsverband. "Eine wirklich öffentliche universitäre Sammlung mit Ausstellungsbetrieb gibt es sonst nicht." Diese Sonderstellung sorge aber auch für Probleme: "Niemand ist so richtig zuständig." Im Vergleich zu den Landesmuseen leide die Uni-Einrichtung unter Geldknappheit.

Bei der Sanierung sollen Spenden helfen. Das Land finanziert nur einen Teil der Bauarbeiten an dem Gebäude, in dem neben dem Museum auch weitere Uni-Einrichtungen untergebracht sind. Der Rest der Summe soll gesammelt werden. Das hat in der Stadt an der Lahn durchaus Tradition: Schon bei der Eröffnung 1927 war das "Haus für alle Künste" maßgeblich von spendenfreudigen Bürgern finanziert worden.

Schatzkammer im Keller

Für neue Fenster, Dach und Fassade gibt das Land rund fünf Millionen Euro aus. Die Renovierung im Innern bleibt der Hochschule überlassen. "Im Zuge der vielfältigen Baumaßnahmen an hessischen Universitäten ist es nicht ungewöhnlich, dass einzelne Bauprojekte mitHilfe eines Eigenanteils der Hochschule oder Finanzierung durch Dritte realisiert werden", teilt dazu ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums in Wiesbaden mit.

Die Hochschule hat 1,25 Millionen Euro für das Sanierungsprojekt zurückgelegt, wie Uni-Präsidentin Katharina Krause erzählt. Noch einmal so viel sollen Spenden und Raumpatenschaften einbringen.

Derweil ist das Magazin im Keller des Gebäudes zur Schatzkammer geworden: Gut 1000 Gemälde leisten rund 120 Skulpturen aus dem 19. und 20. Jahrhundert Gesellschaft. Darunter sind Originale von Paul Klee, Käthe Kollwitz oder Ernst Ludwig Kirchner. Auch "Der Briefbote im Rosenthal" von Carl Spitzweg oder Carl Bantzers "Schwälmer Tanz" sind hier in Hängeregalen verstaut.

Idee: Besucher greifen zum Pinsel

Zur Wiedereröffnung irgendwann im nächsten Jahr soll nach Angaben von Museumsdirektor Christoph Otterbeck auch die moderne Avantgarde aus der "Sammlung Hilde Eitel" dazukommen – mit Arbeiten etwa von Lucio Fontana, Jean Dubuffet, Heinz Mack oder Niki de Saint Phalle. Neben der Kunstsammlung besitzt das Museum noch eine kulturgeschichtliche Abteilung, die aber im Marburger Schloss gezeigt wird.

Otterbeck schwebt auch ein neues Museumskonzept vor, "Kunst für alle" nennt er es. In dem Haus soll es nicht nur um die Ausstellung der Gemälde gehen. "Raum ist nur ein geringer Teil dessen, was Kunst heute braucht", betont er. So sollen Besucher auch selbst zum Pinsel greifen können oder Blinde die Möglichkeit bekommen, trotz ihrer Behinderung gemalte Kunst zu erfahren.

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