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»Ich würde gerne als Bundespräsident kandidieren«

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Wetzlar (chl). Von Hektik, Stress und Panikmache im zurückliegenden »Jahrzehnt to go« hat Kabarettist und Stand-Up-Comedian Dieter Nuhr genug. Er zelebriert deshalb mit großer Gelassenheit »Nuhr die Ruhe«. So lautet der Titel seines aktuellen Programms, mit dem er am Samstag in der nahezu ausverkauften Wetzlarer Rittal-Arena zu Gast war.

Wetzlar (chl). Von Hektik, Stress und Panikmache im zurückliegenden »Jahrzehnt to go« hat Kabarettist und Stand-Up-Comedian Dieter Nuhr genug. Er zelebriert deshalb mit großer Gelassenheit »Nuhr die Ruhe«. So lautet der Titel seines aktuellen Programms, mit dem er am Samstag in der nahezu ausverkauften Wetzlarer Rittal-Arena zu Gast war. Seinen rund 3900 Zuhörern machte er klar, dass all die rastlosen Leute, die dem »Coffee-to-go« und via MP3-Player der »Musik-to-go« frönen, nichts gegen das ist, was uns eigentlich gern in Angst und Schrecken versetzten möchte: Da wird die Schweinegrippe - der borstige Tod in rosa - als die »schlimmste Bedrohung seit dem großen Schnupfen von 1975« belächelt.

Wie sieht es da in islamischen Ländern aus, fragt sich Nuhr, ob da dann die Lammgrippe oder Dönergrippe grassiere. Auch mag sich der Comedian nicht mehr ständig aufregen, etwa über die zig überlebten durch Waldsterben, Borkenkäfer, Ozonloch oder Rinderwahnsinn prophezeiten Weltuntergänge.

Deshalb teilt er mit gewohnt schelmischem Grinsen, beruhigendem Tonfall und treffsicheren Pointen gegen die pessimistische Grundstimmung im Land aus. Dabei kommt er wie so oft von einem zum anderen, vom Mundgeruch zu Vertreibungstaktiken für Maulwürfe, vom Commerzbankturm zum Minarett-Verbot in der Schweiz.

Das Publikum versteht seine witzig verpackten, aber eigentlich kritischen Attacken nur all zu gut und kugelt sich vor Lachen, trotz der Erkenntnis, dass »wir die positive Weltsicht den Geisteskranken und den Volksmusikanten überlassen« haben.

Selbst wenn das vergangene Jahr so einiges zu bieten hatte, schweift Nuhrs Blick auch noch weiter zurück. Das beginnt beim Aussterben des Neandertalers, der dem Homo sapiens eigentlich in punkto Intelligenz überlegen war. Aber auch heute bewahrheite sich immer wieder, dass »die Doofen oft die Pragmatischen sind«, denn die Keule helfe heute häufig eher als der Hochschulabschluss. Raunende Zustimmung im Saal.

Doch mit Politikern möchte Nuhr nicht tauschen, denn die müssten sich ja mit den ganzen Bekloppten herumschlagen. Lieber wäre ihm eine repräsentative Funktion: »Ich würde gern als Bundespräsident kandidieren«. Dann aber gegen Gesine Schwan, damit er auch eine reelle Chance habe, frotzelte Nuhr.

Der Düsseldorfer Kabarettist kommt auf der Bühne ohne großes Tamtam aus. Leinwänden, Effekthascherei und überschwängliche Gestik und Mimik setzt er seine bloße ruhige, smarte Art entgegen. Hier ist oft Grips und Konzentration gefragt, um die bissigen Pointen einfangen zu können. Bei der Publikumsfragerunde, die er als Zugabe einläutet, bewies er Spontaneität und Schlagfertigkeit. Auf Grund der großen Nachfrage kehrt Nuhr mit diesem Programm in gut einem Jahr, im Januar 2011 nach Wetzlar zurück.

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