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Hoffen auf feuchten Mai

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Sonne pur, seit Wochen fast kein Regen. Nach zwei Dürrejahren droht erneut ein trockener Sommer. Für die Landwirtschaft eine Horrorvorstellung. Die Bauern setzen jetzt auf einen feuchten Mai.

Den Landwirten droht das dritte Jahr mit Frühjahrstrockenheit in Folge. Gerade jetzt, wo Feuchtigkeit für das Wachstum von Getreide, Raps und anderen Feldfrüchten enorm wichtig wäre, strahlt die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Etwas, aber nicht genug Nass von oben brachte das nachösterliche Wochenende in einigen Regionen Hessens.

Dabei schien der Jahresstart in dieser Hinsicht für die Bauern eigentlich vielversprechend. "Es gab keine extremen Kahlfröste, unter denen die Kulturen gelitten haben. Und wir haben mehr Winterniederschläge gehabt als letztes oder vorletztes Jahr", sagt Peter Voss-Fels, Generalsekretär des hessischen Bauernverbandes. Zugleich schränkt er aber auch ein: Der Boden hat in den vergangenen zwei Jahren an Porenvolumen verloren und ist so verdichtet, "dass er gar nicht in der Lage war, so viel Winterwasser aufzunehmen, wie er das könnte, wenn wir normale Jahre hätten". Deshalb könne man eher von "geteilter Freude" sprechen, denn es konnten nicht so viel Reserven gebildet werden, wie nötig gewesen wäre. Diese "nutzbare Feldkapazität sei auch abhängig von der Bodengüte. "Der Löss ist natürlich der beste Boden, der kann das am besten speichern. Sandboden kann am wenigsten speichern."

Wasserbedarf noch nicht so hoch

Aktuell sehe es so aus: Mitte März habe der Regen schlagartig aufgehört, mit Ausnahme des vergangenen Wochenendes, an dem es hier und da geregnet habe: im Gießener Raum ein paar Millimeter, in Osthessen gar nichts, in Nordhessen auch teilweise nur ein paar Millimeter.

"Bei diesem extremen Nordostwind, den wir jetzt hatten und der extremen Sonneneinstrahlung ist das natürlich schneller weg als es runtergefallen ist", sagt Voss-Fels. "Trotzdem ist es besser als gar nichts."

Die Folge: Das Wintergetreide leidet, weil die notwendigen Nährstoffe nicht mehr zu den Wurzeln transportiert werden. Allerdings sei der Wasserbedarf dieser kleinen Pflanzen noch nicht so hoch. Aber dieser Bedarf nehme wöchentlich zu.

Ganz anders sehe es beim Raps aus, der schon anderthalb Meter hoch sei und heftig blühe. "Gerade der Raps hat in dieser Blütezeit einen sehr sehr hohen Wasserbedarf, der stark ertragsbildend ist. Die Schoten würden dann größer und bildeten mehr Körner. Ohne ausreichend Wasser nehme auch die Verzweigung der Blütenknospen ab. "Der Raps hat durch die Trockenheit mehr ertragswirksamen Stress", stellt Voss-Fels fest.

Gravierend sei die Situation auch beim Grünland. Der erste Schnitt stehe eigentlich Ende April bevor. Dieser sei auch der ertragreichste. Das Gras sei aber bisher nicht ausreichend gewachsen, sodass mit über 50 Prozent Ausfall beim ersten Schnitt zu rechnen sei.

Da es jedoch bei Grünland drei bis vier Schnitte pro Jahr gebe, könne noch etwas ausgeglichen werden. "Aber da ist zwingend Wasser notwendig, was überhaupt nicht in Sicht ist."

Etwas besser sehe es bei den Rüben und beim Sommergetreide aus, das im Frühjahr gesät wird. "Wenn es der Bauer geschafft hat, das noch in den feuchten Boden reinzukriegen und es keimt, hat er auch gewonnen. Der Mais hingegen werde erst ausgebracht, wenn der Boden eine ausreichende Temperatur habe. Das sei bisher eher noch nicht der Fall gewesen.

Die Getreidesorten würden infolge der Trockenheit und der starken Sonneneinstrahlung die Entwicklungsstadien schneller durchlaufen. "Ob das nun gut oder schlecht ist, das lässt sich noch nicht sagen", meint der Verbandsgeschäftsführer.

Aber: "Der Mai ist ganz entscheidend, wie es mit dem Getreide weitergeht. Der Mai kann noch einiges retten." Ausreichend Regen könne dann eine zu frühe Erntenotwendigkeit verhindern. "Eine frühe Ernte ist noch lange keine gute Ernte." Sollte es aber auch im Mai, dem Hauptwachstumsmonat, trocken bleiben, nehme der Stress für die Pflanzen zu. Das werde sich beispielsweise in der Wetterau aufgrund der guten Bodenqualität nicht so früh auswirken wie in den Mittelgebirgslagen. "Wenn der Mai aber so trocken wird wie der April, dann wäre das eine Katastrophe", stellt Voss-Fels klar.

Die Folgen wären am Ende höhere Preise für die Verbraucher bei Milchprodukten, Fleisch oder Backerzeugnissen. Denn weniger Grünfutter für die Tiere führe einerseits zu weniger Ertrag bei der Milchleistung oder zu höheren Kosten für den Landwirt, der Futter zukaufen müsste.

Eine Nahrungsmittelknappheit befürchtet der Experte nicht, da Engpässe in der Regel vom Weltmarkt ausgeglichen werden könnten. Dies geschehe dann aber zeitversetzt und sorge für höhere Preise.

Auch wenn bei der aktuellen Wetterlage nicht damit zu rechnen ist: "Die Bauern brauchen jetzt einen schönen, milden Landregen. Die Voraussetzung für ein gescheites Wachstum sind Niederschläge. Vier, fünf Tage ergiebige Niederschläge - und dann kann es wieder schön werden", sagt Voss-Fels. FOTO: DPA

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