Kleintierzucht

Kleintierzucht: Geflügelte Werte

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Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, präsentieren die Kleintierzüchter auf Schauen ihre schönsten Kaninchen oder Rassegeflügel. Doch die Vereine leiden zunehmend unter Mitgliederschwund.

Sie haben meist zwischen Oktober und Januar ihre große Zeit: Hühner wie Indische Kämpfer oder Zwerg-Wyandotten, Orpingtonenten oder Tauben wie Italienische Mövchen eisfarbig mit schwarzen Binden werden herausgeputzt, um auf dem tierischen Catwalk präsentiert zu werden.

Im Herbst und Winter zeigen die Kleintierzüchter, was das Zuchtjahr hervorgebracht hat. Für besonders adrette Laufsteg-Models gibt es Pokale, Preise und Ehrenbänder. Doch das einst so beliebte Hobby, das oft in der Familie weitervererbt wurde, hat auch in Hessen deutlich an Attraktivität eingebüßt.

Kontinuierlicher Rückgang

"Wir verzeichnen in den letzten Jahren leider einen kontinuierlichen Rückgang sowohl bei den Mitgliedern, als auch bei den Rassegeflügel- und Kleintierzuchtvereinen", berichtet Mario Dold aus Langgöns-Niederkleen, zweiter Vorsitzender des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter Hessen-Nassau.

Waren im Jahr 1998 in seinem Verband noch rund 26 000 Mitglieder in 472 Vereinen gemeldet, so sank diese Zahl bis 2008 auf 21 400 Mitglieder in 440 Vereinen und weiter bis 2018 auf rund 16 200 Mitglieder in 360 Vereinen. "Insofern verlieren wir jährlich gut zwei Prozent unserer Mitglieder."

Alterstruktur ist ein Problem

Trotzdem zeigt sich zumindest ein kleiner Lichtblick: Entgegen diesem Trend liegen die Beschickungszahlen auf den Rassegeflügel- und Kleintierschauen in einem positiven Bereich. "Regelmäßig zeigen unsere Züchter in den letzten Jahren über 60 000 Tiere auf Schauen in unserem Verbandsgebiet", sagt Dold.

Ein deutlicher Einbruch dieser Zahlen sei mit Ausbruch der Vogelgrippe und daraus resultierenden Ausstellungsverboten insbesondere im Jahr 2017 zu verzeichnen gewesen.

Die Gründe für die Mitgliederentwicklung sind nach Dolds Ansicht vielfältig. Vor allem die Altersstruktur der Verbandsmitglieder müsse für die nahe Zukunft nachdenklich stimmen.

Hobby wird oft vererbt

Der Verband unterstütze die tägliche Arbeit an der Basis, in den Vereinen, und vor allem der Jugendorganisationen nach besten Möglichkeiten.

Dabei liege der Fokus aber im Wesentlichen auf den Aktiven und den unterschiedlichen Schauen – zum Beispiel durch die Auszeichnungen mit Preisen. Auf diese Weise werde "unser Hobby öffentlichkeitswirksam präsentiert". Dieses werde – so die Erfahrung – sehr oft vererbt, meint Dold.

Das bleibt – wenn auch oft in bescheidenem Maße – nicht gänzlich ohne Wirkung. "Der Kreisverband Gießen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Mitgliederzuwachs von über drei Prozent", berichtet Dold.

Im Odenwaldkreis seien es knapp drei Prozent mehr gewesen. Regelmäßig würden sich auch einzelne Vereine durch eine positive Mitgliederentwicklung und eine Vielzahl an weiteren Aktivitäten und Projekten positiv hervorheben.

Natur-und Lernerlebnis für Kinder

Als Beispiel für eine Entwicklung wider den Trend nennt Dold den Kleintierzüchterverein Heuchelheim. Aktuell hat er 195 Mitglieder. Immerhin 17 von Ihnen sind Kinder oder Jugendliche. Seit 2010 hat der Verein 147 neue Mitstreiter gewonnen. Vorher hatte der Bestand langsam aber kontinuierlich abgenommen.

Woran diese positive Entwicklung liegen könnte, erklärt Vorsitzender Jörg Chris: "Die Erhaltungszuchtanlage für Rassegeflügel am Hinkelsweg in Heuchelheim ist ein Treffpunkt für Rassegeflügelzüchter.

Doch weit öfter kommen Geflügelliebhaber, Interessierte und Familien, um sich die Tiere anzusehen und Kindern die Möglichkeit zu geben, am Natur- und Lernerlebnis teilzuhaben und spielerisch die Rassegeflügelzucht und gefiederte Tierwelt kennenzulernen."

Hinkelskirmes und Homepage

Zusätzlich werden das Vereinsheim und die Freifläche in Sommermonaten oft von Schulklassen und für Familien- und Vereinsfesten genutzt. "Der Bekanntheitsgrad des Kleintierzüchtervereins und des Geflügelparks multiplizieren sich hierdurch."

Ein großer Erfolg ist auch die jährliche Hinkelskirmes – ein kleines Volksfest mit musikalischer Unterhaltung und umfangreichem Kinderprogramm.

Auf eine aktuelle und stets gepflegte Homepage in zeitgemäßen Design und einen eher informativ gehaltenen Facebookauftritt legt der Vorstand des Vereins großen Wert

Jörg Chris, KTZV Heuchelheim

Dessen Erlös kommt einer gemeinnützigen Kinder- und Jugendarbeit zugute, in diesem Jahr dem Jugend- und Kinderhospizdienst Gießen. Ebenfalls ein Höhepunkt im Jahresprogramm ist die Osterzeit, wenn es bei den Tieren Nachwuchs gibt und sich die Mitglieder, Jung und Alt, zum Eierfärben treffen.

Auch moderne Kommunikationsmedien werden vom KTZV genutzt: "Auf eine aktuelle und stets gepflegte Homepage in zeitgemäßen Design und einen eher informativ gehaltenen Facebookauftritt legt der Vorstand des Vereins großen Wert", sagt Christ.

Das sind einige der umfangreichen Aktivitäten, die den Heuchelheimer Kleintierzüchtern in den vergangenen Jahren einen deutlichen Mitgliederzuwachs bescherten.

Frühstücksei aus eigener Haltung

Das hat letztlich aber auch mit einem gestiegenen Umweltbewusstsein zu tun, meint Christ. 30 Prozent der Neumitglieder seien Familien, die in der Regel drei bis zehn Hühner hielten – zur eigenen Versorgung. "Die Anzahl der geflügelhaltenden Familien hat in den letzten Jahren enorm zugenommen.

Fleisch- und Eierskandale, Haltungsbedingungen bei der Wirtschaftsgeflügelzucht und das Interesse an Tieren, Umwelt und Nachhaltigkeit bewegen viele Familien zur eigenen Hühnerhaltung und zum selbst eingeholten Frühstücksei."

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