Vor rund einem Jahr sorgten im nordhessischen Wildpark Knüll entlaufene Wölfe mehrere Wochen für Aufregung. FOTO: DPA
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Vor rund einem Jahr sorgten im nordhessischen Wildpark Knüll entlaufene Wölfe mehrere Wochen für Aufregung. FOTO: DPA

Hochsicherheitstrakt für Ausbrecher

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Vor einem Jahr büxten zwei Wölfe aus einem Gehege in Nordhessen aus. Der Wildpark sorgte ungewollt für Aufsehen. Ein Jahr danach hat sich die Aufregung gelegt. Für den Wildpark war es ein besucherstarkes Jahr - trotz des Ausbruchs auch mit positiven Effekten.

Wenn Wölfe lesen könnten, könnte ihnen Wildparkleiter Wolfgang Fröhlich ein Schild ins Gehege stellen. Aufschrift: Ausbruchsversuche sind zwecklos! Denn das Gehege im Wildpark Knüll in Nordhessen gleicht mittlerweile einem Hochsicherheitstrakt für Tiere. Den Vergleich zum berühmten Fort Knox hört Fröhlich zwar nicht so gern. Aber die Maßnahmen mit Zäunen und Strom sind schon massiv. Bald soll sogar noch eine Videoüberwachung eingebaut werden. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es zwar nicht. Aber wir sind uns sicher, dass wir sehr viel dafür getan haben, dass hier kein Wolf mehr entwischt", sagt Fröhlich, als er am Gehege einen Kontrollbesuch macht.

Die Vorkehrungen kommen nicht von ungefähr. Denn vor einem Jahr sorgten die Wölfe in Homberg/Efze (Schwalm-Eder-Kreis) deutschlandweit für Schlagzeilen und ungewollte Prominenz: Zwei von ihnen - Darius und Cleo - brachen aus dem Gehege aus. "Das war ein schwerwiegender Vorfall. Ein Super-GAU. Ich habe in meinem Berufsleben fast nichts Schlimmeres erlebt", erklärte Wildparkleiter Fröhlich im Rückblick, nun ein Jahr danach.

Der Wildpark und der Landkreis als Betreiber mussten - begleitet von reichlich Medienrummel im Januar 2019 - erklären, was eigentlich nicht sein darf.

Wie können solche Raubtiere ausbüxen? Details lassen sich nicht mehr rekonstruieren, aber es gelang den Wölfen durch Strom- und Maschendrahtzaun in den Park zu gelangen. Einer wurde dort recht schnell erschossen, weil er drohte bei anderen frei im Park lebenden Wildtieren Panik auszulösen. Das hätte sehr gefährlich werden können. Dem anderen Wolf gelang sogar die Flucht aus dem Park. Wochenlang wurde er gesucht. Am Ende wurde er überfahren in Baden-Württemberg gefunden.

Damit sich ein Wolfsausbruch möglichst nicht wieder ereignet, hat der Landkreis in die Sicherheit des Geheges investiert. Kosten: rund 46 000 Euro für verbesserte Zäune und die Kameraüberwachung. "Ob sich die Maßnahmen rentieren, können wir aufgrund der aktuellen Situation nicht sagen", teilte der Landkreis mit. Momentan herrsche Ruhe im sieben Tiere umfassenden Rudel. Ausbruchsversuche habe es seit dem vergangenen Winter nicht mehr gegeben, erklärte Fröhlich. Damals habe wohl erhöhter Stress im Rudel geherrscht. Deswegen habe sich das Rudel anders verhalten und zwei Tiere suchten das Weite.

Finanziell geschadet haben die Ausbrecher-Wölfe dem Wildpark aber offenbar letztlich nicht. Denn im vergangenen Jahr kamen 7500 Besucher mehr im Jahresverlauf. Am Jahresende waren es rund 82 500. "Das war der siebtbeste Wert seit dem Bestehen des Parks im Jahr 1968", weiß Fröhlich beim Blick in die Statistiken zu berichten. Aus welchem Grund mehr Gäste kamen, lasse sich allerdings nicht mehr genau ergründen, betonte er. Schließlich kamen 2019 auch drei Bären-Babys zur Welt. Aber unter dem Strich standen um zehn Prozent gestiegene Umsätze, wie der Landkreis mitteilte.

Der Schwalm-Eder-Kreis bilanzierte: "Es scheint tatsächlich zu einem höheren Bekanntheitsgrad geführt zu haben. Es sind auch Besucher aus Bereichen gekommen, die nicht in unserer Nähe liegen." Das sehr große, über Wochen anhaltende Medieninteresse wegen der entlaufenen Wölfe habe sicherlich zu einer Steigerung beigetragen.

Einige Wochen später kam es im vergangenen Winter gleich zum nächsten Zwischenfall. Luchse konnten aus einem Gehege entkommen. Nach einem Sturm spazierten sie über einen beschädigten Zaun in den Park. Eine gesunde Buche war durch den Wind umgedrückt worden und hatte den Gehegezaun beschädigt. Doch die Tiere konnten bewegungsunfähig gemacht und zurückgebracht werden.

Wenn es bei den Wölfen künftig Zwischenfälle im Gehege geben sollte, kann Fröhlich mithilfe der bald installierten Videoüberwachung schneller reagieren. "Ich kann zum Beispiel auch von zu Hause auf die Handy-App schauen und sehen, wie es den Wölfen geht. Statt Schäfchen zu zählen, könnte ich zum Einschlafen Wölfchen zählen", scherzt er.

Wobei bei einem neuerlichen Ausbruch von Wölfen die Aufregung wahrscheinlich geringer ausfallen dürfte. Denn dass Wölfe durch Hessen ziehen, daran muss man sich gewöhnen. In diesem Jahr wurden diverse Sichtungen und Nachweise zu wild durch die Landschaft ziehenden Wölfen in Teilen Hessens erbracht.

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