"Kastelruther Spatzen" in der Rittal-Arena

Wetzlar (chl). Der Sturmlauf zur Bühne war am Donnerstagabend in der Rittal-Arena programmiert. Denn beim Erklingen des Liedes "Wir sind alle eine große Familie" wissen die eingefleischten Fans der "Kastelruther Spatzen" sofort, dass der Zeitpunkt gekommen ist, mit ihren Stars ganz dicht gedrängt zu feiern.

Wetzlar (chl). Der Sturmlauf zur Bühne war am Donnerstagabend in der Rittal-Arena programmiert. Denn beim Erklingen des Liedes "Wir sind alle eine große Familie" wissen die eingefleischten Fans der "Kastelruther Spatzen" sofort, dass der Zeitpunkt gekommen ist, mit ihren Stars ganz dicht gedrängt zu feiern. Nur der Bühnenrand trennte die Südtiroler Volksmusik-Koryphäen um Sänger Norbert Rier noch von den rund 2300 Zuhörern. Aber das Händeschütteln und das Überreichen von Blumen und Geschenken überwand die imaginäre Grenze.

Zur Aufklärung: Nein, nicht das gesamte Publikum zog es beim Finale des gut zweistündigen Konzertes in die Nähe des musizierenden Sextetts. Es waren aber immerhin rund 200 Fans. Dazu gehörten auch Miriam Kalweit und Claudia Pfeiffer. Die beiden jungen Damen aus dem Rheinland-Pfälzischen nennen sich bereits seit über zehn Jahren Spatzenfans. Für Pfeiffer ist das Wetzlarer Konzert bereits das 100. bei den Kastelruthern. "Die Lieder sind was für's Herz und aus dem Leben gegriffen. Die kann man gut mitsingen", erläutert Kalweit ihre Begeisterung für diese Musik. Kurz bevor die beiden aus ihren Sitzen springen, sind sie ganz "hibbelich" und aufgeregt. Denn sie wissen bereits, dass es nach dem schmachtend-sinnlichen Trompeten-Solo von Walter Mauroner zu "Amazing Grace" soweit ist.

Ab besagtem Lied ist die Partystimmung voll im Gange. Wer nicht nach vorne rennt, steht auf und klatscht und schunkelt freudig mit. Weil die Evergreens wie "Herzschlag für Herzschlag", "Daheim in Kastelruth" oder "Eine weiße Rose" nun zünftiger und schwungvoller daherkommen als das Repertoire im vorherigen Verlauf des Abends. Dort überwogen zunächst gefühlvolle Balladen im Schlagergewand. Sowohl neue Lieder des aktuellen Albums "Ein Kreuz und eine Rose" wie "Ein Traum, der alle Ketten sprengt" oder "Liebe ist ein Sternenspiel" als auch jüngere und ältere Titel wie "Vertrauen" oder "Maria Tristezza" hatten dabei vor allem ein Thema im Sinn: die Liebe in all ihren Ausformungen. Aber auch die Hits wie "Edelweiß-Tattoo" und "Ich schwör'" fügten sich in diesem Rahmen ein.

Als kleine Höhepunkte im Programm konnten sich das neue Schunkellied "Eine Herde stolzer Pferde" - bei dem auf der Videoleinwand Riers hurtig über die Almweisen galoppierende Haflinger-Pferde zu sehen waren - als auch der Titel "Aus jedem Traum wird ein Stern": Anders als bei der Plattenaufnahme (auf "Herz gewinnt, Herz verliert"), bei der Rier zusammen mit seiner Tochter Marion singt, mimte Gitarrist Kurt Dasser bei diesem Lied unter dem Applaus des Publikums den Duettpartner. Als stimmungsvollstes Stück der ersten Runde tat sich "Hinter jedem Regenbogen" hervor. Auch wenn Mauroner vereinzelt in Trompetentönen strauchelte und Rier in hohen Lagen an seine stimmlichen Grenzen kam, so nahm man dies den Musikern nicht übel. Denn Riers eingelöstes Versprechen, völlig live zu singen und zu musizieren, festigte die Sympathie der Fans zu ihren Idolen. So viel steht fest: Die "Kastelruther Spatzen" sind keine Partykapelle. Vielmehr setzt das Sextett, das auf der Bühne eher wie starre Dolomitenfelsen agiert, auf eine große Portion Gefühl. Und das kam beim Publikum an - sonst hätte es nicht vereint nach Zugaben gerufen. ()

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