Konkrete Pläne für ein Stadttheater-Semesterticket

Gießen (si). Das Stadttheater erwägt, für die 40 000 Studenten von Justus-Liebig-Universität und TH Mittelhessen ein Theater-Semesterticket einzuführen. Im Gespräch sind 1,50 Euro pro Stundet und Halbjahr.

Wie beim Verkehrsticket, dass es an den hessischen Hochschulen seit den 90er Jahren gibt, wäre das Theater-Semesterticket für alle Studierenden verpflichtend. Studenten könnten dann für 1,50 Euro pro Semester beliebig viele Vorstellungen besuchen; nur Premieren, Sonder- und Gastveranstaltungen wären ausgeschlossen. Zwischen dem Gießener Stadttheater und dem Allgemeinen Studentenausschuss der THM laufen bereits konkrete Gespräche, der AStA hat dazu unter seinen 14 000 Studierenden schon eine Umfrage durchgeführt. Auch mit den Studentenvertretern der Universität gibt es schon Kontakt. Das bestätigte gestern für das Stadttheater Jasmin Binder, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die TH-Studierenden hatte der AStA bei den jüngsten Selbstverwaltungswahlen zu dem Theaterticket befragt. Ergebnis: 1258 stimmten dafür, 969 mit Nein, 590 enthielten sich – unterm Strich lagen die Befürworter vorn. Nur in Friedberg stieß das Vorhaben mehrheitlich auf Ablehnung. In Wetzlar gab es mehr Ja- als Neinstimmen und am Standort Gießen ein deutliches Votum dafür (679 Ja, 326 Nein, 231 Enthaltungen).

Es handele sich um Stimmungsbild, sagte AStA-Vorsitzender David Schustek der Gießener Allgemeinen Zeitung. Die Entscheidung liege letztlich beim Studentenparlament. Das werde sich mit der Theaterticket aber wohl erst im Sommersemester befassen. Die Zustimmung vorausgesetzt, könne es vermutlich zum Wintersemester eingeführt werden, sagte Schustek.

Eine nach gleichem Muster gestrickte Dauereintrittskarte für die Landesgartenschau 2014 zum Preis von fünf Euro (statt 90 im Vorverkauf) hatten die TH-Studenten bei derselben Befragung (wie berichtet) abgelehnt.

Ein Theater-Semesterticket gibt es in Hessen bislang nur in Darmstadt. Vorreiter war dort vor zehn Jahren die Hochschule (FH), inzwischen sind auch die Technische Universität und drei kleinere Einrichtungen dabei (Evangelische Hochschule, Akademie für Tonkunst und Hessische Theaterakademie). Die insgesamt 35 000 Studierenden zahlen einen Semesterbeitrag zwischen 50 Cent (TU) und 1,50 Euro. Dafür erhalten sie (nur für sich selbst) beliebig viele kostenlose Eintrittskarten in Oper, Schauspiel, Tanz und Konzert. Premieren und Sonderveranstaltungen sind, wie in Gießen geplant, ausgenommen. Abgegeben werden die Karten frühestens drei Tage vor der Aufführung.

Das Staatstheater Darmstadt konnte gestern keine genaue Angaben darüber machen, wie hoch seine Einnahmen durch das Ticket sind. Geschätzt dürften es pro Jahr knapp 100 000 Euro sein. Denen stehen rund 10 000 Freikarten gegenüber, die das Haus in der Spielzeit 2010/11 ausgegeben hat (diese Zahl nannte der Pressesprecher der Hochschule Darmstadt, Martin Wünderlich). Rechnerisch hat das Theater also für jede Freikarte etwa zehn Euro bekommen.

Für das Gießener Stadttheater ergibt sich bei 40 000 Studenten, die einheitlich jeweils 1,50 Euro pro Semester zahlen, eine Jahreseinnahme von genau 120 000 Euro.

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