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Zweimal im Monat können Besucher des Städels mithilfe der VR-Brille auf eine virtuelle Zeitreise durch das Museum im Jahr 1878 gehen. FOTO: STÄDEL MUSEUM/DPA

"Instagrammable Art" in Museen

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Wie machen sich die Frankfurter Museen im digitalen Zeitalter fit für die Zukunft? Mit angestaubten Ausstellungsflächen kann wohl kaum ein Haus mehr Besucher locken. Der digitale Raum birgt viele Chancen, aber auch Herausforderungen.

Von virtuellen Ausstellungen über Podcasts bis hin zum richtigen Social-Media-Auftritt: Die Digitalisierung stellt Museen vor neue Herausforderungen, das haben auch die Frankfurter Häuser erkannt. "Der digitale Wandel hat auch unsere Museen erreicht", sagte kürzlich Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Damit sie fit für die Zukunft werden, verspricht die SPD-Politikerin finanzielle Unterstützung: So sollen ab kommenden Jahr jährlich 300 000 Euro in die Digitalstrategie der städtischen Museen fließen.

Was heißt das konkret? Im Wesentlichen soll das Budget die Digitalisierung der Bestände fördern. Im Kern gehe es also darum, die Sammlung dank der technischen Mittel digital zu öffnen und allen Interessierten zugänglich zu machen, heißt es beim Dezernat. Das kann dann beispielsweise über Online-Ausstellungen auf der Website oder via App auf dem Smartphone erfolgen. Laut dem Kulturdezernat handelt es sich dabei um eine "Herkulesaufgabe". So umfasse alleine die Sammlung des Historischen Museums mehr als 610 000 Objekte.

"Die Digitalisierung der Sammlung ist eine enorme Herausforderung, etwa wenn es darum geht, bei jedem einzelnen Objekt die Fragen des Urheberrechts zu klären", sagt auch Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums. Auch der Prozess an sich ist aufwendig: So werden hochauflösende Aufnahmen oder Spezialaufnahmen wie 3-D-Scans gemacht, Video- oder Audiodateien erstellt sowie die Daten zum Exponat eingepflegt. Laut Dezernat kann die digitale Erfassung pro Objekt zwischen einer halben und mehreren Stunden dauern. Doch die Arbeit lohne sich: "Der Vorteil ist, dass die Sammlung dann weltweit zur Verfügung steht", so Wenzel.

Auch die Direktorin meint: "Derzeit liegt die größte Herausforderung für Museen in der digitalen Transformation." Digitale Besucher müssten gleichwertig gezählt werden zu analogen Besuchern. Kommen die Menschen überhaupt noch ins Museum, wenn sie die Werke auch im Netz betrachten können? Diese Befürchtung hat sich Studien zufolge nicht bewahrheitet - im Gegenteil. "Das digitalisierte Objekt steigert die Neugierde auf das Original. Das beste Beispiel dafür ist die Mona Lisa", sagt Wenzel.

Ein wichtiger Punkt sei auch das freie WLAN. "Das bewirkt, dass sich Besucher länger im Museum aufhalten." Mit einem Fotoverbot in Museen kann Wenzel nicht viel anfangen. Im Gegenteil: Es sei doch nur förderlich, wenn Bilder aus Ausstellungen zum Beispiel auf Instagram veröffentlicht würden. Sowohl manche Künstler als auch einige Museen würden sich inzwischen entsprechend ausrichten. Stichwort: "Instagrammable Art".

In Frankfurt gibt es rund 60 Museen. Bei dem größten Teil handelt es sich nicht um städtische Einrichtungen, so etwa beim Städel. Das Haus hat bereits eine umfassende Digitalstrategie, um verschiedenste Zielgruppen zu erreichen. User können in der digitalen Sammlung durch 700 Jahre Kunstgeschichte stöbern. Verschiedene "Digitorials" stimmen auf den analogen Ausstellungsbesuch ein. Hinzukommen: Apps mit Audioguides zu Ausstellungen, E-Learning-Angebote zur Kunstgeschichte oder ein Game für Kinder, das spielerisch auf Entdeckungsreise durchs Museum führt. Zweimal im Monat können Besucher zudem per VR-Brille auf eine virtuelle Zeitreise durch das Museum im Jahr 1878 gehen. Und mit "Finding Van Gogh" bietet das Städel erstmals einen Podcast an.

"Wir eröffnen einen uneingeschränkten Zugang zu kunsthistorischen Inhalten und Forschungsergebnissen und ermöglichen damit eine globale Teilhabe an Kulturgut", heißt es auf der Homepage. Handelt es sich also um eine digitale Alternative zu den analogen Ausstellungsräumen? Nein, es gehe nicht darum, das Museum im Netz nachzubauen, sagte Sprecherin Pamela Rohde. "Vielmehr beschreiten wir mit der multiplen Vernetzung von Inhalten völlig neue Wege der Erforschung, Darstellung, Erzählung und Vermittlung von Kunst."

Eine gute Nachricht gab es am Freitag für das digitale Projekt "METAhub Frankfurt", hinter dem das Jüdische und das Archäologische Museum sowie das Künstlerhaus Mousonturm stehen. Die Kulturstiftung des Bundes fördert die Kooperation in den Jahren 2020 bis 2023 mit mehr als einer Million Euro. Beispielsweise entwickeln die beiden Museen eine digitale Anwendung, die einen Teil ihrer Sammlungen zusammenführt und in erzählerischer Form präsentiert.

Mithilfe von Augmented Reality sollen zudem die frühneuzeitliche Judengasse oder die frühmittelalterliche Kaiserpfalz Franconofurd digital erfahrbar werden. Profitieren soll die digitale Museumsarbeit in allen 16 städtischen Häuern: "Wir hoffen auf gute Ergebnisse, die wir dann in die Breite tragen können, "hieß es beim Kulturdezernat.

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