Hier ist es auch an heißen Tagen angenehm. Naturschützer fordern mehr Platz für die Buche als Mittel gegen den Klimawandel. Hessen Forst sieht das skeptischer: Der Baum braucht viel Wasser und ist daher trockenheitsanfällig. FOTO: RÜDIGER GEIS
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Hier ist es auch an heißen Tagen angenehm. Naturschützer fordern mehr Platz für die Buche als Mittel gegen den Klimawandel. Hessen Forst sieht das skeptischer: Der Baum braucht viel Wasser und ist daher trockenheitsanfällig. FOTO: RÜDIGER GEIS

Kühlaggregate gegen Klimawandel?

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Alte Buchenwälder in Deutschland gelten als Weltnaturerbe. 2011 hat die UNESCO dies festgelegt. Die Buche bestimmt hierzulande mehr das Bild des Waldes als die mit Mythen behaftete Eiche. Und sie gilt als der Baum, der am besten mit dem Klimawandel fertigwerden könnte. Doch auch die Buche hat Probleme.

Den Eichen weichen, die Weiden meiden, die Buchen suchen: Diese sprichwörtliche Empfehlung bei einem Gewitter im Wald ist mittlerweile als eher lebensgefährlich erkannt. Beim Buchensuchen wird man allerdings in manchen Teilen der Region nur schwer fündig. Der "Brotbaum", die schnell wachsende Fichte, dominierte hier jahrzehntelang das Bild des Waldes, nicht nur in den Mittelgebirgslagen. Mit zum Teil verheerenden Folgen, wie man an der Grenze zum Siegerland sehen kann. Trockenheit und Borkenkäfer haben hier, in den sogenannten Haubergen, verheerende Kahlflächen hinterlassen.

Das treibt nicht nur die Forstwirtschaft zur Verzweiflung. Auch Naturschützer sehen großen Handlungsbedarf. Buchenwälder sind laut NABU Hessen im Klimawandel die stabilsten Wälder. Er fordert daher von der Landesregierung einen konsequenteren Schutz ein. "Für den Schutz gegen Trockenheit und höhere Temperaturen muss das Kronendach der Wälder geschlossen sein", erklärt NABU-Waldexperte Mark Harthun.

Zehn Grad kühler als in Umgebung

Die Naturschützer fordern daher vom Land mindestens acht große Klimaschutzwälder, in denen vollständig auf Holzeinschläge verzichtet wird. In den bewirtschafteten Wäldern solle die Ernte über einen längeren Zeit- raum gestreckt werden. Das kühle Waldklima bleibe bei kleineren Lücken besser erhalten.

Für die heißen Tagen empfiehlt der NABU einen Ausflug in unbewirtschaftete Naturwälder, "wo der kühlende Effekt von Laubwäldern eindrucksvoll erlebt werden kann". Der NABU verweist dazu auf die Internet-Plattform www.naturwald-hessen.de

"Intakte Laubwälder sind künftig die Kühlaggregate unserer Landschaft", sagt Harthun. An heißen Tagen sei besonders gut spürbar, dass die Temperaturen im Wald über zehn Grad kühler seien als in der Umgebung. Wo Naturwälder schon längere Zeit ohne forstliche Bewirtschaftung sind, wie etwa im Oppershofener Wald in der Wetterau, sei das Kronendach vollständig geschlossen. "Dort trotzen die Buchenwälder gesund und grün dem Klimawandel", meint der NABU-Experte.

Anderswo, wo der Forst in Schirmschlägen - Holzernte, bei der das Kronendach eines Bestandes durch Entnahme einzelner Bäume aufgelichtet wird - stark eingeschlagen habe, kränkelten sogar die Buchen. Daher wünschen sich die Naturschützer mehr natürliche Klimaschutzwälder als "Bollwerke" gegen die trockener werdenden Sommer. Beispiele für geforderte Schutzgebiete sind der Krofdorfer Forst bei Gießen, der Alsberg im Spessart und der Große Diedensberg in Waldeck-Frankenberg. Das sieht man bei der Landesbehörde Hessen Forst anders: "Buchenwälder sind im Klimawandel leider nicht die stabilsten Wälder", sagt Behördensprecherin Michelle Sundermann.

Große Probleme mit der Trockenheit

Forschungsergebnisse der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) zeigten deutlich, dass Buchenwälder in weiten Teilen Hessens in den nächsten Jahrzehnten erhebliche Klimaprobleme vor allem wegen Trockenheitsschäden bekommen werden.

"Die Schnelligkeit der Klimaveränderung überfordert die Anpassungsmechanismen von Buchenwäldern", erklärt Sundermann. "Durch die Ausweisung großer Klimaschutzwälder würden wir uns die Möglichkeit nehmen, auf Schäden in den Wäldern zu reagieren. Außerdem würden wir die so wichtige Produktion des naturnahen und nachhaltigen Rohstoffs Holz weiter einschränken."

Sie verweist darauf, dass das Land Hessen bereits zehn Prozent seines Waldes aus Naturschutzgründen aus der Nutzung genommen. Über 80 Prozent davon seien Buchenwälder. Dass durch die bewirtschaftungbedingte Auflichtung von Waldbeständen Wärme in den Wald kommt, die die Trockenheitsproblematik noch verschärft, werde auch von Forstleuten und Wissenschaftlern beobachtet. In geschlossenen Beständen scheinen diese Probleme geringer zu sein, weil das Kleinklima besser, sprich kühler, ist.

"Eine Möglichkeit, diesen Effekt zu nutzen, wäre, die Bestände länger geschlossen zu halten. Natürlich erhöht sich dann aber das Risiko für jeden Baum, je länger er im Wald steht, zu verfaulen", meint Sundermann.

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