Die Diskothek Poco in Herrmannstein ist am Samstag nach 36 Jahren ein letztes Mal geöffnet.	(Fotos: Geck)
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Die Diskothek Poco in Herrmannstein ist am Samstag nach 36 Jahren ein letztes Mal geöffnet. (Fotos: Geck)

Kult-Disco Poco macht dicht

Wetzlar (bf). Für Generationen von Diskogängern war die Kult-Diskothek Poco in Hermannstein so etwas wie ein zweites Wohnzimmer, Beziehungen wurden geknüpft, aus ersten Kontakten im Stroboskop-Blitzlicht wurden später Ehen, auch Livebands spielten hier. Am Samstag öffnet die Diskothek nach 36 Betriebsjahren zum letzten Mal – dann geht eine Ära zu Ende.

Inhaber Hans Dern, der zusammen mit Helmut Braun die Diskothek von Anfang an betrieben hat, blickt zurück: In Spitzenzeiten erlebte das Poco mit 365 Betriebstagen im Jahr monatlich über 20 000 Besucher. »Das dürfte in ganz Deutschland seinesgleichen suchen«, sagt Dern. Wegen des großen Geschäftsumfangs musste die anfängliche GbR sogar in eine OHG umgewandelt werden. Seit dem Start am 10. März 1978 hat das Poco Generationen von Besuchern erlebt. Eröffnet wurde mit vier wöchentlichen Betriebstagen, mittwochs, freitags, samstags und sonntags. Später öffnete die Disco an allen sieben Tagen in der Woche. Insgesamt dürften so im Laufe der Jahre deutlich über fünf Millionen Gäste das Poco besucht haben, schätzt Dern.

In den ersten Jahren gab es noch Live-Auftritte von Bands, die jedoch in den letzten Jahren rar wurden. Insider erinnern sich noch an Snowball, Silly, Octopus, Sunny Jim Band, Nichts oder Xynn. Auch der bekannte Illusionist Hans Moretti gastierte zweimal im Poco.

Das Erfolgsrezept waren laut Dern neben der internationalen Musik auch die im Verhältnis zu anderen Diskos günstigen Preise für die Getränke. »Von Anfang an gab es Bier und Cola nur in Flaschen, wie es heute in der modernen Trendgastronomie auch gehandelt wird.« Ein Liter Possmann-Apfelwein wurde in den Anfangstagen der Disko für fünf D-Mark verkauft. Auch für eine Cola in der 0,33-Liter-Flasche mussten die Diskogänger anfangs lediglich 1,50 DM berappen. Die beiden Inhaber betonen, dass trotz der günstigen Preise im Poco bei den Getränken »immer nur Premiummarken« verkauft wurden. Anfangs der 1980er Jahre kam der hausinterne Imbiss dazu. »Ob es das legendäre Poco-Baguette war oder eine frische Pizza, schon immer bis heute gab es die beste Qualität preiswert«, sagt Dern.

Dern und Braun erinnern in ihrem Rückblick an Höhepunkte wie Poco-Fasching im »Vier-Tage-Nonstop-Betrieb« – »das bleibt unvergessen«. Auch die großen Weihnachts-Tombolas mit Flugreisen als Hauptgewinn. Hier kamen in besten Zeiten Summen zusammen, die oft über 20 000 DM stiegen. »Immer wurden die Erlöse restlos für soziale Projekte zur Verfügung gestellt, namentlich oft für die Welthungerhilfe.«

Gebäude weicht Geschäftshaus

Es hat übrigens nie einen Besitzerwechsel gegeben. Von Anfang an haben die Inhaber Hans Dern und Helmut Braun das Poco betrieben und werden es jetzt auch gemeinsam beenden. Die Kult-Einrichtung konnte sich dem Trend des Disko- und Kneipensterbens nicht entziehen, bedauern die beiden. »Wir haben viele Betriebe kommen und gehen sehen, jetzt trifft es uns«, so ihr Resümee. Das Gebäude wurde im November an einen Investor verkauft, der dort ein Geschäftshaus errichten will. Da die Folgenutzung zunächst noch nicht feststand, haben die Inhaber das Angebot des Investors angenommen, das Poco bis Ende März weiter anzumieten.

Nach dem letzten Disko-Abend am Samstag öffnet das Poco zwei weitere Male: Am Sonntag, 30. März, ab 14 Uhr und am Montag, 31. März, ab 15 Uhr werden Einrichtungsteile und das Inventar wie technische Anlagen, Lichteffekte oder Kühlgeräte verkauft. »Hier kann sich jeder ein großes oder kleines Stück Poco mit nach Hause nehmen. Auf Wunsch werden auch Abschieds-T-Shirts mit dem Poco-Logo hergestellt«, sagt Dern abschließend.

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