Kriminalstatistik 2012: Einbrüche bereiten weiter Sorgen

Gießen (bsf/süd). Trotz eines einprozentigen Anstiegs liegt die Anzahl der registrierten Straftaten in Mittelhessen zum zweiten Mal in Folge unter 50 000. Die Aufklärungsquote konnte nochmals gesteigert werden und erreicht mit 61,6 Prozent den Höchststand seit dem Bestehen des Polizeipräsidiums Mittelhessen.

Bei der Quote wurde jetzt drei Jahre hintereinander die 60-Prozent-Marke übertroffen. "Dieses hervorragende Ergebnis ist auf die gute Arbeit unserer Polizeibediensteten zurückzuführen", erklärte Polizeipräsident Manfred Schweizer am Freitag bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik 2012 für den Bereich des hiesigen Polizeipräsidiums mit den Landkreisen Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und dem Wetteraukreis.

Der Polizeipräsident erläuterte, dass die Zahl der Straftaten in Mittelhessen mit 49 895 (+488) nach dem Vorjahr auf dem zweitniedrigsten Stand seit 2001 geblieben ist. Im Jahr 2004 hatte die Zahl der Straftaten den bisher höchsten Stand von 63 795 erreicht und war bis 2011 rückläufig. Die "sehr gute Sicherheitslage" dokumentiere auch die sogenannte Häufigkeitszahl. Mit 4711 Straftaten pro 100 000 Einwohner liege die Kriminalitätsbelastung in Mittelhessen zum vierten Mal unter 5000. Sie unterschreite zudem deutlich den aktuellen Landesdurchschnitt von 6494.

Hohe Schadenssumme

Seit jeher bilden Diebstahlsdelikte den zahlenmäßig größten Anteil in der Kriminalstatistik. 2012 stellten sie 35,1 Prozent der Gesamtdelikte in Mittelhessen dar. Erfreulicherweise habe sich der kontinuierliche Rückgang weiter fortgesetzt. Mit 17 511 Straftaten (-91) ist der niedrigste Stand der letzten Jahre zu verzeichnen. Im Fünf-Jahres-Vergleich ist die Diebstahlskriminalität um 3680 Fälle gesunken.

10 972 Fälle sind dem einfachen Diebstahl zuzurechnen, der nach einem Rückgang im Vorjahr wieder um 207 Fälle anstieg. Die Aufklärungsquote liegt hier bei 40,8 Prozent. Der größte Teil entfällt auf den Ladendiebstahl. Hier ging die Zahl der bekanntgewordenen Fälle um 233 auf 2874 abermals zurück. Die Aufklärungsquote blieb bei über 92 Prozent etwa gleich. Der einfache Taschendiebstahl stieg um 90 Delikte auf 348. Hier machen sich die Diebstähle von Taschen aus Einkaufswagen oder während des Einkaufens bemerkbar, bei denen die Opfer oft abgelenkt sind oder von den Tätern abgelenkt werden. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote auf 7,5 Prozent. Dabei handelt es sich hier um ein Delikt, dem die potenziellen Opfer selbst durch Aufmerksamkeit und die richtige Aufbewahrung ihrer Taschen entgegenwirken können.

Besondere Bedeutung für die Polizei hat der Wohnungseinbruch, da er das Sicherheitsgefühl der Bürger erheblich beeinträchtigt. Auch wegen des hohen Fallaufkommens hat die Polizei ab Mitte 2011 hessenweit einen besonderen Schwerpunkt zur Bekämpfung dieses Deliktes gesetzt. Diese Anstrengungen zeigen jedoch nicht überall und nicht gleichmäßig entsprechende Erfolge. So war in 2011 in Mittelhessen entgegen dem landesweiten Trend ein leichter Fallrückgang zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr steht einem hessenweiten Rückgang in Mittelhessen ein Anstieg dieser Einbruchskriminalität gegenüber. Mit 1550 Wohnungseinbrüchen waren in Mittelhessen 243 mehr zu verzeichnen als im Jahr 2011. Die Region liegt aber immer noch unter dem Landesdurchschnitt. Hessenweit gab es 174 Einbrüche auf 100 000 Einwohner, in Mittelhessen 146.

Erfolgreicher waren die mittelhessischen Polizisten bei ihren Ermittlungen zur Aufklärung dieser Straftaten. Sie steigerten die Aufklärungsquote in 2012 um 4,1 Prozentpunkte auf 19,9 Prozent. "Dadurch nahm die Zahl der aufgeklärten Wohnungseinbrüche um 50 Prozent zu, und zwar von 206 auf 309 Fälle", so Schweizer. Das höhere Entdeckungsrisiko mit den folgenden strafrechtlichen Konsequenzen sei eine deutliche Warnung für potenzielle Einbrecher und ein wichtiges Signal für das Sicherheitsgefühl der Bürger.

Die Zahl der Straftaten, die der Gewaltkriminalität zuzurechnen ist – beispielsweise Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und gefährliche Körperverletzung –, blieb auf gleichem Niveau. Mit 1919 Delikten registrierte die Polizei zwei mehr als im Vorjahr. Dies ist der zweitniedrigste Stand seit 2002. Auch die Aufklärungsquote von 82,1 Prozent blieb auf ähnlichem Stand.

