Der Angeklagte soll seine Frau angefahren und dann mit einer Axt auf sie eingeschlagen haben. FOTO: DPA
+
Der Angeklagte soll seine Frau angefahren und dann mit einer Axt auf sie eingeschlagen haben. FOTO: DPA

18 Hiebe mit Beil und Axt

  • vonDPA
    schließen

Eine 31-Jährige wird in Limburg brutal getötet. Täter soll ihr Mann sein. Der Prozess dreht sich um den Vorwurf des Mordes. Oder hatte der Angeklagte noch etwas anderes geplant?

Schockierende Szenen mitten in Limburg: Ein Mann beschleunigt im vergangenen Oktober sein Auto auf fast 90 Stundenkilometer und lenkt es in Richtung Bürgersteig. Dort ist seine Ehefrau unterwegs, die der 34-jährige Imad A. nach Auffassung der Staatsanwaltschaft "in Tötungsabsicht" mit dem PS-starken Wagen erfasst. Die 31-Jährige schleudert mehr als 20 Meter durch die Luft und knallt auf den Boden.

Ihr Mann soll dann mit einem Küchenbeil und einer Axt auf ihren Kopf und Hals eingeschlagen haben - etwa 18-mal. Er steht nun unter anderem wegen heimtückischem und aus niedrigen Beweggründen begangenen Mordes vor dem Landgericht Limburg. Zu Beginn des Prozesses am Dienstag kündigte die Verteidigung eine Aussage des Angeklagten für den nächsten Verhandlungstag an und betonte, dass der Fall auch anders gelagert sein könnte als von der Staatsanwaltschaft angenommen. Die Anklage geht davon aus, dass der 34-Jährige seine Frau dafür habe bestrafen wollen, dass diese ihn mit den gemeinsamen beiden Kindern verlassen und sich seinen Wünschen widersetzt habe.

Die Schlüsse der Ermittler seien "keineswegs zwingend", erklärte Rechtsanwalt Wolfgang Stahl für seinen Mandanten. Es werde sich im Verlauf des Prozesses zunächst herausstellen, dass sich die Tat "als der gescheiterte Versuch eines sogenannten erweiterten Suizids darstellt". Der 34-Jährige habe sich dazu am Tattag erst sehr kurzfristig entschlossen. Es erscheine daher naheliegend, dass der Angeklagte die Tat "im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen haben dürfte". Der Staatsanwaltschaft zufolge schätzt ein Gutachter den Angeklagten als voll schuldfähig ein.

Die Familie hatte in Rheinland-Pfalz gelebt. Zum Zeitpunkt der brutalen Attacke wohnte die 31-Jährige aber mit den Kindern in einem Limburger Frauenhaus. Der inzwischen vierjährige Sohn und das im nächsten Monat drei Jahre alt werdende Mädchen leben bei einer Pflegefamilie an einem geheimen Ort. Der Angeklagte soll einen Privatdetektiv engagiert haben, um den Aufenthaltsort seiner Frau herauszubekommen. Er kennt den Weg, den sie mit den Kleinen morgens von dort zur Kita im Mütterzentrum geht.

Am Tag des Angriffs hatte Imad A., der deutscher Staatsangehöriger mit tunesischen Wurzeln ist, die 31-Jährige laut Anklage zunächst beobachtet. Dann raste er mit dem angemieteten Wagen auf sie zu, sie wurde von hinten erfasst und 22,5 Meter weit nach vorn geschleudert. Ihr Körper berührte und verdrehte Verkehrsschilder an einer Straßenlaterne in 3,60 Meter Höhe. Der Pkw durchbrach den Metallzaun auf dem Parkplatz der Kreishandwerkerschaft und krachte mit hohem Tempo in das alte Bruchsteingebäude in der Weiersteinstraße 6. Die Frau flog gegen die Heckklappe und blieb leblos hinter dem Auto liegen.

Kollision war bereits tödlich

Zwei Zeugen zogen den eingeklemmten Fahrer laut Anklage durch die Beifahrertür aus dem Wrack. Imad A. soll sich kurz gesammelt und dann mit einer Waffe auf die Helfer gezielt haben. Die Männer rannten davon. Der Angeklagte holte von der Rückbank ein 30 Zentimeter langes Küchenbeil und später aus dem Kofferraum eine Axt. Imad A. packte das Werkzeug mit beiden Händen und schlug mit voller Kraft insgesamt 18-mal auf Kopf und Hals der Frau, heißt es in der Anklage. Die 31-Jährige wird beinahe enthauptet. Dabei beschimpfte er seine Frau als "blöde Schlampe". "Du hast es ja so gewollt", schrie er. Er ließ sich schließlich widerstandslos festnehmen.

Das Opfer soll bereits bei der Kollision tödliche Verletzungen erlitten haben. Die Liste der Brüche und Wunden, die die Anklageschrift aufführt, ist lang. Der 34-Jährige musste im Gerichtssaal mehrfach schlucken, während der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Passagen verlas. Der Angeklagte hatte im Ermittlungsverfahren zu den Vorwürfen zunächst geschwiegen. Dem Gutachter gegenüber habe er die Tat eingeräumt, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Attacke auf offener Straße hatte Entsetzen in Limburg und darüber hinaus ausgelöst. Sie war zwischenzeitlich auch im Internet zu sehen - die Staatsanwaltschaft prüfte danach, ob sich die Person, die die Bluttat gefilmt und online gestellt hatte, strafbar gemacht hatte.

Der Prozess wird am 20. Mai fortgesetzt. Dann soll es auch um die familiären Hintergründe des Angeklagten gehen, wie ein Gerichtssprecher sagte. Das Urteil wird nach bisheriger Planung im Juni erwartet. Wegen der Corona-Beschränkungen ist die Zahl der Besucherplätze im Gerichtssaal begrenzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare