Kunst der Improvisation feierte ganz eigenen Triumph

Wetzlar (gge). Die Allgewaltigen am Regiepult haben Shakespeares "Sommernachtstraum" schon in viele Zwangsjacken gesteckt. Manchmal geraten diese aber auch zu einer Sonntagsjoppe. So wie etwa das "durchtriebene Kammermusical" von Sabine Fischmann und Till Krabbe in einer Produktion der Frankfurter Bürgerstiftung.

Die Musik hat Markus Neumeyer zusammengestellt und komponiert. Fantasievoll, originell und einfühlsam. Der mitspielende Bariton Berthold Possemeyer komplettierte das putzmuntere Quartett bei seinem Anliegen, den komödiantischen Knäuel der verliebten Irrungen und Wirrungen zu entflechten. Im virtuosen Rollenspiel der Darsteller Sabine Fischmann (Regie) und Till Krabbe blieb in der Stadthalle Wetzlar kaum eine Figur der klassischen Vorgabe unerwähnt. Mit wenigen Requisiten feierte die Kunst der Improvisation ihren ganz eigenen Triumph. Outfit und Grimassen wechselten in geradezu rasanter Abfolge. Virtuose Verwandlungskünstler auf der pantomimischen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Das war modernes Theater in gelungenster Synthese mit dem Spagat über mehr als vier Jahrhunderte.

Der Stoff ist dem theaterbeflissenen Publikum hinreichend bekannt. Hermia liebt Lysander, ist aber vom Vater dem Demetrius versprochen. Helena liebt – unerwidert – Demetrius und den Elfenkönig Oberon entzweit vorübergehend die Eifersucht von seiner Gemahlin Titania. Nach der Flucht von Hermia und Lysander geht dann im Wald bei Athen die Post ab.

Selbst eine Schar von Handwerkern, die dort für die Hochzeit des Herzogs Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta die Tragödie von "Pyramus und Thisbe" einstudiert, wird in das mystische Geschehen einbezogen, das in Zettels Verwandlung zum Esel gipfelt. Puck (großartig gespielt von Sabine Fischmann), knurrender, fauchender und hüpfender Diener des Oberon hat dank der Zaubertropfen diesen Schabernack arrangiert. Diese, sicherlich etwas schräge Szene, verlangte Nachsicht, doch war man schon geneigt, auch ein drittes Auge zuzudrücken. Das monströs-animalische Unding war ja schließlich nur Gegenstand eines Traumes.

Entstaubt und verschlankt

Unter dem Strich blieb den rund 350 Besuchern ein höchst vergnüglicher Abend, bei dem die Darsteller mit wenig Zweckrequisiten und minimaler Kostümveränderung die Adaption des Shakespeare-Stückes unterhaltsam herüber brachten.

Markus Neumeyer als moderierender Pianist gefiel vor allem mit distanzierter Ironie, und Berthold Possemeyer war mit weichem Bariton zu Werken von John Dowland, einem führenden Komponisten der Gamben- und Lautenmusik, für die romantische Aufwertung des Geschehens verantwortlich.

Am Ende dann die Hochzeit, Vergebung, Friede, Freundschaft, Eierkuchen. Alle Liebenden finden sich. Der Genius von Stratford upon Avon mag angesichts der Wandlungsfähigkeit seiner Posse nachsichtig vom Olymp gelächelt haben. Sein "Sommernachtstraum" wurde etwas entstaubt und auch verschlankt. Aber seine Botschaft haben sie nicht verschlafen. Wie heißt es doch: "Das Gebild aus Schaum und Flaum wiegt nicht schwerer als ein Traum."

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