Hilfestellung für Azubis

Gießen/Nürnberg (gäd/dpa). Was tun, wenn es während der Ausbildungszeit zu Problemen kommt? Wenn es Ärger mit dem Ausbilder gibt, wenn die Noten in der Berufsschule nicht entsprechend sind? Nicht selten steht in der letzten Konsequenz der Abbruch der Ausbildung. Im vergangenen Jahr stellte die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein neues Modell vor, das schwächeren Azubis helfen soll, die Lehrjahre doch noch zu einem Erfolg zu machen. Die "assistierte Ausbildung" startete im August 2015, und bereits im ersten Jahr haben nach Angaben der BA 4800 Jugendliche von dem Angebot profitiert. Auch die Arbeitsagentur in Gießen, die für die Kreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg zuständig ist, bietet die assistierte Ausbildung an. Pressesprecher Johannes Paul erläutert, um was es bei dem Modell im Einzelnen geht.

Die "assistierte Ausbildung" ist laut Paul eine ganz normale duale Ausbildung in einem Betrieb, bei der die Jugendlichen sowohl vor als auch während der Ausbildung intensiv betreut werden. Das Angebot richte sich vor allem an Jugendliche mit nicht so guten Noten oder an junge Menschen, die aus anderen Gründen einen schwierigen Start in die Ausbildung haben. Das gelte beispielsweise auch für junge alleinerziehende Mütter und Väter oder junge Menschen, die Angehörige pflegen. "Diese Frauen und Männer möchten wir so weit unterstützen, dass sie eine Ausbildung beginnen und erfolgreich beenden können", heißt es in einer Mitteilung der Arbeitsagentur. Man berate und fördere Betriebe, die diesen jungen Menschen eine Chance geben möchten. Die Unternehmen lernten dabei vorab mögliche Auszubildende während eines Praktikums kennen. Die Jugendlichen erhalten individuelle Unterstützung – bei der Berufsorientierung, beim Bewerbungstraining, durch Nachhilfeunterricht in einzelnen Fächern, Prüfungsvorbereitung aber auch sozialpädagogische Betreuung. Man helfe also ganz konkret bei möglichen Konfliktsituationen mit dem Arbeitgeber, in der Schule oder mit den Eltern. Hintergrund sei, dass viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen und auf der anderen Seite viele Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Mit der "assistierten Ausbildung" solle auch vermieden werden, dass die Jugendlichen ihre Ausbildung abbrechen. "Es soll möglichst kein Jugendlicher ohne Ausbildungsplatz und kein Betrieb ohne Nachwuchs sein." BA will verstärkt dafür werben Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zog dieser Tage eine positive Zwischenbilanz des Angebots. Im neuen Lehrjahr sollen bundesweit über 7000 Auszubildende auf diese Weise betreut werden. Vor allem bei den Arbeitgebern will die BA in den kommenden Monaten verstärkt für das Modell werben. Wie in der Zwischenbilanz betont wird, sei der Kontakt zur Familie des Jugendlichen besonders wichtig. Viele Auszubildende würden ihre Lehre nicht aus Desinteresse an der Arbeit abbrechen, sondern aus Frust über die schlechte Gesprächskultur im Betrieb. Das gehe aus einer von der Vodafone-Stiftung geförderten Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen hervor. 2015 wurden der Untersuchung zufolge 142 000 Ausbildungsverträge in Deutschland vorzeitig aufgelöst. Dies entspreche einer Quote von fast einem Viertel. Im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur Gießen wurden im vergangenen Jahr acht Plätze im Rahmen der "assistierten Ausbildung" vergeben, derzeit sind 15 Plätze besetzt, wie Pressesprecher Johannes Paul auf Anfrage mitteilt. Ein Einstieg sei jederzeit möglich, erläutert er. Das Modell sei bei den Unternehmen noch nicht so bekannt, weshalb bei der Beteiligung im heimischen Raum noch Luft nach oben sei. Jugendliche und Arbeitgeber, die sich dafür interessieren, könnten sich bei der Arbeitsagentur melden. Auf eine Besonderheit weist Paul hin: Die Jugendlichen müssen bei der Arbeitsagentur gemeldet sein, um an der Maßnahme teilnehmen zu können. Unternehmen , die sich für die assistierte Ausbildung interessieren, können an ihren Ansprechpartner im Arbeitgeber-Service wenden oder wählen die Servicenummer 08 00/4 55 55 20 oder schicken eine E-Mail an giessen.arbeitgeber@arbeitsagentur.de. Jugendliche können unter der Rufnummer 08 00/4 55 55 00 einen Termin mit dem Berufsberater vereinbaren und sich dort informieren.

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