Immer mehr Libellen tummeln sich im Kreis

Friedberg/Reichelsheim (hed/pm). Renaturierte Flüsse, neue Naturschutzgebiete und auch der Klimawandel haben dazu beigetragen, dass sich immer mehr Libellen in der Wetterau wohlfühlen.

Das berichtete Hanns-Jürgen Roland von der Interessengemeinschaft Libellen der Wetterau beim Treffen des Arbeitskreises der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz.

"Die Libellen erleben im Wetteraukreis einen großen Aufschwung", war das Fazit des Vortrags von Hanns-Jürgen Roland aus Reichelsheim. Innerhalb der vergangenen 20 Jahre sei die Anzahl der Libellen-Arten von 39 auf 51 gestiegen. Gründe für den Populationswachstum lägen in den Landschaftsveränderungen: "Waren die Flüsse vor 20 Jahren noch komplett kanalisiert und teilweise mit Schadstoffen belastet, wurde in den letzten Jahren die Wasserqualität deutlich verbessert und Teilbereiche von Flüssen wie Horloff, Nidder und Nidda wurden renaturiert", berichtete Roland.

Aus den Braunkohleabbaustätten seien große Seen wie der Bergwerksee bei Dorn-Assenheim oder die in dem gleichnamigen Naturschutzgebiet liegenden Teufel- und Pfaffensee bei Echzell hervorgegangen. Außerdem entstünden derzeit in den Auen zahlreiche von Menschenhand für Amphibien angelegte Tümpel und Kleingewässer. Von diesen vielfältigen Verbesserungen der Lebensbedingungen profitierten neben der Libelle auch Brutvögel und Amphibien.

Auch die Klimaerwärmung leiste ihren Beitrag: Immer mehr eher in wärmeren Gefilden anzutreffende Arten wie die Feuerlibelle würden nach Hessen und in die Wetterau einwandern, so der Libellenexperte.

Für den positiven Einfluss neu angelegter Gewässer stehe exemplarisch ein im Herbst 2006 geschaffener Tümpel in der Horloffaue bei Reichelsheim, in dem bereits 33 Arten festgestellt worden seien, darunter die seltene Gabel-Azurjungfer, von der es nur fünf Fundorte in Hessen gebe. Eine aktuelle Erfassung des Arbeitskreises Libellen in Hessen zeige, dass von 81 in Deutschland nachgewiesenen Libellen-Arten 65 in Hessen entdeckt wurden. Eine Besonderheit sei die Helm-Azurjungfer, eine stark bedrohte Libellenart in Mitteleuropa. Die Helm-Azurjungfer komme an sauberen, langsam fließenden und das ganze Jahr Wasser führenden Gräben und Wiesenbächen vor. Im Wetteraukreis sei die Art erstmalig 1972 entdeckt worden, seither entwickelten sich die Bestände positiv. Roland: "Im Moment sind 25 Fundorte in Hessen bekannt, die sich nahezu ausschließlich auf den Kreis beschränken."

Trotz der vielen positiven Nachrichten sei es um einige Arten schlecht bestellt: So treffe man die schwarze und die gefleckte Heidelibelle heute nur noch selten an. Rolands Ausblick ist dennoch positiv: Gelinge es, die Verlandung der neu angelegten Gewässer, die beispielsweise durch Verschilfung hervorgerufen würden, durch regelmäßige Pflegemaßnahmen zu verlangsamen und weitere Flussabschnitte im Wetteraukreis zu renaturieren, fänden Libellen auch künftig gute Lebensbedingungen vor.

Weitere Infos über Hanns-Jürgen Rolands Arbeit auf www.libellen-wetterau.de.

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