Hohe Strafe: Ex-Beamter griff für Luxus in die Stadtkasse

Marburg (dpa/dapd). Teure Autos, Feriendomizil, Gold: Ein ehemaliger Beamter der Stadt Marburg ist zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er fast eine Million Euro städtisches Geld in die eigene Tasche gesteckt hat.

Die Wirtschaftsstrafkammer des Marburger Landgerichts verurteilte den geständigen 54-Jährigen am Dienstag wegen gewerbsmäßiger Untreue in 120 Fällen. Nach Feststellung der Richter hatte er zwischen Januar 2006 und Dezember 2010 als einziger Sachbearbeiter der Beihilfestelle 960 000 Euro abgezweigt.

In der Stelle werden Anträge von Beamten für Krankenkostenzuschüsse bearbeitet. Nur durch Zufall waren die Taten des 54-Jährigen im Januar aufgeflogen, weil es einen Buchungsfehler bei einer Überweisung gab. Mit dem ergaunerten Geld leistete er sich einen sehr aufwendigen Lebensstil mit Immobilien, einer Oldtimer-Sammlung, teuren Uhren, einer Goldmünzensammlung, einer Ferienwohnung und hohen Konsumausgaben. Mittlerweile lebt der 54-Jährige von Hartz IV. Der Beamte hat zudem seine Pensionsansprüche verloren.

Der ehemalige Beamte legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab und entschuldigte sich: "Ich kann es nicht rückgängig machen, aber ich will daran mitarbeiten, es weitgehend zu heilen." Er sei in eine Teufelsspirale geraten und nicht wieder herausgekommen. Der Anklagevertreter hatte fünf Jahre Gefängnis gefordert, die Verteidigung eine Haftstrafe dreieinhalb Jahren.

Geld war relativ leicht abzuzweigen

Der Vorsitzende Richter sagte in der Urteilsbegründung nach knapp vier Stunden Verhandlung: Es sei für den Mann relativ leicht gewesen, das Geld abzuzweigen. Er wurde nach Abschaffung des Vieraugenprinzips an seinem Arbeitsplatz nicht kontrolliert. Zuvor waren die Belege von einem weiteren Mitarbeiter überprüft worden. Der Anklagevertreter sprach von Organisationsdefiziten bei der Stadt. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Mann schon um das Jahr 2000 herum begann, Krankheitsfälle zu erfinden und das Geld auf eigene Konten umzuleiten. Meist zweimal im Monat überwies er Tausende Euro an sich selbst. Insgesamt soll er so 1,6 Millionen Euro veruntreut haben. Viele Taten sind verjährt. Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht, dass er bereits früh ein Geständnis abgelegt hatte und sich um Schadenswiedergutmachung bemüht. Der Angeklagte erklärte die Taten mit einer "Teufelsspirale". Ursprünglich habe er sich nur einmal einen Vorschuss gewähren wollen, den er später wieder verrechnen wollte. Doch dann habe sich sein Vorgehen "verselbstständigt", sagte er vor Gericht: "Die Bodenhaftung war völlig weg."

Die Stadt Marburg versucht, zumindest einen Teil des veruntreuten Geldes wieder einzutreiben. Die Kommune hat Zugriff auf das Vermögen ihres ehemaligen Beamten. Nach Angaben des städtischen Justiziars hat sich die Stadt bislang etwa 200 000 Euro zurückholen können.

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