In 50 Jahren viele A 49-Varianten

Vogelsbergkreis(rs). Über 50 Jahre ist es her, dass erstmals eine vierspurige Straße von Gießen über Marburg nach Kassel ins Gespräch kam. Zur Einordnung: Ende der 1960er Jahre gab es im damals noch geteilten Deutschland im Westen die Studentenbewegung, in den USA wurde gegen den Vietnamkrieg demonstriert, und Martin Luther King, Anführer einer schwarzen Bürgerrechtsbewegung, wurde ermordet. Die Stationen der Straßenplanung hat unter anderem Reinhard Forst aufgeschrieben, ein Gegner der A 49 von Anfang an; daraus im folgenden Auszüge.

Was die heute als A 49 benannte Straßenverbindung anlangt, so hatte Ende der 1960er Jahre Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) der Stadt Marburg einen vierspurigen Ausbau der B 3 nach Kassel versprochen. Einige Jahre später war geplant, eine Autobahn A 49 östlich von Marburg zu führen und vor Gießen an die B 3 anzuschließen. Zwei Varianten durch den Ebsdorfergrund wurden aber wegen Widerstands der betroffenen Gemeinden und der Landwirtschaft aufgegeben.

Mitte der 1970er Jahre kam dann zudem eine Autobahn Bremen-Gießen ins Gespräch, die westlich von Marburg verlaufen und vor Gießen auf die B 3 geführt werden sollte. Die A 49 sollte in Form der Ohmtaltrasse geführt werden (Querung des Ohmbecken zwischen Rüdigheim und Schweinsberg Richtung Erfurtshausen/Mardorf). Die Autobahn Bremen-Gießen soll aus dem Bereich Cölbe östlich Richtung Kirchhain geführt und dann mit der A 49 verbunden werden. Aber 1979 wurde eine Autobahn Bremen-Gießen aus Kostengründen aufgegeben.

Neue Untersuchungen kamen Anfang der 1990er Jahre zum Ergebnis, die Maulbachtrasse (bis Amöneburg identisch mit der Ohmtaltrasse) sei die beste Trasse für die Führung der A 49. Die CDU/FDP-Landesregierung ließ unter Sofortvollzug die A 49 ab Borken/Kerstenhausen weiterbauen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof verfügte einen Baustopp bei Bischhausen (1994). In der Folge wurde das Untersuchungsgebiet ausgeweitet. Anfang 1999 wurde als beste Trasse die Herrenwaldtrasse (West) vorgeschlagen. Der Zusatz "West" bezieht sich auf die Führung westlich von Ziegenhain und Treysa.

Kammmolche verhindern Bau

Die Stadt Kirtorf forderte mit Rückhalt im Vogelsbergkreis die Führung der Autobahn westlich an Stadtallendorf vorbei und über die B 62 neu nach Marburg (mit Anschluss an die B 3). Das war in einer Zeit, als Varianten auch einen Anschluss der A 49 nach Streckenführung über Kirtorfer, Antrifftaler und Alsfelder Gebiet nördlich von Alsfeld vorsahen.

Nachdem der Herrenwald vom RP Gießen als FFH-Gebiet gemeldet worden war (mit großem Kammmolch-Vorkommen) wurde eine neue Trassenvariante im Bereich des Herrenwalds entwickelt. Die Marburger Stadtverordneten lehnen im Jahr 2004 einstimmig eine Führung der A 49 durch Marburg ab, und Homberg/Ohm und später der Vogelsbergkreis geben ihren Widerstand gegen eine Führung der A 49 durch den Vogelsbergkreis auf.

2005 wurde eine modifizierte Herrenwaldtrasse vorgestellt, die nahe an Stadtallendorf und Niederklein vorbeiführt. 2007 folgten die Auslegung der Planfeststellungsunterlagen für den Abschnitt von Stadtallendorf nach Maulbach bzw. Gemünden/Felda.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare