Höhenflug hält weiter an

  • vonGerd Chmeliczek
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Nürnberg (dpa/gäd). In Deutschland waren im November so wenige Menschen arbeitslos wie zuletzt vor 25 Jahren. Lediglich im Frühjahr 1991 hatte die Zahl der Erwerbslosen noch etwas niedriger gelegen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im November 2,532 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das sind 8000 weniger als im Oktober und 101 000 weniger als vor einem Jahr, wie die Behörde gestern in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent zurück. Rechnet man Jobsucher hinzu, die Trainingsmaßnahmen und Berufsfortbildungskurse absolvierten, waren im November bundesweit allerdings 3,517 Millionen Menschen auf Arbeitssuche. Das waren 41 000 mehr als vor einem Jahr, berichtete Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise. Für den Anstieg sorgten vor allem Flüchtlinge; viele von ihnen befänden sich derzeit noch in Förderkursen.

Dennoch ist nach Weises Einschätzung der deutsche Arbeitsmarkt weiter robust; auch die Aussichten seien günstig. Weise geht – entgegen der Prognose von Wirtschaftsweisen und Bankvolkswirten – für 2017 weiter von einer leicht sinkenden Arbeitslosigkeit aus. Im Jahresdurchschnitt rechnet er mit 2,62 Millionen Jobsuchern. Das wären rund 70 000 Erwerbslose weniger als voraussichtlich in diesem Jahr. Nicht überbewertet werden sollte nach seiner Ansicht die leichte Flaute beim Stellenangebot. Von einer Trendwende könne keine Rede sein. Laut den aktuellsten Zahlen vom September war die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in dem Monat erstmals seit Längerem saisonbereinigt etwas gesunken – um 6000. Auswirkungen des Flüchtlingsstroms Unterdessen werden nach Einschätzung der Bundesagentur "die Auswirkungen der Fluchtmigration auf dem Arbeitsmarkt zunehmend sichtbar". So waren bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern im November 406 000 arbeitssuchende Flüchtlinge registriert; 160 000 davon sind als arbeitslos erfasst. Die Übrigen würden noch in Kursen auf den Alltag und das Berufsleben in Deutschland vorbereitet. Die Zahl der erwerbslosen Flüchtlinge stieg binnen Jahresfrist um mehr als 80 000. Zugleich fanden aber seit Dezember 2015 rund 34 000 Flüchtlinge eine Stelle. 268 000 hätten seitdem Sprach- und Berufsvorbereitungskurse absolviert. Der hessische Arbeitsmarkt steuert derweil nach einem goldenen Herbst für 2017 auf Bestwerte zu. Die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnen sowohl mit einem weiteren Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung als auch mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen. In der Prognose wird für nächstes Jahr ein durchschnittlicher Bestand an Arbeitslosen von 167 700 vorhergesagt. Das wären nochmals 2,8 Prozent weniger als die 172 500, die für das laufende Jahr erwartet werden und der niedrigste Stand seit 1992. Im November hielt die robuste Konjunktur den hessischen Arbeitsmarkt auf Kurs. 163 791 Frauen und Männer waren arbeitslos gemeldet. Das waren 1865 weniger als im Oktober und 3418 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote blieb konstant bei 5,0 Prozent. Keine Veränderungen gab es in der Gruppe der Ausländer. "Mittlerweile haben 18 Prozent aller arbeitslosen Ausländer einen Fluchthintergrund. Diese Personengruppe hat neben dem Spracherwerb einen hohen Qualifizierungsbedarf", erklärte gestern der Leiter der Regionaldirektion, Frank Martin. Niedrigster Stand bei der Anzahl der Erwerbslosen seit Beginn der Neunzigerjahre – so lautet die Bilanz für Mittelhessen. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen waren im November 17 456 Menschen arbeitslos gemeldet, 225 weniger als im Vormonat. Die aktuelle Quote liegt bei 4,9 Prozent, unverändert im Vergleich zu Oktober. Im November des Vorjahres waren noch 701 Arbeitslose mehr gemeldet. Die Quote lag seinerzeit bei 5,1 Prozent. "Der Arbeitsmarkt in Mittelhessen hat sich weiter positiv entwickelt. Die Anzahl der Arbeitslosen ist gesunken, Erwerbstätigkeit und Beschäftigung haben weiter kräftig zugenommen", kommentiert Eckart Schäfer, Leiter der Arbeitsagentur Gießen, die aktuellen Zahlen von November. "Es konnten wieder alle Personengruppen vom Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren und es gibt keine Anzeichen für eine Abschwächung in den nächsten Wochen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften wird in Verbindung mit dem Weihnachtsgeschäft eher noch weiter steigen." Stärkster Rückgang im Kreis Gießen Der Landkreis Gießen profitierte vom Rückgang der Arbeitslosigkeit am stärksten, teilt die Agentur mit. Im Kreis Gießen waren im November 8269 Menschen erwerbslos gemeldet, 193 Arbeitslose weniger gegenüber dem Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 auf nun 5,9 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 6,3 Prozent. Im Wetter-aukreis ist die Zahl der Arbeitslosen im November um 33 Personen auf jetzt 6914 gesunken. Die Quote blieb unverändert bei 4,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 550 Erwerbslose weniger gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 4,6 Prozent. Im Vogelsbergkreis ist im November die Zahl der Erwerbslosen minimal gestiegen. 2273 Personen waren arbeitslos gemeldet, eine Person mehr als noch im Oktober. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,0 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 298 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,4 Prozent.

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