Erfinder Simon Schmidt präsentiert einen Spender mit Teaballs und ein Pflanzenextrakt-Kügelchen. Erfinder haben es nach Experteneinschätzung schwer, ihre Ideen umzusetzen und vermarktbare Produkte zu entwickeln. dpa
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Erfinder Simon Schmidt präsentiert einen Spender mit Teaballs und ein Pflanzenextrakt-Kügelchen. Erfinder haben es nach Experteneinschätzung schwer, ihre Ideen umzusetzen und vermarktbare Produkte zu entwickeln. dpa

Von der Idee bis zum Produkt

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Der Einfallsreichtum von Erfindern mündet zuweilen in interessanten Produkten. Auch einige kluge Köpfe aus Hessen haben Dinge umgesetzt, die das Leben leichter machen sollen. Doch von der Idee bis zur Realisierung ist es ein steiniger Weg, wie ein Experte weiß

Erfinder-Shows sind Trend im Fernsehen. Ob die "Höhle der Löwen" (Vox) oder "Das Ding des Jahres" (ProSieben) - Tüftler und Macher können ihre Ideen zur besten Sendezeit einem großen TV-Publikum präsentieren. Der Deutsche Erfinderverband bewertet das erstmal positiv: "Diese Sendungen wirken der lange Zeit vorherrschenden Meinung entgegen, dass viele Erfinder Spinner sind", sagt Vorstand Eberhard Kübel. Die neue mediale Bühne motiviere kreative Köpfe zunehmend, ihre Idee umzusetzen und zu Papier zu bringen, statt sie nur im Kopf herumzutragen, sagte Kübel (71). Der 71-Jährige aus dem bayerischen Coburg ist gelernter Bauingenieur. Er berät und fördert Erfinder.

Auch Erfinder aus Hessen haben bereits auf sich aufmerksam gemacht., zum Beispiel Simon Schmidt. "Abwarten und Tee trinken" ist nicht seine Devise. Von langen Ziehzeiten und tropfenden Teebeuteln hatte der 36-Jährige irgendwann genug. Deswegen entwickelte der Wirtschaftsingenieur aus Gründau (Main-Kinzig-Kreis) sogenannte Teaballs. Drei, vier Kügelchen aus einem kleinen Spender reichen, um sich eine Tasse Tee in verschiedenen Sorten zu zubereiten. Bei den Teaballs - 60 Milligramm pro Kügelchen - handelt sich um Dragees aus Pflanzenextrakt.

Vor zehn Monaten präsentierte er seine Idee, mittlerweile hat es seine Erfindung in den bundesweiten Handel geschafft. Seit Mitte Januar bietet eine Drogeriekette drei Teesorten vom Startup Teaballs GmbH an. Bislang konnte man den Tee nur online bestellen und in Geschäften im Main-Kinzig-Kreis kaufen. Für Experten ist die Verwendung von Extrakten zur Teezubereitung zwar nicht neu, aber sie halten das Konzept für interessant. "Die Idee finde ich toll und innovativ", sagte Joachim Schmitt, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Fulda.

Schmidt ist mit seiner Idee weit gekommen. Doch das schaffen nicht viele. Es gibt zahlreiche Hürden zu überwinden, wie der Deutsche Erfinderverband meint. Kübel sagt: Das erste Problem sei, die Idee soweit voranzutreiben, um zu prüfen, ob sie etwas taugt. "Dafür braucht man ein Funktionsmodell oder einen Prototypen. Der kostet meist Geld. Und viele Erfinder haben kein Geld."

Das nächste Problem lauert, wenn geklärt werden muss: Wie ist zum Thema der Stand der Technik? Ist die Idee neu? Das Produkt schützenswert? Weltweit gebe es jährlich mehr als 100 Millionen Patentveröffentlichungen. "Bei einer Vielzahl an Erfindungen stellt sich heraus: Die Idee ist gar nicht neu.". Die nächste Hürde ist die Ausarbeitung einer Patentanmeldung, wie Kübel sagt. Dabei müsse die Idee so beschrieben werden, dass ein Fachmann sie nachbauen könne. Viele Erfinder seien dazu nicht in der Lage. Wenn ein Patentanwalt zurate gezogen wird, kostet es wieder Geld.

Fazit: "Die Verwertungsquote von Erfindungen ist katastrophal klein und vieles entpuppt sich als nicht realisierbar." Ein weiteres Hindernis sei, dass es in der Industrie zuweilen an der Bereitschaft mangele, Idee von außen aufzunehmen. Denn dann stünden die eigenen Entwicklungsabteilungen schlecht da.

Katja Becker sagt zu der Erfindung: "Klapster löst ein sehr aktuelles Problem: Platzmangel." Wer einklappbare Treppen nutze, habe mehr Wohnfläche.

Felix Blumenstein (37) aus dem nordhessischen Hessisch Lichtenau hat zusammen mit seiner Partnerin Marina Blasini (35) eine Mitwachs-Matratze erfunden. Sie setzt sich aus Puzzle-Steckmatratzenteilen zusammen und lässt sich erweitern - wenn Kinder gewachsen sind und eine größere Unterlage im Bett benötigen. Blumenstein erklärt: "Die Mitwachsmatratze kann mit Ergänzungselementen ganz einfach auf eine beliebige Größe vergrößert werden. Die Matratze wird auch dicker und bekommt eine weichere und festere Seite."Die Kinderbettvariante sei bis drei Jahren gedacht. Die große Variante könne bis 14 oder 15 Jahren verwendet werden.

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