HNO-Klinik Marburg ist in neues Gebäude umgezogen

Das Universitätsklinikum Marburg investiert auf den Lahnbergen rund 90 Millionen Euro in Erweiterung und Modernisierung. Für eine Medizin der "kurzen Wege" sollen bald fast alle Abteilungen unter einem Dach vereint werden.

Dem frisch operierten Reiner Siebert gefällt sein neues Krankenzimmer. "Es ist ganz schön, wirklich hübsch. Alles so neu." Hell ist es, mit viel Orange. Der 46-Jährige aus Gemünden (Wohra) ist einer der ersten Patienten, die auf die neuen Stationen verlegt werden, die das Marburger Uniklinikum in den vergangenen zwei Jahren bauen ließ. Siebert ist an diesem Montagmorgen um halb acht Uhr aber auch froh, wieder ins Bett gehen zu können. Denn die kurze Fahrt von der City auf die Lahnberge hat ihn wegen eines unfreiwilligen Umwegs auch etwas angestrengt.

Das privatisierte Universitätsklinikum Gießen-Marburg hat rund 90 Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung des bestehenden Klinikkomplexes auf den Lahnbergen investiert. Fast alle Abteilungen, die bisher über die Stadt verteilt waren, sollen hier künftig unter einem Dach vereint sein. Davon verspricht sich die Klinikleitung eine "Medizin der kurzen Wege".

Dutzende Umzugskartons stapeln sich auf den Fluren

Eine Stunde, bevor Patient Siebert sich in seinem frisch sanierten Zimmer ausruht, stapeln die Mitarbeiter der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) Dutzende Umzugskartons auf den Fluren. Seit den 1920er Jahren war die HNO-Klinik in Marburgs Innenstadt zu Hause. Sie ist nun die erste von insgesamt sechs Kliniken, die umzieht. Die etwa 90 Mitarbeiter der HNO-Klinik haben sich nach Angaben von Oberärztin Sylvia Heinis seit Monaten auf den Umzug vorbereitet. Denn der medizinische Alltag dürfe unter dem Ausnahmezustand nicht leiden. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Tagen "mit immensem Engagement" etwa 600 Umzugskartons gepackt, berichtet sie. Nun helfen Speditionen beim Transport, Spezialfirmen kümmern sich um die empfindlichen und teuren OP-Geräte.

"Bis zur letzten Minute hätten wir hier unten Notfälle versorgen können", sagt Heinis. Erst um 7.15 Uhr wird an diesem Montag der letzte von vier Operationssälen geschlossen - sobald der Notfallsaal auf den Lahnbergen Einsatzbereitschaft meldet. Die restlichen OP-Säle wurden bereits vergangene Woche an den neuen Standort verlegt.

Um kurz vor sieben Uhr kommen die Rettungsdienste. Nur neun Patienten müssen sie chauffieren. Clemens Kill, Leiter des Marburger Zentrums für Notfallmedizin, gibt letzte Instruktionen und eine Liste, auf denen die Namen der Patienten, deren alte und neue Station stehen. "Wir wollen ja nicht, dass uns ein Patient unterwegs verloren geht", sagt er. Der Transport der Kranken, von denen die meisten auf den eigenen Beinen stehen können, sei noch relativ leicht. Schwieriger werde es am Donnerstag, wenn die Neurologie umzieht und Menschen mit Hirnverletzungen verlegt werden. Aber auch das sei "leistbar", ohne die Patienten zu gefährden, sagt Kill.

Gegen sieben Uhr ist Siebert an der Reihe. Begleitet von zwei Rettungssanitätern schleppt er sich und zwei Taschen zum Wagen. Auf den Lahnbergen angekommen, entpuppt sich der Weg aufs Zimmer länger als erwartet: Die erste Aufzugfahrt endet in einer Sackgasse: Eine Baustelle blockiert den Weg. Es geht zurück ins Erdgeschoss. An der Information erfragen die Helfer den besten Weg, es geht wieder hinauf - und auf die richtige Station. Siebert, der am Freitag im Gesicht operiert wurde, ist erleichtert: "Das war anstrengend jetzt. Ich freue mich auf ein bisschen Ruhe, aber sonst ging es eigentlich."

Für die Mitarbeiter der HNO-Klinik ist da noch längst kein Feierabend. Sie wickeln die letzten OP-Geräte in schützende Folien und sind trotz aller Vorfreude etwas wehmütig. Denn immerhin hatten sie im alten Gebäude einen Blick aufs Marburger Schloss. "Das werden wir wirklich alle sehr vermissen", sagt Oberärztin Heinis. Dafür gibt es auf den Lahnbergen aber Waldblick.

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