Prof. Werner Seeger ist ebenfalls von Helge Braun geimpft worden. FOTO: MAC
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Prof. Werner Seeger ist ebenfalls von Helge Braun geimpft worden. FOTO: MAC

"Der Impfstoff ist sicher"

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Auch am Universitäts- klinikum haben die Impfungen gegen Sars-Cov2 begonnen - mit Unterstützung von Kanzleramtschef Helge Braun. Der Politiker selbst impfte am Montag u.a. den Ärztlichen Direktor Werner Seeger. Insgesamt können sich im ersten Schritt 1150 der 5500 Mitarbeiter impfen lassen.

Einen Tag nach dem offiziellen Impfstart in Deutschland sind am Montag auch die ersten Mitarbeiter des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM) gegen Sars-CoV2 geimpft worden. Bundeskanzleramtschef Helge Braun, der offiziell am UKGM als Anästhesist beschäftigt, aber aufgrund seiner politischen Tätigkeit beurlaubt ist, ließ es sich nicht nehmen, einige der ersten Dosen am Standort in Gießen selbst zu verimpfen. Unter anderem verabreichte er den Wirkstoff der Mainzer Firma Biontech an den Ärztlichen Direktor des UKGM, Prof. Werner Seeger, an Prof. Michael Sanders, den Leiter der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, sowie an Pflegekraft Lisa Bohn und Stationssekretärin Michaela Melchert. Im ersten Schritt können am UKGM 1150 der rund 5500 Mitarbeiter geimpft werden.

Im dritten Quartal Impfstoff für alle?

"Das klingt nach viel, tatsächlich aber reicht es gerade für die Impfung der Mitarbeiter, die direkt vorrangig mit Covid-Patienten oder mit den hochgradig gefährdeten Patienten aus den onkologischen und transplantologischen Bereichen arbeiten", sagte Seeger. Dennoch freue er sich, dass man auch durch die Impfung nun für den Schutz der Mitarbeiter sorgen könne. Die Zahl der Covid-Patienten hatte sich in den vergangenen Tagen auf einem Niveau zwischen 100 und 110 stabilisiert. Damit ist das UKGM das hessische Krankenhaus mit den meisten Corona-Patienten.

Das weiß auch Kanzleramtschef Braun. Deswegen tauschte er am Montagvormittag den schwarzen Anzug mit einem weißen Arztkittel. "Ich bin heute auch an meine Arbeitsstätte zurückgekehrt, weil ich den Pflegekräften und Ärzten Danke sagen will. Sie haben gerade jetzt sehr viel zu tun, und wir müssen davon ausgehen, dass die Patientenzahlen noch steigen werden", sagte Braun nach seinem Impfeinsatz im eigens eingerichteten Mitarbeiter-Impfzentrum auf Station 8. Er erinnerte daran, dass das medizinische Personal immer auch einem gewissen Infektionsrisiko ausgesetzt sei. "Deswegen bin ich gerne hier und habe geimpft, damit ihr persönlicher Schutz verbessert wird und sie ihre Arbeit fortsetzen können." Braun betonte außerdem, er sei stolz darauf, dass es ein deutscher Impfstoff sei, der als erster in Europa eine ordentliche Zulassung erhalten habe und ab Februar sogar in Mittelhessen, im ehemaligen Novartis-Werk in Marburg, hergestellt werde.

Erleichterung spürbar

Mit den Impfungen von Senioren und dem medizinischen Personal erhoffe man sich - so Braun - eine Entlastung des Gesundheitssystems und den Rückgang der Todeszahlen, gleichwohl erinnerte er daran, dass man zum Schutze der Gesamtbevölkerung eine große Menge Geimpfter benötige. "Deswegen kommt es nun darauf an, möglichst viel Impfstoff möglichst bald zu haben. Wenn weitere große Firmen eine Zulassung erhalten, bekommen wir das hin. Dann können wir im dritten Quartal wahrscheinlich jedem eine Impfung anbieten."

Den beiden geimpften UKGM-Mitarbeiterinnen war die Erleichterung anzumerken. "Es war mir eine Herzenssache. Ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen würden", sagte Pflegekraft Bohn. Ihre Kollegin Melchert meinte: "Ich kann gar nicht sagen, wie toll ich es finde, dass wir jetzt etwas gegen dieses Virus tun können."

Dass es gelungen sei, noch 2020 einen Impfstoff zu verimpfen, sei eine "enorme Leistung", sagte Professorin Susanne Herold, die u.a. am UKGM die Corona-Normalstationen leitet. Die vorliegenden Daten zeigten zudem, dass "der Impfstoff sicher" ist, betonte die Lungenforscherin.

Nur bei zwei der ersten 1,5 Millionen Impfungen sei es bislang zu schwerwiegenden Nebenreaktionen gekommen. Das bestätigte auch Seeger. Auf der anderen Seite könne man sagen, dass, wenn man eine Covid-Infektion erleide, man gegenwärtig eine Mortalität von zwei Prozent habe. "Das ist ein gigantischer Unterschied. Das Risiko, die Infektion zu erleiden und tödliche oder gravierende Komplikationen zu haben, ist extrem viel höher als das der Nebenwirkung. Wenn man es miteinander vergleicht, kann man nur zu dem Schluss kommen, sich impfen zu lassen."

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