Kerckhoff gegen einen "Krieg der Kliniken"

Bad Nauheim (wz). Die Wogen zu glätten - das versuchten am Freitag die Verantwortlichen der Kerckhoff-Klinik GmbH, nachdem die überraschende Ablösung der Geschäftsführer Prof. Dietrich Birnbaum (Ärztlicher Direktor) und Dr. Hans-Albert König (Verwaltungschef) eine umfangreiches Medienecho nach sich gezogen hatte.

Bad Nauheim (wz). Die Wogen zu glätten - das versuchten am Freitag die Verantwortlichen der Kerckhoff-Klinik GmbH, nachdem die überraschende Ablösung der Geschäftsführer Prof. Dietrich Birnbaum (Ärztlicher Direktor) und Dr. Hans-Albert König (Verwaltungschef) eine umfangreiches Medienecho nach sich gezogen hatte. Der Wechsel in den beiden Spitzenpositionen wurde in einer Pressekonferenz von Dr. Walter Arnold, Staatssekretär im Finanzministerium und Vorstandsvorsitzender des Klinik-Trägers William-G.-Kerckhoff-Stiftung, eingehend begründet. Fazit: Das Vertrauensverhältnis sei gestört gewesen, weil König und Birnbaum die von allen Gremien beschlossene Linie, in der Region auf Kooperation statt auf Konfrontation mit privaten Krankenhaus-Betreibern zu setzen, nicht mitgetragen hätten. "Wir wollen keinen Krieg der Kliniken", betonte Arnold. Im Januar will die Gesellschafterversammlung der GmbH einen hochqualifizierten Nachfolger für den renommierten Thoraxchirurgen Dr. Joachim Schirren präsentieren, der in Folge der Personalentscheidung auf eigenen Wunsch ausscheidet. Wie der Staatssekretär weiter mitteilte, sei Birnbaum ein Beratervertrag in Sachen Herztransplantationszentrum angeboten worden. Eine Antwort stehe noch aus.

Als "Unsinn" bezeichnete Arnold Gerüchte, die Landesregierung strebe als Hauptgesellschafter der Kerchoff-GmbH einen Verkauf des Nauheimer Herz-, Lungen- und Rheumazentrums an die Rhön-Klinikum AG an. Diese Befürchtungen hatten durch die Trennung von Birnbaum und König neue Nahrung erhalten. Falsch sei auch die Behauptung, durch Kooperation von Kerckhoff mit führenden Medizinern der privatisierten Uniklinik Gießen/Marburg werde das Spezialkrankenhaus in der Kurstadt mittelfristig zum "Zulieferer" für Gießen degradiert. "Der Kerckhoff-Campus bleibt auf Erfolgskurs, seine Eigenständigkeit vollständig erhalten", unterstrich der Vorstandsvorsitzende der Stiftung.

Alle Personen, die jetzt Verantwortung trügen, stünden allerdings hinter dem von der Landesregierung verfolgten Konzept, in Mittelhessen ein Netzwerk der Patientenversorgung aufzubauen. Kerckhoff kooperiere dabei mit allen Häusern der Region - ob kommunal, privat oder in Trägerschaft einer Stiftung. Ziel sei eine optimale Versorgung kranker Menschen. Eine Konkurrenz zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Kliniken auf allen Gebieten, wie sie König und Birnbaum angestrebt hätten, hält Arnold für wenig sinnvoll. Jedes Haus könne sein Spezialgebiet in die Zusammenarbeit einbringen.

Dieses Kooperationskonzept schließt nach Angaben von Prof. Wilfried von Eiff, Leiter eines Instituts für Krankenhausmanagement und Mitglied im Kerckhoff-Aufsichtsrat, einen Wettbewerb auf bestimmten Gebieten nicht aus. "Dazu zählt zum Beispiel das Herztransplantationszentrum in Bad Nauheim. Auch die Pläne, Lungen zu transplantieren, werden die Uniklinik Gießen nicht begeistern", erklärte von Eiff. Künftig werde eine Klinik innerhalb des Netzwerks die Koordination für ein bestimmtes Fach übernehmen. Auf dem Gebiet der Onkologie sei das die Uniklinik. Eine Tumorkonferenz, der Experten aus verschiedenen Häusern angehören, werde über die richtige Behandlung eines Patienten entscheiden. In Sachen Onkologie werde die neue Thoraxchirurgie von Kerckhoff schwerpunktmäßig bei Lungenkrebs operieren. Von Eiff zufolge wird die Nauheimer Klinik die Federführung in der Region übernehmen, wenn es um Herzerkrankungen geht. Ein solches Netzwerk garantiere nicht nur die beste Therapie, sondern sei auch aus wirtschaftlicher Sicht optimal.

Nach den Worten von Prof. Christian Hamm, der als Ärztlicher Direktor die Nachfolge von Birnbaum angetreten hat, handelt es sich bei dem Aufbau des Netzwerks um "ein Pilotprojekt, das in ganz Deutschland Maßstäbe setzt". Die Kerckhoff-Klinik spiele darin eine tragende Rolle, weil auf ihrem Campus nicht nur therapiert, sondern auch geforscht werde. Wichtig sei dabei die enge Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Herz und Lunge. "Um forschen zu können, war es absolut folgerichtig, eine Abteilung für die Therapie von Lungenkrankheiten aufzubauen", so Hamm. Auch nach dem Weggang Schirrens, der wichtige Pionierarbeit geleistet habe, werde man diesen Weg konsequent weitergehen. Hamm zufolge wird das medizinische Angebot erweitert.

Das neue Team, das im Januar kommen soll, werde nicht nur Lungenchirurgie betreiben, sondern auch Gefäßbehandlung anbieten und minimalinvasive Eingriffe vornehmen. In Sachen Thoraxchirurgie ist die Kerckhoff-Klinik nach den Worten von Ulrich Jung (neuer kaufmännischer Geschäftsführer) "hervorragend aufgestellt". Dieser Sektor werde auf 41 Betten erweitert, die Krankenkassen hätten inzwischen rückwirkend für 2008 ein Budget genehmigt. Hinzu komme das neue Transplantationszentrum. Die außergewöhnlich gute wirtschaftliche Situation der Klinik sei in erster Linie den rund 650 Mitarbeitern zu verdanken.

Wie Arnold betonte, strebe man eine gütliche Trennung von König an, der sich in seiner 17-jährigen Tätigkeit große Verdienste um die Kerckhoff-Klinik erworben habe. Ohne Gerichtsverfahren regeln will der Staatssekretär auch einen Konflikt mit dem Betriebsrat. Arnold bestätigte Informationen der "Wetterauer Zeitung", wonach die Arbeitnehmer vor Gericht einen Drittel der Sitze im Aufsichtsrat erstreiten wollen. Der Vorstand hat dagegen einen Sitz für den Betriebsrat vorgesehen. Nach Ansicht Arnolds handelt es sich bei der GmbH um einen "Tendenzbetrieb", für den die üblichen Mitbestimmungsregeln keine Gültigkeit haben.

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