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Kinder üben sich in Chinesisch - Interesse wächst

Jeden Sonntag wird in der Feldbergschule in Oberursel Chinesisch gebüffelt. Die meisten Schüler sind Kinder chinesischer Eltern, die in Deutschland geboren wurden. Aber auch Erwachsene wollen die Sprache lernen.

Oberursel (dpa/lhe) - Wenn Junzi Yang die Glocke schlägt, kommen sie alle. Mit der Bimmel in der Hand geht die Chinesin an durch die Gänge der Feldbergschule in Oberursel (Hochtaunuskreis), die Pause ist vorbei. Die etwa 100 Kinder rennen an diesem Sonntag in ihre Klassenzimmer, die wenigen Erwachsenen schlendern in Richtung Unterricht. Die großen und kleinen Schüler sind hier, um Chinesisch zu lernen. Seit fünf Jahren bietet der Verein Internationale Chinesische Schule einen solchen Unterricht an.

"Am Anfang kamen gerade einmal fünf Kinder in den Unterricht in einem kleinen Vereinshaus in Bad Homburg", erinnert sich die Mitbegründerin Yang. Dieses platzte schnell aus allen Nähten, vor über drei Jahren siedelte der Verein schließlich an die Feldbergschule im benachbarten Oberursel über.

Immer wieder sonntags beginnt dort um zehn Uhr der Unterricht, der unterbrochen von Pausen bis zum Mittag dauert. Die Leiterin Yang ist stets als erste da. Es dauert ein wenig, bis sie die vielen Zimmer aufgeschlossen hat. "Wir haben insgesamt 15 Klassen", erzählt sie.

Die meisten Schüler sind Kinder chinesischer Eltern, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Auch deutsche Kinder, die in China gelebt haben und ihre Sprachkenntnisse vertiefen sollen, sind dabei. Etwa jeder zehnte Schüler ist bereits erwachsen, viele von ihnen sind mit Chinesen verheiratet und wollen die Sprache des Partners lernen. Nach Auskunft des Statistischen Landesamts in Wiesbaden leben in Hessen derzeit rund 10 500 Chinesen - Tendenz steigend.

"Die Nachfrage nach Unterricht in chinesischer Sprache ist in Hessen sehr hoch", berichtet die China-Expertin bei der IHK Frankfurt, Sonja Müller. Es gibt etliche Initiativen von Chinesen - wie in Oberursel -, die Sprachschulen gründen. Auch an den Volkshochschulen ist das Angebot groß, an einigen öffentlichen Schulen können die Schüler diese Sprache ebenfalls lernen.

"Allerdings sind das in den allermeisten Fällen AGs, also nur zusätzliche Angebote", berichtet Christina Werum-Wang vom Konfuzius-Institut in Frankfurt. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Herderschule in Gießen und das Gymnasium Riedberg in Frankfurt, wo Chinesisch als dritte Fremdsprache angeboten wird. In den regulären Stundenplan schafft es die Sprache aus mehreren Gründen nur selten: Es gibt keine verbindlichen Lehrpläne, kaum Schulbücher und wenige Lehrer. Zwar kann seit einigen Jahren Chinesisch auf Lehramt studiert werden, es gibt aber noch keine Absolventen.

In der Oberurseler Feldbergschule ist Rebekka Ngo mit ihrem kleinen Sohn Tian zum ersten Mal da. Sie ist mit einem chinesischen Mann verheiratet und möchte, dass der fünfjährige Tian Mandarin, also die offizielle Sprache in China, lernt. Zum ersten Unterricht ist sie mitgekommen und hört zu, wie die 20 Kinder im Vorschulalter mit selbst gebastelten Hasenohren aus Papier auf dem Kopf "Xia tu guai guai, ba men da kai" singen. Übersetzt heißt dies "Häschen sei brav, mach' die Tür bitte auf" - es ist eine Art Rotkäppchen-Geschichte.

Die Lehrerin Tie Bai singt mit, nach dem Lied folgt die nächste Lektion. Sie lässt die Kleinen lauthals von Eins bis Fünf zählen: "Yi, Er, San, Si, Wu."

Zur selben Zeit geht es wenige Meter entfernt in einem anderen Klassenraum deutlich ruhiger zu. Mit hochkonzentrierten Mienen sitzen die beiden erwachsenen Schüler Annette Feil und Jörg Hartmann auf ihren Stühlen und bemühen sich, die Fragen ihrer Lehrerin nach dem heutigen Wochentag mit den richtigen Vokabeln, der korrekten Grammatik und möglichst perfekten Aussprache zu beantworten.

Die chinesische Grammatik sei ja sehr einfach, erzählt Hartmann, der mit einer Chinesin verheiratet ist, später in der Pause. Aber alles andere sei viel schwerer, als er es sich vorgestellt habe. Seine Mitschülerin Feil, die als Tai Chi-Lehrerin die Sprache lernen will, pflichtet ihm bei. "Es ist sehr schwierig, sich die Vokabeln und die Schriftzeichen zu merken", seufzt sie. "Von der richtigen Aussprache ganz zu schweigen." Dann ertönt die Glocke von Yang: Die Pause ist vorbei, die beiden schlendern zurück zum Unterricht.

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