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Susanne Schröter Ethnologie-Professorin

Kopftuchstreit und Radikalisierung

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Frankfurt (dpa/lhe). Fünf Jahre nach seiner Gründung ist das Forschungszentrum Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität kein bisschen leise. Für manche der Veranstaltungen, bei denen Susanne Schröter, Ethnologie-Professorin und Leiterin des Forschungszentrums, die Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Fachleuten und interessierter Öffentlichkeit sucht, gab es auch schon mal Polizeischutz. So sorgte im Frühjahr eine Veranstaltung über das muslimische Kopftuch bereits im Vorfeld für eine Kontroverse.

"Wir sind ein global aufgestellter Thinktank, mit Mitarbeitern aus unterschiedlichen Ländern", sagt Schröter. Unter ihren Mitarbeitern sind Politologen, Soziologen, Ethnologen und Islamwissenschaftler, aus Deutschland sowie aus islamisch geprägten Regionen. Ario Seto etwa kommt aus Indonesien, untersucht Islamismus unter anderem auf Java und Borneo. Andere Wissenschaftler befassen sich mit der salafistischen Jugendszene in Deutschland oder beobachten Prozesse gegen IS-Rückkehrer.

"Wir verknüpfen das Problem Islamismus mit anderen Faktoren und arbeiten da sowohl im außenpolitischen wie auch im innenpolitischen Bereich", erläutert Schröter. Dabei werden auch die Konsequenzen politischer oder wirtschaftlicher Entscheidungen untersucht, die in Deutschland oder in Europa getroffen werden. "Das Aufkommen des Dschihadismus in Syrien oder auch im Irak ist beispielsweise ganz stark verknüpft mit außenpolitischen Fehlern gerade Großbritanniens oder der USA beim Sturz Saddam Husseins und den Folgen. Wir fragen, wie ein Dschihadismus, der vor diesem Hintergrund entstanden ist, auf Muslime in der westlichen Welt und besonders in Deutschland zurückwirkt. Wie wirkt das auf eine pluralistische Bevölkerung mit muslimischer Minderheit wie in Deutschland? Welche Dynamiken entwickeln sich da? Das ist etwas, was wir untersuchen", erklärt Schröter.

Als Forschungsschwerpunkt sei der globale Islam schon vor 2014 ein Thema gewesen, so Schröter. Die Gründung des Forschungszentrums sei dann in die Zeit des Höhepunkts der Rekrutierung junger radikalisierter Muslime für den Kampf im Ausland gefallen. "Da haben wir gesagt, jetzt ist es mal genug, im Elfenbeinturm herumzusitzen - jetzt gehen wir an die Öffentlichkeit", lächelt Schröter. Die Veranstaltungen würden daher in einer "verständlichen Sprache" abgehalten. "Wir beraten Lehrer, Polizei, Justiz, wir holen sie aber auch an die Universität und arbeiten hier mit ihnen zusammen", so Schröter.

Mit Blick auf die Zukunft des Forschungszentrums meint die Leiterin, sie wünsche sich eine solide finanzielle Basis mit festen Stellen für das Forschungszentrum, "auch damit wir eine dauerhafte Expertise entwickeln und zur Verfügung stellen können". Foto: dpa

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