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In der Werner-Wicker-Klinik sollen zwei Klinikleiter Impfstoff für eigene Zwecke verwendet und den Mitarbeitern im »Corona-Kontakt« so vorenthalten haben.

Klinikleiter zwacken Impfdosen ab

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Corona-Skandal in der Werner-Wicker-Klinik im nordhessischen Bad Wildungen. Zwei Klinikleiter sollen dort Impfstoff für eigene Zwecke abgezwackt und eventuell sogar Familienmitglieder damit versorgt haben. Die Klinik ermittelt nun.

Beim Impfstart mit dem Covid-19-Impfstoff an der Werner-Wicker-Klinik in Reinhardshausen sollen zwei Klinikleiter Dosen mit dem Serum dem Personal vorenthalten und für sich genutzt haben. Beide wurden nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe von ihrer Arbeit freigestellt.

Kliniksprecherin Julia Gäck bestätigte den Vorwurf gegenüber der »Waldeckischen Landeszeitung«. Sie nannte aber keine konkreten Zahlen. »Diesen Vorfall bedauern wir zutiefst. Das entspricht auf keinen Fall der Art und Weise unseres Umgangs und des Leitbildes.«

Möglicherweise auch Familie mit Impfstoff versorgt

Insgesamt 120 Impfdosen wurden zum Impfstart an das orthopädische Schwerpunktklinikum (290 Betten) geliefert. In der 1978 gegründeten Klinik für Patienten mit Erkrankungen rund um die Wirbelsäule sind 906 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt.

Weil Corona-Impfstoff überall knapp ist, wird nach der bekannten Priorisierung geimpft. Zu den Gruppen, die vorrangig die Schutzimpfung gegen das Coronavirus erhalten sollen, gehört medizinisches Personal, das an vorderster Front gegen das Virus kämpft.

Laut Sprecherin Gäck sind in der Klinik mindestens zwei Corona-Impfdosen aus der Lieferung abgezweigt worden. Man gehe außerdem sogar Hinweisen nach und prüfe, ob möglicherweise auch Familienmitglieder der beiden Verwaltungsleiter mit dem für die Werner-Wicker-Klinik bestimmten Serum geimpft wurden, sagte die Kliniksprecherin. »Wir werden die gesamte Angelegenheit sehr genau prüfen«, kündigte die Marketingmanagerin an. Es gehe um personalrechtliche Konsequenzen und um Transparenz.

Durch das Gesundheitsamt des Landkreises Waldeck-Frankenberg sind Kontrollen von Dokumentationen über die Corona-Impfungen in den Kliniken nach Angaben von Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner jedoch bislang nicht vorgesehen. »Die Kliniken wurden durch das Land Hessen darauf hingewiesen, dass Impfungen gemäß der in der Impfverordnung festgelegten Priorisierung zu erfolgen haben«, teilte die Sprecherin des Landkreises mit. Die Verantwortung für die Einhaltung der Priorisierung liege bei den Kliniken, erläuterte sie. »Die Impfverordnung sieht aktuell bei Verstößen keine Sanktionen vor«, fügte Heimbuchner hinzu.

Impfverordnung sieht keine Sanktionen vor

Der Krankenhausbetrieb in der Werner-Wicker-Klinik in Reinhardshausen läuft wie gewohnt weiter, betont Marketingmanagerin Gäck. »Für die kommissarische Leitung wurde ein erfahrener Mitarbeiter aus der Klinikgruppe eingesetzt.« Die Wicker-Klinik baut derzeit ihr Angebot in Reinhardshausen weiter aus. Allein 30 Millionen Euro investiert der Klinikbetreiber in einen Erweiterungsbau.

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