Kritik an Messe und Politik

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Frankfurt (dpa). Noch vor ihrer offiziellen Eröffnung am heutigen Donnerstag wird die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt von wichtigen Akteuren infrage gestellt. In Kreisen der Hersteller werde ein neues Messekonzept mit wechselnden Veranstaltungsorten wie beispielsweise Köln oder Berlin diskutiert, berichtete das "Handelsblatt" am Mittwoch. Die Unternehmen wollten künftig eher Mobilitätskonzepte präsentieren statt neue Autos in Messehallen. Erste Konzepte sollten heute auf einer Sitzung besprochen werden.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bestätigte als Veranstalter, dass man für die IAA verschiedene Optionen prüfe. "Über Entscheidungen sprechen wir dann, wenn das Konzept steht", sagte Verbandssprecher Eckehart Rotter. Die IAA steht in diesem Jahr nach zahlreichen Absagen früherer Aussteller massiv unter Druck. Ein Vertrag zur Fortsetzung der IAA in den kommenden Jahren besteht nicht, wie VDA und Messe bestätigen. Zudem haben Umweltaktivisten für das Wochenende massive Proteste angekündigt, um gegen die Klimabelastung durch die Autoindustrie zu demonstrieren.

Einige Veranstalter äußerten sich bereits während der Messe kritisch. "Es gibt keine Bestandsgarantie", erklärte etwa BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter. Opel-Chef Michael Lohscheller hatte bereits konkrete Verbesserungsvorschläge. Er will während der Messe die gezeigten Autos auch verkaufen können. "Die IAA muss sich wie jede andere Messe weiterentwickeln. Die aktuelle Veranstaltung zeigt, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet", erklärte ein Sprecher der Frankfurter Messe. "Wir sehen einen Standortwechsel nicht als die richtige Antwort auf inhaltliche Veränderungswünsche."

Auch anderen Themen sorgen im Vorfeld der diesjährigen Messe für Diskussionen. Klimaschädliche "Stadtpanzer" sind dabei nicht das einzige brenzlige Thema. Beim E-Ladenetz geht es nur schleppend voran. Und der Abschied vom Verbrenner hat bittere Nebenwirkungen. Denn viele Verbraucher können sich mit der elektrischen Verkehrswende noch nicht anfreunden - auf der IAA hadern auch Hersteller und Zulieferer mit dem Übergang in die neue Autowelt.

Der europäische Autobauer-Verband (ACEA) verlangt von der Politik deutlich mehr Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebe. "Von unserer Seite bieten wir eine immer weiter wachsende Auswahl an alternativ angetriebenen Autos für die Kunden", sagte Carlos Tavares, Präsident des ACEA und Chef der französischen Opel-Mutter PSA, am Mittwoch auf der Automesse in Frankfurt.

"Gleichzeitig müssen sich die Regierungen in der EU dieser Geschwindigkeit anpassen, mit der wir diese Fahrzeuge auf den Markt bringen, indem sie ihre Investitionen in Infrastruktur dramatisch aufstocken", forderte Tavares. "Sie müssen auch nachhaltige Kaufanreize setzen, die konsistent in der gesamten EU sind." Das bisher dünne Ladenetz ist neben der oft geringen Reichweite und dem hohen Preis ein Hauptgrund für die Zurückhaltung bei den E-Fahrzeugen.

Einer Studie des Verbands zufolge gab es 2018 in der gesamten Europäischen Union weniger als 145 000 Ladepunkte für Elektroautos. 2030 würden mindestens 2,8 Millionen benötigt. Die europäische Lobbyorganisation der Hersteller sieht sich mit den verschärften Abgasregeln der EU konfrontiert. Spätestens 2021 sollen die CO2-Emissionen neu verkaufter Autos im Schnitt auf 95 Gramm je Kilometer sinken - in der Zeit danach bis 2030 um zusätzlich 37,5 Prozent.

Auf der Messe ziehen die nach wie vor stark präsenten Stadtgeländewagen (SUV) Proteste von Klimaschützern auf sich. Eine Debatte entzündete sich auch an der Gefahr durch die hohen Fahrzeuge bei Unfällen - kürzlich waren bei einer Kollision in Berlin vier Menschen gestorben. "Ich halte relativ wenig von Regulierung", sagte Porsche-Chef Oliver Blume den Sendern n-tv und RTL. "Nichtsdestotrotz kann man sich auch in den deutschen Städten Gedanken machen, ob SUV da die richtigen Fahrzeuge sind." Dies liege bei den Autofahrern.

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