Die hessische Wirtschaft brummt

Wiesbaden (dpa/lhe). Die hessische Wirtschaft hat 2011 die Krise noch weiter hinter sich gelassen und ist um 3,3 Prozent gewachsen. Damit liege der Zuwachs 0,3 Punkte über dem Bundesdurchschnitt, sagte der Präsident des Statistischen Landesamtes, Eckart Hohmann, am Donnerstag in Wiesbaden.

"Wir verzeichnen weiterhin eine kräftige Erholung nach der tiefsten Rezession, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg hatten." Im Vergleich zum Vorjahr ging das Wachstum leicht zurück. Nach dem Einbruch des Krisenjahres 2009 hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2010 in Hessen noch 3,6 Prozent zugelegt.

Weil die Wirtschaft rund lief, wurden auch neue Jobs geschaffen: 3,18 Millionen Menschen waren in Lohn und Brot. Den Großteil ihrer Lohnzuwächse fraß indes die Jahresteuerung von 2,0 Prozent auf, zu der vor allem steigende Kosten für Treibstoffe und Energie beitrugen. Unter dem Schnitt blieb ein magerer Reallohnzuwachs von 1,4 Prozent.

Nach Angaben der Statistiker sorgten weniger die in Hessen vorherrschenden Branchen Dienstleistungen und Finanzen für Wachstum, sondern das verarbeitende Gewerbe. Die Industrie steigerte ihre Umsätze 2011 um 12,6 Prozent auf 105,5 Milliarden Euro (Zuwachs im Bund: 10,9 Prozent). Deutlich wurde aber auch das Nachlassen der Konjunktur gegen Ende 2011.

Mehr als die Hälfte der hessischen Erzeugnisse wurde 2011 exportiert. Wichtigste Handelspartner blieben die EU-Länder, doch mit den Schwellenländern in Asien wuchs der Handel schneller. Hohmann sprach von einer zunehmenden internationalen Verflechtung der Wirtschaft. Hessische Unternehmen könnten auf dem Weltmarkt mithalten, viele seien sogar Weltmarktführer auf ihrem Gebiet.

Als größte Gefahr für den Boom nannte der Chefstatistiker die Schuldenkrise mit ihren noch unkalkulierbaren Folgen. Auch schrumpfe der Welthandel, die chinesische Volkswirtschaft wachse langsamer - dies würden die hessischen Exporteure zu spüren bekommen. Hohmann ließ auch Zweifel am strikten Sparkurs des Staates durchblicken. "Wenn Hunderte Milliarden Euro aus dem Wirtschaftskreislauf genommen werden, kann das nicht ohne Folgen bleiben", sagte er.

"Hessens Wirtschaft brummt im Dauerbetrieb und steigert die Beschäftigung auf Rekordniveau", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch (FDP) zu den Zahlen. Das sei in erster Linie ein Erfolg der Unternehmen und Beschäftigten. "Daran hat aber auch die Politik der Landesregierung ihren Anteil." Auch CDU-Generalsekretär Peter Beuth reklamierte Erfolge für die Regierung: "Die CDU-geführte Landesregierung ist Garant für ein erfolgreiches Hessen."

Hohmann äußerte sich zurückhaltender zum Einfluss der Regierenden. In der global agierenden Wirtschaft müsse sich jede Landesregierung damit abfinden, dass sie kaum konjunkturpolitische Impulse geben könne. Das Land müsse strukturpolitisch die Weichen richtig stellen: Bildung und Forschung fördern, die Infrastruktur schaffen, innovative Unternehmen ansiedeln.

Bei dem BIP-Wachstum von 3,3 Prozent erzielten die Statistiker fast eine Punktlandung – sie hatten 3,4 Prozent prognostiziert. Für 2012 erwartet Hohmann ein Wachstum von 1,2 Prozent.

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