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SCHMÄHPREIS PLAGIARIUS

Konsum in grünen Zeiten

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Viele Produkte aus Plastik lassen sich ersetzen. Daran feilt die Konsumgüterbranche intensiv. Ihre Neuheiten zeigt sie auf der Messe Ambiente.

Wie geht es mit dem Konsum weiter, wenn alle Welt mehr Nachhaltigkeit für mehr Umweltschutz fordert? Die weltweit bedeutendste Konsumgütermesse findet bis 11. Februar in Frankfurt statt, die Ambiente. "Nachhaltigkeit wird unser Thema sein", sagt Bereichsleiterin Nicolette Naumann.

"Es ist doch in der Tat so, dass jeder Einzelne von uns sich die Frage stellen muss: Wie halte ich es mit dem Konsum?", betont Naumann. "Deswegen hört ja aber das Bedürfnis von Menschen nach Konsum nicht auf. Aber es führt zumindest in Teilen der Gesellschaft zu einem wertigeren Konsum." Denn wer künftig für den Umweltschutz weniger Produkte kaufen möchte, der wird vermehrt Wert legen auf Hochwertiges, das lange hält, so die These der Trend-Expertin. "Ich glaube also, dass der sogenannte Greta-Effekt nicht zu einem Konsumverzicht, sondern zu einer anderen Form des Konsums führt.

Ein Beleg dafür ist für die Messechefin der Trend zurück zum Kunsthandwerk. Schon seit einiger Zeit sind wieder Dekorationen und Gebrauchsgegenstände beliebt, die eine kunsthandwerkliche Anmutung haben. "Es gibt nun aber auch ein reales Comeback des Kunsthandwerks, gerade von Gebrauchskunsthandwerk. Das geht zurück auf das Nachdenken über Nachhaltigkeit."

Naumann erwartet auf der Messe, auf der unter anderem Küchen-Equipment, Wohndekorationen und Schmuck zu sehen sind, aber auch neue Sortimente. Denn die Suche nach nachhaltigeren Produkten erfordert teils auch neue Produkte - ein Beispiel dafür ist der Trinkhalm etwa aus Glas oder Metall, der Einwegvarianten aus Plastik ersetzen kann.

"Auch das Thema Wasserflaschen wird immer größer", berichtet Naumann. "Viele dachten sich, das könnte den Peak schon erreicht haben - aber dem ist überhaupt nicht so. Es wird noch mehr und immer ausgefeiltere Produkte geben." So arbeiteten die Hersteller derzeit etwa intensiv an der Spülmaschineneignung solcher To-go-Produkte.

Gleiches prophezeit sie für die Container für Lebensmittel zum Mitnehmen. Dabei geht es längst nicht mehr nur ums Pausenbrot oder -müsli für zwischendurch. "Man sieht im Supermarkt auch schon die ersten Menschen, die ihre Behältnisse mitbringen. Auch das wird noch zunehmen", so Naumann. Denn das bedeutet, die guten alten Plastikcontainer müssen hübscher werden. "Wenn ich die Gefäße im Supermarkt hervorhole, dann möchte ich auch, dass das was Schönes ist."

Naumann ergänzt: "So ist das auch bei der Trinkflasche zum Mitnehmen: Es gibt sie schon immer, aber jetzt muss sie auch schön aussehen. Sie ist ein Accessoire geworden, denn nun sehen auch andere Menschen, etwa hier im Büro, wie ich sie benutze."

Und die Hersteller suchen neue Materialien: "Sie versuchen solche Behältnisse aus nachwachsenden Materialien auf den Markt zu bringen, damit ich künftig nicht wieder Plastik mit Plastik ersetzen muss."

Der chinesische Billignachbau eines Küchenschneidgeräts mit der Markenbezeichnung Nicer Dicer Quick, das im Original von der Genius GmbH aus Limburg stammt, gewinnt in diesem Jahr den Schmähpreis Plagiarius.

Bei der Kopie seien etliche gewerbliche Schutzrechte verletzt worden, berichtete die Jury. Wegen der stumpfen und schlecht verankerten Klingen bestünde bei dem Plagiat eine erhöhte Verletzungsgefahr, hieß es zur Begründung des ersten Preises.

Ziel der Aktion ist es, skrupellose Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Dafür werden jährlich besonders krasse Beispiele angeprangert. dpa/FOTO: DPA

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