+

Ideen gesucht für Zeil ohne Karstadt

  • vonRedaktion
    schließen

Was folgt, wenn Karstadt in der Frankfurter Innenstadt 2025 endgültig dichtmacht? Das Kaufhaus wird abgerissen, so viel ist klar. Die Stadt beginnt nun, ein Konzept zu erarbeiten, für den gesamten Häuserblock an der Zeil. Das lobt ein prominenter Fan der Einkaufsmeile ausdrücklich.

Mit einer Gnadenfrist läuft der Verkauf bei Karstadt auf der Zeil weiter. Der Eigentümer, die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko, hatte das Aus schon beschlossen. Doch dank einer Mietreduzierung kann das Karstadt-Haus bis 2025 weitermachen. Mitte September waren nicht nur die 240 Mitarbeiter darüber sehr erleichtert. Die bis 1903 zurückreichende Tradition von Grand Bazar über Hansa bis Hertie geht damit zunächst weiter.

Die Miete zu mindern, fiel der Eigentümerin des Gebäudes, der Münsterländer Firma Sahle Wohnen, leicht. Er brauche ohnehin Zeit, um die Nachnutzung zu planen, erklärt Inhaber Albert Sahle. Da komme die Karstadt-Verlängerung genau richtig.

Eigentümer plant Abriss und Neubau

Vor acht Jahren sei "die Ankaufsentscheidung sowieso nicht gefallen, weil Karstadt Mieter ist". Lukrativer sei es, das Gelände zu entwickeln. "Der Abbruch des Kaufhauses war von Anfang an klar", sagt Sahle. "Das Gebäude mit den niedrigen Deckenhöhen entspricht nicht den heutigen Einzelhandelsanforderungen."

Nur noch zwei Stockwerke Einzelhandel werde es in Zukunft geben, im Untergeschoss einen Supermarkt. In den oberen Stockwerken könne ein Hotel einziehen, erklärt Albert Sahle. Unter anderem sei Motel One "stark interessiert" und halte daran auch trotz der Corona-Pandemie fest.

Über die Nutzung wird Sahle aber nicht alleine entscheiden: Die Stadt will mitreden bei der Zukunft des gesamten 2,1 Hektar großen Häuserblocks zwischen Zeil, Schäfergasse, Stephan- und Brönnerstraße. Dafür will sich Planungsdezernent Mike Josef (SPD) von Stadtverordneten beauftragen lassen, einen Bebauungsplan aufzustellen. "Wir wollen eine Nutzung erreichen, mit der die Attraktivität der Innenstadt erhöht wird", erklärt Josefs Referent Marcus Gwechenberger.

Bislang für Block keine Vorgaben

Bisher gibt es für den Häuserblock keine Bauvorgaben. Investoren müssen sich bloß am Bestand in der Nachbarschaft orientieren. So hatte auch Investor Ardi Goldman vor gut sieben Jahren das zwölfstöckige Gebäude "Diamantenbörse" an der Nordseite des Blocks saniert und als Geschäftshaus "Ma" neu eröffnet. Binnen eines halben Jahres will das Planungsdezernat nun einen Rahmenplan für die nördliche Innenstadt fertig haben, kündigt Marcus Gwechenberger an. Parallel laufe die Abstimmung mit den Immobilien-Eigentümern im Karstadt-Block. "Wir sind schon mit allen im Gespräch." Dank der Gnadenfrist für Karstadt bis 2025 bleibe genug Zeit fürs Planen der künftigen Nutzung.

Dass die Stadt die Eigentümer zusammenbringt und eine städtebauliche Entwicklung aus einem Guss will, dafür spricht Albert Sahle sein ausdrückliches Lob aus. Anfang nächsten Jahres sollen er und die übrigen Grundstückseigentümer zum Gespräch mit Mike Josef zusammenkommen. Zu ihnen gehören neben der Signa auch zwei Versicherungen.

Neues soll sich optisch einfügen

Welche Nutzung es in Zukunft geben wird? "Wir wollen mit Offenheit herangehen" und über "Nutzungen in Ergänzung" nachdenken, betont Marcus Gwechenberger. Baulich solle sich Neues "in die Umgebung einfügen", also kein Hochhaus entstehen. Ein Durchgang quer durch den abgeschotteten Häuserblock könnte die Attraktivität erhöhen. Bei der Langfristplanung müsse die Stadt über kurzfristige Kriseneffekte wie die der Corona-Pandemie hinaussehen. Die Zeil bleibe eine der wichtigsten Einkaufsstraßen im Land, ist Josefs Referent überzeugt. Das sieht Albert Sahle genauso: "Ich glaube nicht, dass die Zeil als Einkaufsmeile trotz Corona und der ganzen Verwerfungen an Bedeutung verliert." Im Gegenteil: "Der innerstädtische Einzelhandel wird sich hier stärker konzentrieren."

Zumal: Der starke Andrang in den Geschäften in der vorigen Woche habe gezeigt, dass die Zeil selbst in Krisenzeiten weiter gute Chancen habe, findet Marcus Gwechenberger. "Am ›Black Friday‹ war hier ja unter Hygienegesichtspunkten fast schon zu viel los."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare