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Im Edersee wird das Wasser knapp

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Sand und Stein statt Wasser und Wellen: Tretboote liegen in der Bringhäuser Bucht am Fuß der trockengefallenen Liebesinsel. Hessens größter Stausee ist aufgrund fehlender Niederschläge und der Wasserabgabe an die Weserschifffahrt nur noch zu 20 Prozent gefüllt. © DPA Deutsche Presseagentur

Aufgrund der Trockenheit der vergangenen Wochen ist der Wasserstand des Edersees derzeit extrem niedrig. Der Füllstand liegt unter 20 Prozent. Das hat Folgen für die Schifffahrt und den Tourismus.

Wer derzeit im Edersee ein erfrischendes Bad nehmen möchte, der muss zunächst eine Sand- und Steinwüste überqueren, bevor er das kühle Nass erreicht. Denn die anhaltende Trockenheit lässt den Pegel des größten Stausees Hessens immer weiter sinken und legt das Ufer frei. Aktuell ist das Gewässer nur noch zu einem Fünftel gefüllt. Manche Freizeitaktivitäten sind deshalb nicht mehr möglich - und das in den Sommerferien. »Die Surfschule hat vor ein paar Tagen geschlossen. Die Passagierschifffahrt ist nur noch eingeschränkt möglich. Gleiches gilt für den Bootsverleih«, sagt Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee Marketing GmbH. Zwar gebe es bislang keine Stornierungswelle, aber die Anziehungskraft des Sees lasse spürbar nach. »Wir merken geringeren Zuspruch, vor allem bei Tagesgästen.« Das wirke sich auch auf die umliegenden Freizeitangebote wie den Kletterpark und die Bergbahn aus.

Gastronomie leidet

Der Füllstand des Edersees liege bei rund 19 Prozent, sagt Jens Köhne vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Weser. Das Amt ist für die Bewirtschaftung der Edertalsperre im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg zuständig, die mit ihrer 48 Meter hohen Staumauer 200 Millionen Kubikmeter Wasser stauen kann. Daten des WSA zufolge waren es zuletzt nur noch gut 37 Millionen Kubikmeter Wasser.

Genutzt wird das Wasser des Edersees zur Regulierung der Weser und des Mittellandkanals. Normalerweise werden dazu 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgegeben. Rutscht der Pegel - wie derzeit - unter die Marke von 40 Millionen Kubikmeter, wird die Mindestabgabemenge auf sechs Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt. Das hat Folgen für die Oberweser: »Dort ist aufgrund des niedrigen Pegels derzeit keine gewerbliche und Freizeitschifffahrt mehr möglich«, erklärt Köhne.

Wegen der Trockenheit habe die Abgabe in diesem Sommer schon früh gedrosselt werden müssen, erläutert er. Um die Situation zu entspannen, brauche es viel und längeren Regen. Der sei aber nicht in Sicht. Wird die kritische Marke von 20 Millionen Kubikmeter Wasser erreicht, wird die Abgabe weiter reduziert. Das habe ökologische Gründe und diene etwa dem Schutz der Fische. Der geringe Wasserstand macht nicht nur der Schifffahrt zu schaffen. Der Edersee ist ein Touristen-Magnet. Für die Anlieger ist das Niedrigwasser schon seit Jahren ein Problem. Aktuell sei die Stimmung auf dem Tiefpunkt angekommen, sagt Winfried Geisler vom Regionalverband Eder-Diemel (RVED), einer Interessensvertretung von Kommunen, Wassersportlern, Hoteliers und Gastronomen. Über das Niedrigwasser sagt er: »Das geschieht nach 2018, 2019 und 2020 in diesem Jahr bereits zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren. Das kann die Region nicht verkraften.« Im Wassersport-Bereich hagele es Stornierungen. Auch die Gastronomie leide. »Die Schäden gehen in die Millionen.« »Der Klimawandel hat uns in den vergangenen Jahren schon voll erwischt«, sagt Günther. »Früher war der Edersee das größte Schwimmbad Hessens. Das spiegelt sich nun nicht mehr wider.« Gerade jetzt in der Hauptferienzeit sei das ein Problem und wirke sich auf den Tourismus aus.

Neue Konzepte

Eine weitere Begleiterscheinung des Niedrigwassers ist Attraktion und Warnsignal zugleich: Infolge der Trockenheit taucht das sogenannte Edersee-Atlantis früher als gewöhnlich auf. Die Reste dreier aufgegebener Dörfer auf dem Seegrund seien normalerweise erst im September oder Oktober zu sehen gewesen, berichtet Günther. In diesem Jahr kämen bereits jetzt Bauwerke zum Vorschein, die sehr selten zu sehen sind - wie ein Minimodell der Edersee-Staumauer.

Der RVED fordert angesichts der angespannten Lage eine Änderung der Wasserwirtschaft. »Die Wasserentnahmen sollten vom 15. Juli bis zum 15. August eines Jahres auf die Mindestabgabemenge begrenzt werden, sofern die Marke von 125 Millionen Kubikmetern dann unterschritten worden ist«, erläutert Geisler das »Konzept Haltelinie 125« des Verbandes. Ziel sei es, im Einvernehmen mit der Schifffahrt Oberweser eine solche Maßnahme zu beschließen. Für 2022 sei zwar nichts mehr zu retten, sagt Geisler. »Umso wichtiger ist nun aber eine Perspektive für die nächsten Jahre.« Um die bemüht sich auch die Edersee Marketing GmbH. Man setze seit Jahren nicht mehr nur auf den See, sondern vermarkte die Region als Ganze, erklärt Günther. So laufe ein Zertifizierungsverfahren zur Qualitätswanderregion. Auch die Rad-Infrastruktur werde ausgebaut.

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