Johannas Mörder noch immer auf freiem Fuß

Ranstadt/Alsfeld (pm). Zehn Jahre sind vergangenen: Am 2. September 1999 verschwand die damals achtjährige Johanna Bohnacker aus Bobenhausen, einem Ortsteil von Ranstadt im Wetteraukreis. Groß angelegte Suchaktionen mit vielen freiwilligen Helfern verliefen erfolglos. Sieben Monate später, am 1. April 2000, wurde es zur traurigen Gewissheit: ein Spaziergänger fand Überreste ihres Leichnams in einem Waldstück an der Autobahn A5 bei Alsfeld-Lingelbach, rund 90 Kilometer von Bobenhausen entfernt.

Ranstadt/Alsfeld (pm). Zehn Jahre sind vergangenen: Am 2. September 1999 verschwand die damals achtjährige Johanna Bohnacker aus Bobenhausen, einem Ortsteil von Ranstadt im Wetteraukreis. Groß angelegte Suchaktionen mit vielen freiwilligen Helfern verliefen erfolglos. Sieben Monate später, am 1. April 2000, wurde es zur traurigen Gewissheit: ein Spaziergänger fand Überreste ihres Leichnams in einem Waldstück an der Autobahn A5 bei Alsfeld-Lingelbach, rund 90 Kilometer von Bobenhausen entfernt. Der oder die Täter wurden bis heute nicht überführt. 190 Aktenordner zeugen allein bei der Friedberger Kripo von zahlreichen Ermittlungen während dieser zehn Jahre.

"Wir haben schon viel getan, aber wir geben nicht auf - Mord verjährt nicht", so die Friedberger Ermittler. Sie setzen dabei auch weiterhin auf die ständige Verbesserung der Kriminaltechnik und polizeilicher Möglichkeiten. Bis heute stehen die Ermittler auch mit der Familie im Kontakt.

Über 1500 Hinweisen wurde in den zehn Jahren nachgegangen. Viele Male wurden sie schon zusammen mit gefundenen Spuren bewertet, verglichen, daraus Hypothesen gebildet und immer wieder Ermittlungen angestellt, bis zum heutigen Tag. "Auch in den letzten Monaten sind wir dabei, nochmals jeden Ermittlungsstein umzudrehen und werden es auch weiterhin tun, bis wir den oder die Täter überführen können", so der Wetterauer Polizeidirektor Alexander König.

Im Jahre 2002 waren bereits schon die damals vorliegenden Erkenntnisse von einem beim Hessischen Landeskriminalamt für solche Fälle neu eingerichteten Expertenteam analysiert worden, dem auch Psychologen angehörten. Die Ergebnisse dieser Gruppe erbrachten eine Reihe von Tat- und Täterhypothesen, die - geordnet nach Wahrscheinlichkeiten - zu einer klaren Priorität führten. Demnach kann als wahrscheinlich angesehen werden, dass der Täter Ortsbezug hat und dass Johanna ihn kannte. Dies ist eine der wesentlichen Botschaften dieser Fallanalyse und bestätigt auch alte kriminalistische Erfahrungen.

Trotzdem werden auch immer wieder andere Fälle in der Bundesrepublik in die Auswertungen mit einbezogen.

Das Fortschreiten der Kriminaltechnik nutzten die Ermittler auch bei drei großen Reihenuntersuchungen zum Vergleich mit einer an einem Klebeband gefundenen Finger- oder Handabdruckspur. Erstmals in Deutschland wurde dabei die jeweils neue Kriminaltechnik eingesetzt. Trotz hoher Mitwirkungsbereitschaft der eingeladenen Männer verliefen diese Reihenuntersuchungen bislang erfolglos.

Dennoch, so betonten die Beamten aber auch immer wieder, könne damit nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Täter nicht doch unter denen befand, die ihre Finger- und Handflächenabdrücke zum Vergleich abgaben. Denn es steht nach wie vor nicht fest, ob die an einem Stück Klebeband gesicherte geringe daktyloskopische Spur von einem Finger oder der Handfläche stammte oder sogar einem Bereich der im Rahmen der Überprüfung nicht erfasst werden konnte.

Im vergangenen Jahr baten die Friedberger Ermittler spezialisierte Kollegen eines Fachkommissariates der Frankfurter Kripo mit ihrem nun fortgeschrittenen, auch technischen Wissen den Fall methodisch erneut zu analysieren. Auch beim BKA (Bundeskriminalamt) wurde zwischenzeitlich eine durch ein Spezialistenteam erstellte Analyse, unter anderem zur Fundsituation, eingeholt. Alle Analysen bestätigten die These, dass Johanna ihren Täter gekannt haben dürfte.

Ferner wurde auch verfestigt, dass es sich bei der Tatausführung um mehr als eine Person gehandelt haben kann - sei es beim Abholen, bei der Tat selbst oder auch beim Verbringen in den Wald bei Alsfeld-Lingelbach. So dürfte der Täter auch Mitwisser haben.

Wie immer wieder deutlich wird, sind die Ermittler nach wie vor hoch motiviert den "Fall Johanna" aufzuklären. Angesichts der Grausamkeit dieses Verbrechens, so die Beamten, sollte eine Aufklärung im Interesse aller Bürger sein. Deshalb bitten sie auch weiterhin um eine breite Unterstützung. Natürlich werden auch weiterhin Hinweise in dem Fall entgegengenommen (Tel. 06031/6010).

Für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, hat die Staatsanwaltschaft in Gießen immer noch eine Belohnung in Höhe von insgesamt 25 000 Euro ausgesetzt. (Foto: Polizei)

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