Einwohner der Stadt Frankfurt beginnen mit dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit (undatiertes Archivbild aus dem Jahr 1945). FOTOS: DPA
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Einwohner der Stadt Frankfurt beginnen mit dem Wiederaufbau in der Nachkriegszeit (undatiertes Archivbild aus dem Jahr 1945). FOTOS: DPA

CHRONOLOGIE

Als der Krieg zu Ende ging

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Als US-Truppen Ende März 1945 bei Oppenheim den Rhein überqueren, ist das Kriegsende für die Menschen im heutigen Hessen zum Greifen nah. Entgegen allen Weisungen der NS-Führung gibt es kaum Widerstand. Die Folgen des Krieges sind aber noch Jahre zu sehen.

Als Ende April 1945 in Berlin der Häuserkampf tobte und Adolf Hitlers letztes Aufgebot gegen die Rote Armee kämpfte, war auf dem Gebiet des heutigen Hessens der Krieg schon vorbei. Die Städte lagen in Trümmern, Zehntausende Menschen waren obdachlos, auf der Flucht, irrten umher. Deutschland stand nach zwölf Jahren Nazi-Diktatur vor der sprichwörtlichen Stunde null.

Auf dem Gebiet des heutigen Hessen verlief das Kriegsende vor 75 Jahren weitestgehend ohne große Kämpfe, und es gab nur noch wenig Widerstand gegen die vorrückenden Westalliierten.

Das Kriegsende bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 vollzog sich dem Historiker Volker Ullrich zufolge in den verschiedenen Teilen Deutschlands unterschiedlich. "Während die Alliierten in den eroberten westlichen Gebieten vielerorts als Befreier begrüßt wurden, war in den östlichen Provinzen die Angst vor den Russen vorherrschend", schreibt der Historiker in seinem neuen Buch "Acht Tage im Mai. Die letzte Woche des Dritten Reiches". Die Besetzung des heutigen Hessen vollzog sich binnen weniger Tage.

Nachdem Hitler bereits getobt hatte, weil es der US-Armee am 7. März 1945 in Remagen gelungen war, den Rhein zu überqueren und die dortige Brücke dabei nicht zerstört wurde, soll er gut zwei Wochen später vor einem weiteren möglichen Brückenkopf bei Oppenheim gewarnt haben. Zu diesen Zeitpunkt hatten die US-Truppen unter General George S. Patton am 22. März den Fluss bereits überquert und auf der hessischen Seiten bei Trebur einen zweiten Brückenkopf gebildet.

Nazi-Funktionäre flüchteten schnell

Binnen weniger Tage rollten alliierte Panzer durch die zerstörten Städte Darmstadt, Offenbach, Hanau, Frankfurt, Wiesbaden, Gießen, Fulda und am 4. April dann durch die letzte hessische Großstadt Kassel. Vereinzelte und mit schlecht bewaffneten Mitgliedern der Hitlerjugend und des Volkssturms aufgefüllte Verbände des deutschen Militärs ergaben sich meist schnell. Auch im zur Festung erklärten Kassel kapitulierte der Kommandant, um ein unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Mehr als 1300 Soldaten gingen in Gefangenschaft. "Im Großen und Ganzen gab es keinen großen Widerstand", sagt Lutz Vogel vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde.

"Die letzten Nazi-Funktionäre flüchteten meist schnell." Einige hätten Selbstmord begangen, andere verschafften sich neue Identitäten, wieder andere lebten als "unbescholtene Bürger" im Nachkriegsdeutschland weiter. Die vorrückenden Alliierten versuchten schnell, neue Verantwortliche in Schlüsselpositionen zu bringen. "Es war ihr Begehren, dass die Verwaltung schnell arbeitet", sagt Vogel.

Doch auch, wenn für die Menschen im heutigen Hessen anders als in anderen Regionen das Kriegsende ohne große Gefechte näher rückte, so erlebten sie doch zuvor die volle Wucht des Krieges. Schon knapp ein Jahr nach Kriegsausbruch gab es vereinzelt Luftangriffe. Als eine der ersten Städte in Deutschland traf es in der Nacht zum 11. August 1940 das Dorf Bruchköbel bei Hanau. Getroffen wurden laut dem Wehrmachtsbericht: "Vier Wohnhäuser und eine Scheune".

NS-Terror und Bombenangriffe

Was noch kommen sollte, war dagegen ein Inferno. "Es gab weit mehr als 100 Luftangriffe auf hessische Städte", sagt Vogel. Noch kurz vor Kriegsende trifft es Hanau. Am 19. März werfen nach Angaben der Stadt weit über 200 Bomber in weniger als 20 Minuten mehr als 1000 Tonnen Bombenlast auf die Stadt und legen sie in Schutt und Asche. Mehr als 2000 Menschen verlieren ihr Leben. Nur neun Tage später marschiert die US-Armee ein.

Auch viele andere Städte wie Kassel, Darmstadt, Gießen oder Frankfurt liegen in Trümmern, und Altlasten finden sich bis heute. Landesweit machten Experten des Kampfmittelräumdienstes nach Angaben des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt 2019 rund 130 Tonnen Munition unschädlich.

Auch der NS-Terror hinterlässt seine Spuren. In Hessen liegen auf verschiedenen Gräberfeldern mehr als 10 600 Opfer des vom NS-Regime auch als "Euthanasie" bezeichneten Vernichtungsprogramms begraben.

Insgesamt wurden in Hadamar bei Limburg 15 000 Menschen ermordet. Das NS-Regime tötete organisiert seelisch leidende, körperlich oder geistig behinderte Menschen und chronisch Kranke. Nach Angaben des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde gab es zudem rund 20 KZ-Außenlager, in denen insbesondere Zwangsarbeiter untergebracht waren.

Und die Deportationen von Juden liefen bis kurz vor den Einmarsch der Alliierten. So wurde in Frankfurt am 14. Februar 1945 ein Transport mit rund 300 Menschen ins Konzentrationslager Theresienstadt losgeschickt. Zum letzten Mal wurden aus der Stadt am 15. März Juden verschleppt.

In Hessen gibt es dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge zufolge 1052 Kriegsgräberstätten, auf denen mehr als 70 000 Menschen begraben sind. Hierbei handelt es sich um Opfer von Bombenangriffen, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, deutsche und ausländische Soldaten, Flüchtlinge oder Opfer der systematischen Kranken- und Behindertenmorde der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Die wichtigsten Ereignisse zum Kriegsende in Hessen

22. März 1945: Zwei Bataillone der 3. US-Armee überqueren den Rhein bei Oppenheim.

25. März: Die US-Truppen nehmen nach der Rheinüberquerung die Stadt Darmstadt ein.

27./28. März: US-Truppen besetzen Frankfurt, Hanau, Wiesbaden, Gießen und Marburg.

4. April: Die Alliierten nehmen auch die von den Nationalsozialisten zur "Festung" erklärte Stadt Kassel ein.

8. Mai: Kapitulation des Deutschen Reiches

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