1. Gießener Allgemeine
  2. Hessen

Humedica-Ärzteteam blickt auf 15-jähriges Bestehen zurück

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Gießener Internist Professor Heiner Laube beim Einsatz in Äthiopien. 	(Foto: bf)
Der Gießener Internist Professor Heiner Laube beim Einsatz in Äthiopien. (Foto: bf) © Lothar Rühl

Wetzlar (ür). Das christliche Humedica-Ärzteteam blickt auf sein 15-jähriges Bestehen zurück. Der Initiator, der Albshausener Mediziner Georg Müller, nutzte die Jahrestagung des Teams, um Zwischenbilanz zu ziehen. Auch Humedica selbst feiert Jubiläum: Das christlich-humanitäre Hilfswerk wurde vor 35 Jahren ins Leben gerufen.

Auf Bitten des Humedica-Leiters Wolfgang Groß aus Kaufbeuren bei Augsburg waren Georg Müller und zwei weitere Mediziner 1999 nach Bogota aufgebrochen, um Menschen zu versorgen. »Damals haben wir die Medikamente noch in Kartons transportiert«, erinnert sich Müller. Heute gehören dem Team rund 600 Mediziner, Pflegekräfte und Koordinatoren an. Sie haben hunderten Menschen das Leben gerettet und tausenden Patienten in Krisengebieten schnelle medizinische Hilfe geleistet.

Das Ziel des Ärzteteams ist eine weltweite medizinische Soforthilfe im Katastrophenfall. Zusätzlich zu den Notärzten und Rettungssanitätern, die möglichst innerhalb von 24 Stunden bereitstehen, werden auch langfristige Aktionen verfolgt. Dazu zählt neben Reihenuntersuchungen von Allgemein-, Zahn- und Kinderärzten in chronisch unterversorgten Gebieten der Aufbau von Kindergärten, Schulen und Tagesstätten.

Beim Wiederaufbau dabei

Im vergangenen Jahr waren die Teams in Ã"thiopien, Irak, Libanon und auf den Philippinen im Katastropheneinsatz sowie zu medizinischen Hilfen in Gefängnissen in Liberia, Nepal und im Sudan. Müller berichtete, dass der Außenminister von Togo, Prof. Robert Dussey, während eines Besuchs in Berlin Humedica eingeladen hat, gemeinsam mit Ärzten und Pflegekräften aus Togo in Armutsgebieten medizinische Einsätze durchzuführen.

Rund 70 Team-Angehörige sowie Mitglieder des Humedica Forums Hessen trafen sich in den Räume von ERF Medien in Dalheim, um die Einsätze des vergangenen Jahres zu reflektieren und für 2014 weitere zu planen. Unter den Teilnehmern waren der Gießener Internist Prof. Heiner Laube, die Ärzte Dr. Margrit Wille (Ehringshausen) und Dr. Dieter Troschke (Wetzlar) sowie die Pflegekräfte Hartmut und Karin Uebach (Laufdorf) und Esther Waßmuth (Oberquembach).

Steffa Waffenschmidt aus der Humedica-Zentrale berichtete über die Einsätze nach dem Taifun Hajyan auf den Philippinen.

Als der Wirbelsturm am 8. November auf das Festland traf, hat Humedica ein Ärzteteam zusammen gestellt, das noch am Folgetag vor Ort eintraf. Damit war das Team etwa vier Tage vor den großen Hilfswerken in Tacloban und konnte Menschenleben retten. Ein Nebeneffekt war, dass die deutschen Helfer nahezu täglich im Fernsehen gezeigt wurden und viele Spendengelder erhielten. Damit sei die Organisation nun in der Lage, nach der Akuthilfe auch Wiederaufbauprojekte zu unterstützen.

Zum ersten Team, das auf den Philippinen eintraf, gehörte Margrit Wille. Sie berichtete, dass sich das Team in der ersten Woche nur von Keksen und mitgebrachten Wasserflaschen ernährt habe. Eigentlich wollten die deutschen Helfer mitten im Katastrophengebiet in mitgeführten Zelten übernachten. Doch eine Filipina stellte ihnen ihr Haus zur Verfügung.

Paten für Familien

Bis heute hat Humedica 60 deutsche Ärzte, Pflegekräfte und Koordinatoren in Tacloban im Einsatz gehabt. Das am 15. November übernommene Krankenhaus »Mother of Mercy Hospital« wird weiterhin durch Ärzte unterstützt. Noch heute stellen sich täglich 80 bis 100 Patienten vor. Zudem finanziert die deutsche Hilfsorganisation die Arbeit der einheimischen Mediziner, damit bedürftige Filippinos weiterhin Hilfe finden. In Zukunft will Humedica über Familienpatenschaften Betroffenen helfen, sich eine neue Existenz und ein Haus aufzubauen.

Maren Walter gab einen Bericht über die Hilfe auf Haiti. Vor vier Jahren sorgte ein Erdbeben für eine riesige Naturkatastrophe. Noch immer leben 146 000 Menschen in 271 Notfallcamps. Im vergangenen Jahr habe es 58 600 Fälle von Cholera mit vielen Toten gegeben. Nach der Akuthilfe hat Humedica Projekte zum Wiederaufbau gestartet. So unterhält man eine Prothesen- und Orthesenwerkstatt und eine Physiotherapie.

Susanne Merkel, zuständig für internationale Hilfen, stellte die für 2014 geplanten Einsätze vor. Es werden Mediziner gesucht für die Unterstützung des Krankenhauses in Tacloban. Weiterhin will Humedica Syrien-Flüchtlingen in der Bekaa-Ebene im Libanon beistehen. In Uganda werden Flüchtlinge aus dem Südsudan versorgt. Auch in Äthiopien geht es um Flüchtlinge. Hier werden Gynäkologen, HNO-Ärzte und Zahnärzte gesucht, die mindestens drei Monate dorthin gehen. Erneut ist ein Einsatz unter dem Stamm der Karas im südlichen Äthiopien geplant, der heute noch wie in der Steinzeit lebt.

Außerdem werden Helfer für ein Krankenhaus in Indien an der Grenze zu Nepal sowie Allgemeinmediziner und Gynäkologen für ein Krankenhaus in Uganda gesucht. Gemeinsam mit der Organisation Prison Fellowship International sind Gefängniseinsätze im Togo, Uganda und im Sudan geplant.

Gießener Mediziner unterstützt Libanon-Mission Kampf ums Überleben auf den Philippinen Gießener Mediziner hilft Urstammbewohnern in Äthiopien

Auch interessant

Kommentare