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HR3-Open-Air: Feinste Live-Unterhaltung

(sgl). Fünfeinhalb Stunden Live-Musik bei bestem Frühsommerwetter: Rund 15 500 Besucher aller Altersschichten waren am Samstag beim HR3-Open-Air in der Hessentags-Arena in Herborn. Mit Christina Stürmer, Revolverheld und Rea Garvey gab es gleich drei erfolgreiche Acts der deutschsprachigen Musikszene zu sehen und zu hören.

Höhepunkt des Abends war der Auftritt des irischen Sängers Rea Garvey. Für ihn war der Hessentag in Herborn quasi ein Heimspiel, ist der Ire doch bereits vor vielen Jahren in der erweiterten Nachbarschaft sesshaft geworden. Mit seiner Frau Josephine lebt er heute in Hadamar bei Limburg. "Ich musste erst nach Hessen kommen, um meine Frau zu finden" witzelte er in seinem typisch irischen Akzent. Seiner Musik geschadet hat das nicht und auch Garveys Songs merkt man an, dass die irischen Männer gerne "über Liebe schreiben, besonders über die verlorene". Seine Liebe hält zwar schon seit 2002, dennoch ist Rea Garvey bei den emotionalen Songs am stärksten. Das Set: Eine energiegeladene Rockshow eines gut gelaunten und stimmlich starken Sängers mit einer versiert aufspielenden Band und einer Lichtshow im Regenbogendesign. Gepaart werden die meist rockigen Songs, die mit eingängigen Hooklines punkten, mit folkig anmutenden Liedern, die deutlich an die Musik aus Reas irischer Heimat und seine ersten Jahre in Deutschland als Straßenmusiker erinnern. So ist die folkig-fluffige Ballade "Oh, my love" eine der stärksten Nummern im Set. Doch auch ruhige, feine Töne gibt es, die von Garveys kraftvoller Stimme leben.

"Colour me in" erinnert im Live-Arrangement stark an die britischen Kollegen von Coldplay und punktet mit einem tribal-artigen Trommel-intro. Bei "Love someone" nimmt der sympathische Ire ein Bad in der Menge – die weiblichen Fans in den ersten Reihen sind außer sich. Stampfend und gut gelaunt kommt "Can’t say no" daher, und natürlich gibt es mit dem großen Hit "Supergirl", jenem Song der Garvey und seiner damaligen Band Reamonn den großen Durchbruch bescherte, auch einen Blick zurück.

Eröffnet hatte den Abend die sympathische Österreicherin Christina Stürmer, die sich mit dem Konzert auf dem Hessentag in eine einjährige Babypause verabschiedete. Dass Stürmer bereits im sechsten Monat schwanger ist, sieht man ihr zwar an, der positiven Live-Energie der Linzerin tat das aber keinen Abbruch. Routiniert rockte Stürmer mit ihrer Band durch den Reigen ihrer eingängigen Pop-Rock-Songs, alle Hits wie "Nie genug", "Millionen Lichter" oder die Ballade "Was wirklich bleibt" im Gepäck. In Anlehnung an ihre Zeit bei der erfolgreichen TV-Show "Sing meinen Song" gab es auch noch eine Rockversion vom Prinzen-Klassiker "Alles nur geklaut" auf die Ohren.

Im Mittelpart ging es deutlich ruhiger zu. Die Bremer Band "Revolverheld" präsentierte ihr eigens für die Erfolgsshow "MTV Unplugged" neu arrangiertes Akustikset. Statt im gewohnt seichten Radio-Popgewand bekommen die Titel von Johannes Strate und seinen Bandkollegen hier neue Anstriche – seien es Streicherarrangements wie beim Durchbruch-Hit "Freunde bleiben" oder Gastauftritte von der befreundeten Sängerin Rachel ("Spinner") oder den beiden musikalischen Mitstreitern an jenem Tag. Rea Garvey performte die Freundschafts-Hymne "Das kann uns keiner nehmen" mit den Revolverhelden, Christina Stürmer übernahm Marta Jandovas Part bei der Ballade "Halt Dich an mir fest". Glanzpunkte setzte vor allem Trompeter Benny Brown, der Songs wie "Immer in Bewegung" mit knackigen und wohlklingenden Soli deutlich aufpeppte.

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