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Kassel: Tiere bekommen Barrierefreiheit - freie Wege für den Igel 

Naturschutz und Wohnungsbau verbinden

Barrierefreiheit auch für den Igel: Forscher aus Kassel entwickeln Konzept

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Auch Tiere sollen Barrierefreiheit in der Stadt bekommen. Dafür haben nun Forscher aus Kassel und München ein Konzept entwickeln. Es soll Naturschutz und Wohnungsbau verbinden.

  • Forscher aus Kassel und München entwickeln Konzept, das Naturschutz und Wohnungsbau verbinden soll
  • Barrierefreiheit soll auch für Tiere gelten 
  • 155 Wohnungsbauunternehmen wurden hierzu befragt 

Kassel – Barrierefreiheit ist nicht nur für Menschen ein wichtiges Thema. Auch Igel können an wenige Zentimeter hohen Schwellen scheitern – und durch solche Barrieren im schlimmsten Fall bei der Nahrungssuche so eingeschränkt werden, dass sie sterben. 

Damit Igel und andere Tiere auch in der Stadt ausreichend Lebensräume finden, hat ein Landschaftsarchitekt der Uni Kassel mit einem Biologen aus München eine Methode entwickelt, die Wohnungsbau und Naturschutz verbinden will.

Konzept aus Kassel: Tiere sollen von der Planung berücksichtigt werden 

„Animal-Aided Design“ (tiergestütztes Entwerfen, AAD) nennen sie ihre Art der Planung, mit der die Bedürfnisse von Mensch und Tier unter einen Hut gebracht werden sollen. Demnach soll bei Neubauten, Sanierungsmaßnahmen und der Gestaltung von Grün- und Freiflächen daran gedacht werden, was Tiere brauchen, um in urbaner Umgebung zu überleben. 

Zugleich gehe es darum, Naturerfahrungen für Stadtbewohner zu ermöglichen, sagt Dr. Thomas Hauck vom Fachgebiet Freiraumplanung. In einem ersten Schritt haben die Wissenschaftler 155 Wohnungsbauunternehmen bundesweit zum Thema Wildtiere in der Stadt befragt. Dabei zeigten sich viele offen dafür, Tieren im Wortsinn mehr Raum auf ihren Flächen zu geben. Mit neun Unternehmen arbeiteten die Forscher bei realen Bauprojekten zusammen. 

Kassel: Belange der Tiere müssen frühzeitig bedacht werden

Dabei habe sich laut den Forschern aus Kassel gezeigt, dass der Planungsaufwand im Vorfeld zwar etwas erhöht sei, die Umsetzung tierfreundlicher Details bei Bau und Gestaltung aber nahezu „aus der Portokasse“ zu bestreiten sei, sagt Hauck. Vor allem komme es darauf an, frühzeitig an Belange von Tieren zu denken.

Wichtig sei, den gesamten Lebenszyklus der Tiere zu berücksichtigen. Ein Nistkasten für Stare sei wenig hilfreich, wenn die Vögel nachher nicht genügend Nahrung für ihre Jungen finden. Und der Igel brauche nicht nur Barrierefreiheit, sondern auch ungestörte Quartiere zum Überwintern in Reisig- oder Laubhaufen.

So sind in Zusammenarbeit mit dem Münchner Ökologen Prof. Dr. Wolfgang Weisser bislang 30 Artensteckbriefe ausgearbeitet worden, die für Planer relevanten Bedürfnisse der Tiere auflisten. Ebenso wichtig wie die ökologischen Merkmale seien sozio-kulturelle Aspekte, betont Hauck: Nicht jede Tierart sei erwünscht oder kompatibel mit den Interessen der Bewohner.

So könne der Teichfrosch mit seinem lauten Quaken als störend empfunden werden, und wenn es um Schwalbe oder Fledermaus unterm Dach gehe, gebe es oft Bedenken wegen Verschmutzungen der Fassade oder anderer Gebäudeteile durch Kot.

Kassel: Viele Probleme sind lösbar - So soll die Barrierefreiheit für Tiere ermöglicht werden 

Viele Probleme seien aber lösbar. Etwa, indem Nisthilfen mit einem Brett zum Schmutzauffang versehen werden. Oder Akzeptanz für die Brennnessel, die eine wichtige Pflanze für Insekten und damit das Nahrungsangebot vieler Tiere sei, lasse sich verbessern, indem man entsprechende Bereiche durch klare Mähkanten markiere und Brennnesseln mit konkurrenzstarken blühenden Stauden kombiniere, die etwas fürs Auge bieten.

Ziel der Wissenschaftler ist nun, ähnlich wie es Pflanzenhandbücher für Gestalter gibt, auch die Tiersteckbriefe in den Planungsbüros zu etablieren. Denn die eher kleinteiligen tierfreundlichen Projekte hätten nur dann eine nennenswerte ökologische Wirkung, wenn sie großflächig praktiziert würden.

In Kassel erobern Wildtiere immer stärker den städtischen Lebensraum. Die Tiere finden in der Stadt viele geeignete Flächen. 

Nicht nur für Tiere ist Barrierefreiheit wichtig. In erster Linie betrifft es die Rollstuhlfahrer im Kreis Kassel. 

Video: Nicht alle Tiere sind in Städten willkommen - wie diese Wildschweine in Haifa 

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