Hermann Otto Solms zieht zufrieden Bilanz. FOTO: BF
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Hermann Otto Solms zieht zufrieden Bilanz. FOTO: BF

"Ich habe mein Ziel erreicht"

  • vonGerd Chmeliczek
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Berlin/Lich- Am Donnerstagabend kündigte Dr. Hermann Otto Solms das Ende einer Ära in der FDP an. Der Bundesschatzmeister wird beim Parteitag im September seinen Posten abgeben - ein Amt, das der Ökonom aus Lich mit Unterbrechungen seit 1987 innehatte. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert der 79-Jährige seine Beweggründe.

Herr Solms, Sie sind seit 26 Jahren Bundesschatzmeister der FDP. Im September soll damit Schluss sein. Warum?

Nun, der Parteitag der FDP ist in diesem Jahr durch die Corona-Krise vom April auf den 19. September verschoben worden. Ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl ist ein guter Zeitpunkt, um meine Nachfolge in diesem Amt zu klären. Schließlich werde ich zur Wahl nicht mehr antreten. Darüber hinaus hat die Bundespartei Mitte des Jahres die seit 1999 andauernde Überschuldung überwunden. Das war mein Ziel als Schatzmeister und das habe ich erreicht.

Sie bleiben als Bundestagsabgeordneter in Berlin. Und um Ihren Nachfolger einzuarbeiten?

Ich werde natürlich bei der Einarbeitung zur Verfügung stehen und helfen, wo ich helfen kann. Darüber hinaus nehme ich meine Aufgaben als Abgeordneter selbstverständlich uneingeschränkt wahr.

Und wer folgt Ihnen auf den Posten des Bundesschatzmeisters?

Christian Lindner wird am Montag einen Vorschlag machen.

Sie waren insgesamt dreimal Bundesschatzmeister...

Ja, immer wenn Not am Mann war, wurde ich gerufen. Jetzt ist aber Schluss (lacht). Ein Arbeitsleben bis 80 ist schön, und das habe ich mir gewünscht. Aber alles hat seine Zeit.

Was mögen Sie am Amt des Schatzmeisters ganz besonders?

Die Aufgabe wird gerne unterschätzt. Es geht nicht nur um die Finanzen, es geht um die Struktur und um die Zusammenarbeit innerhalb der Truppe. Parteien sind von unten nach oben aufgebaut. Vom Orts- bis zum Bundesverband. Und das müssen sie so strukturieren, dass man als Gesamtpartei mit einem einheitlichen Profil auftritt. Nur so kann man die Parteifinanzen gerecht unter den verschiedenen Ebenen regeln. Das haben wir geschafft.

Welche Zeit war besonders schwer, welche besonders schön?

Oftmals sind die schwersten auch die besten Zeiten - im Nachhinein betrachtet. Die anspruchsvollste Periode war die der deutschen Einheit. Da war ich Fraktionschef. Wir mussten zwei vollkommen verschiedene Systeme zusammenbringen. Das war eine große Herausforderung. Extrem arbeitsintensiv, aber trotz einiger Fehler im Ergebnis erfolgreich.

Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Nachfolger?

Die politische Landschaft hat sich verändert. Mit sechs Fraktionen und sieben Parteien, wenn man die CSU als eigenständig betrachtet. Da kommt der FDP eine ganz zentrale Aufgabe zu: Wir müssen die Politik zur Mitte hin führen, um zu verhindern, dass sie nach rechts oder links ausschert.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Berlin?

Als Arbeitnehmer werde ich mich sicher nicht mehr bewerben (lacht). Ich schreibe meine Erinnerungen auf. Eine Biografie mit dem Schwerpunkt auf meinem politischen Leben. Ich denke, dass das Buch im kommenden Jahr erscheinen wird. Das ist eine schöne, aber teilweise auch mühevolle Aufgabe. Danach: Wer weiß? Es gibt auch ein Leben nach der Politik. G. Chmeliczek

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