Nur am Edersee gibt es in Hessen noch urprüngliche Wälder. FOTO: DPA
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Nur am Edersee gibt es in Hessen noch urprüngliche Wälder. FOTO: DPA

Wo Hessens Wälder noch wild sind

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Waldeck/Frankfurt- Bei Manfred Bauer darf die Natur noch Natur sein. Er ist Leiter des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Über 5700 Hektar ist dieser groß. 95 Prozent der Fläche ist sogenannte Naturzone - also Wildnis ohne menschliche Eingriffe. "Eine so große Naturzone hat sonst kein Nationalpark in Deutschland, sagt Bauer. Seit diesem Donnerstag dürften es noch etliche Hektar mehr sein. Denn Hessens einziger Nationalpark ist offiziell gewachsen.

Um knapp ein Drittel wird das Gebiet größer. Nun gehören auch die Wälder an den steilen Nordhängen des Edersees im Kreis Waldeck-Frankenberg dazu. So eine Erweiterung sei selten in Deutschland, erklärt Bauer. "In 50 Jahren Nationalpark-Geschichte war das nur dreimal der Fall." Dabei schlug dem Park bei seiner Einrichtung 2004 auch Argwohn entgegen. Durch die geschützte Wildnis wurden Nachteile für Wirtschaft und Tourismus befürchtet.

Heute gilt er dagegen als Erfolgsmodell. "Dieser Nationalpark Kellerwald-Edersee hat zwei Komponenten", erklärt Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Donnerstag bei einem Festakt auf einem Aussichtspunkt über dem Edersee. Er solle die biologische Vielfalt sichern, aber auch den nachhaltigen Tourismus in der Ferienregion stärken.

Wer an Wildnis denkt, hat oft ferne Steppen, tropische Wälder oder endlose Wüsten vor Augen. Aber auch in Deutschland gibt es wilde Natur. Der Anteil ist allerdings recht gering. Laut aktuellen Schätzungen des Netzwerks für Biodiversität "BioFrankfurt" sind gerade einmal 0,6 Prozent der deutschen Landesfläche Wildnis.

Mehr Wildnis zuzulassen sei in vielerlei Hinsicht richtig und wichtig, sagt Pia Ditscher von "BioFrankfurt". "Wo sich der Mensch zurückzieht, kann die Natur das Steuer übernehmen - und bekommt so Raum, sich frei zu entwickeln."

Die Initiative "Wildnis in Deutschland", die von der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt (ZGF) koordiniert wird, setzt sich zum Ziel, zwei Prozent Wildnisfläche zu erreichen. "Wir haben so gut wie keine echten Urwälder mehr in Hessen", sagt ZGF-Experte Manuel Schweiger. Bei den anderen Flächen handele es sich vielmehr um "Wildwald im zweiten Anlauf", also Gebiete, die nach Eingriffen wieder der Natur überlassen wurden. Lediglich an den Edersee-Steilhängen gebe es noch solche ganz ursprünglichen Flächen.

Ein Vorteil an Mitteleuropa sei im Vergleich zu tropischen Wäldern, dass sich die hiesigen Ökosysteme wieder relativ schnell regenerieren könnten, wenn der Mensch das zulasse, erklärt Schweiger.

Wie viele Hektar Naturzone nun am Edersee hinzugekommen sind, ist laut Nationalpark-Leiter Bauer noch unklar. Das neue Gebiet sei noch nicht in Zonen eingeteilt. Am Ende werde der Nationalpark bei 80 bis 90 Prozent Naturzone liegen, schätzt er. dpa

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