Homeoffice

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Es ist ja nicht so, dass mir das Thema Homeoffice fremd wäre. Ich schreibe und arbeite seit jeher in der Regel von zu Hause aus und kenne daher auch in allen Schattierungen die nicht immer leichte Herausforderung der Selbststrukturierung. Jedenfalls musste auch ich mühsam lernen, dass es für den Arbeitsprozess nicht unbedingt förderlich ist, bis mittags im Schlafanzug mit Laptop auf dem Schoß auf dem Sofa zu liegen und zwischen dem Beantworten von Mails und dem Schreiben einer halben Romanseite parallel dazu Müsli zu essen, Musik zu hören, Gitarre zu üben, sich über soziale Netzwerke zu ärgern und die "Walking Dead"-Folge vom Vorabend zu Ende schauen.

Ich fand tatsächlich heraus, dass es besser ist, die Dinge nacheinander zu tun, und zwar in würdevollem Outfit. Ja, das musste ich lernen, und daher dachte ich nun, ich hätte das inzwischen endgültig und für immer im Griff. Doch dann kam Corona!

Nun mache ich wieder alles so, wie gerade geschildert. Mit dem Unterschied, dass ich zusätzlich nun auch noch den Nachrichtensender Phoenix in Dauerschleife laufen lasse, um keine der täglichen Update-Live-Pressekonferenzen zu verpassen. Lothar H. Wieler vom Robert-Koch-Institut ist so etwas wie mein bester Freund geworden. Ich vertraue ihm. Seine Stimme ist mir inzwischen vertrauter, als die meiner Frau. Wenn ich mich schon nicht mehr auf Eintracht-Frankfurt-Spiele freuen darf, dann fiebere ich eben dem nachmittäglichen Podcast mit Christian Drosten entgegen.

Sie merken, auch ich bin etwas durcheinander mit all diesem Kram. Meine Auftritte für die nächsten Wochen wurden abgesagt oder verschoben, und auch sonst habe ich keine beruflichen Termine mehr zu absolvieren. Mein Berufsstand belegt nun einmal auf der Rangliste der Systemrelevanz einen der letzten Plätze. Das muss man erst mal verkraften. Theoretisch hätte ich eigentlich nun also alle Zeit der Welt, drei Romane und vier Bühnenprogramme auf einmal zu schreiben.

Nichts leichter als das, nur blöd, dass diese dann alle nur ein Thema hätten: Corona. Das könnte auf Dauer dann doch auch etwas langweilig werden. Für alle. Es ist nämlich durchaus vorstellbar, dass, wenn diese Krise irgendwann überstanden sein wird, sich viele danach sehnen werden, sich endlich wieder mit anderen Themen zu beschäftigen. Zum Beispiel mit achtsamer Wassergymnastik an der Poolnudel.

Doch bis dahin wird es leider noch ein wenig dauern. Wie lange, das weiß keiner, und das macht die Sache nicht leichter. Für keinen von uns. Ich hoffe trotzdem, dass wir alle, jeder in seinem ganz eigenen Bereich, in den nächsten Wochen uns in der Lage sehen, Geduld und Nerven zu bewahren. Ob beim Einkaufen, beim Arzt, mit der Familie in Quarantäne oder eben im Homeoffice. Bleiben Sie gesund!

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor.

www.dietrichfaber.de

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