Bei Mord und Totschlag wurden mit 52 Fällen zwei weniger verzeichnet als im Vorjahr. 51 Taten wurden geklärt. Mit 107 Vergewaltigungen und besonders schweren Fällen der sexuellen Nötigung stieg die Zahl dieser Delikte um fünf. Davon konnten 90 Fälle aufgeklärt werden. Bei den gefährlichen Körperverletzungen ist mit 1345 Fällen ein Rückgang zu verzeichnen auf den niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Tatverdächtige wurden in 81 Prozent der Fälle ermittelt. Dagegen stieg die Zahl der Raubdelikte um 13 auf 413 Fälle an und erreicht fast wieder das Niveau des Jahres 2010. Dabei waren sieben Geldinstitute und vier Postfilialen, zwölf Spielhallen und 20 Tankstellen betroffen. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich liegt bei 66,3 Prozent.

Zur Straßenkriminalität: Die Delikte wie Autoaufbrüche, Raub, Diebstähle und Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit Graffiti sind um 295 auf 9095 Fälle nochmals zurückgegangen.

Um 528 Fälle gingen die Vermögens- und Fälschungsdelikte zurück. Mit 9566 Straftaten ist dies im Fünf-Jahresvergleich der niedrigste Stand. Unter dieses Deliktsfeld fallen beispielsweise der Waren- und Warenkreditbetrug, Leistungserschleichung, Betrugsarten mit unbaren Zahlungsmitteln, Kreditbetrügereien, Veruntreuung, Unterschlagung bis hin zur Urkundenfälschung. Bei etwa gleichbleibend 81 Prozent der Fälle wurden Tatverdächtige ermittelt.

Bei der sogenannten Internetkriminalität wurden 1715 Fälle registriert. Damit setzt sich der kontinuierliche Rückgang der letzten Jahre um 298 Fälle weiter fort. 1229 Straftaten standen dabei im Zusammenhang mit Vermögens- und Fälschungsdelikten. Die Aufklärungsquote in dieser speziellen Deliktsgruppe wurde um 2,1 Prozentpunkte auf 83 Prozent gesteigert. Bei der rasanten Entwicklung im Internet nutzen Straftäter zunehmend auch die komplexen Technologien zur Begehung bislang unbekannter Kriminalitätsformen. Um dem mit moderner Technik und besonderen Ermittlungskenntnissen zu begegnen, wurden in Hessen im November 2007 spezielle Internetkommissariate eingerichtet, so auch beim Polizeipräsidium Mittelhessen.

Im Jahr 2012 wurden insgesamt 279 Fälle der Wirtschaftskriminalität registriert, 75 mehr als im Vorjahr. Davon wurden 98 Prozent aufgeklärt (95 Prozent). Die Anzahl der Straftaten setzt sich überwiegend aus Betrugsdelikten (97), Veruntreuungen (55), Geldwäsche (32) sowie Insolvenzstraftaten (17) zusammen. Fälle der Wirtschaftskriminalität haben an der Gesamtkriminalität im Berichtsjahr einen Anteil von rund 0,6 Prozent. Die Höhe der registrierten Schäden zeigt jedoch die erheblichen Auswirkungen: Die Wirtschaftskriminalität verursachte im vergangenen Jahr mit 30,9 Millionen Euro (8,4 Mio.) über die Hälfte des in der Statistik für Mittelhessen ausgewiesenen Gesamtschadens. Die registrierte Schadenssumme ist viel deutlicher gestiegen als die Fallzahlen. Der Anstieg ist unter anderem auf mehrere komplexe Ermittlungsverfahren wegen Veruntreuung sowie im Betrugsbereich zurückzuführen. "Die konsequente Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität steht unter anderem wegen der hohen Sozialschädlichkeit seit Jahren im Fokus der polizeilichen Arbeit", so der Polizeipräsident. Daher werden neben den örtlichen Betrugskommissariaten in einem besonderen Zentralkommissariat speziell ausgebildete Wirtschaftskriminalisten, eine Wirtschaftsprüferin und eine Bilanzbuchhalterin eingesetzt.

Über 24 000 Tatverdächtige

Bei der Rauschgiftkriminalität sank die Zahl der Fälle abermals gegenüber dem Vorjahr. Diese 1812 Delikte (-85) beinhalten 1324 allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, bei denen in hohem Maße der illegale Umgang mit Cannabis im Vordergrund steht. Qualifizierte Verstöße wegen illegalen Drogenhandels und -schmuggels reduzierten sich um 16 auf 284 Fälle. Bei 23 Menschen wurde ihr Tod mit dem Konsum von Rauschgift in Verbindung gebracht. Das sind drei mehr als im Jahr zuvor.

Zu den 30 717 aufgeklärten Straftaten wurden 24 149 Tatverdächtige ermittelt (22 603 waren es im Vorjahr), davon waren 18 166 (17 242) männlich und 5983 (5361) weiblich. Darunter befanden sich 697 (692) Kinder (6 bis 13 Jahre), 2416 (2390) Jugendliche (bis 17 Jahre) und 2385 (2170) Heranwachsende (unter 21 Jahre). In diesen drei Altersgruppen zählte die Polizei im Vergleich zum Vorjahr 246 Tatverdächtige mehr. Ihr Anteil beträgt 22,8 Prozent. Im Vorjahr lag der Anteil der nicht erwachsenen Tatverdächtigen bei 23,2 Prozent. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger erhöhte sich im vergangenen Jahr um 5,5 Prozentpunkte auf nun 29,7 Prozent.

Er ist laut Polizei vor allem auf ein geändertes Informations- und Anzeigeverhalten der hessenweit zuständigen und in Gießen ansässigen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zurückzuführen. Es wurden deutlich mehr Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz festgestellt, die nur von Nichtdeutschen begangen werden können.

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