Testlauf in Hanau: Ein Notfallsanitäter simuliert an einer Freiwilligen in der Impfkabine eines Impfzentrums in einer Sporthalle den Ablauf einer Corona-Impfung FOTO: DPA
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Testlauf in Hanau: Ein Notfallsanitäter simuliert an einer Freiwilligen in der Impfkabine eines Impfzentrums in einer Sporthalle den Ablauf einer Corona-Impfung FOTO: DPA

Hessen macht sich bereit zum Impfen

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Es ist der heißeste Stoff dieses Winters, auch wenn er eiskalt gelagert werden muss: Der Impfstoff gegen Covid-19. Wenn die Zulassung in Europa erfolgt, will Hessen vorbereitet sein. Die Impfzentren sind so gut wie fertig, aber viele Details sind noch offen.

Die wichtigsten Fragen im Überblick:

?Wo kommt der Impfstoff überhaupt her?

Der Bund beschafft den Impfstoff zentral. Bisher hat sich Deutschland rund 300 Millionen Dosen gesichert. Im ersten Quartal 2021 kann Deutschland von den Herstellern Biontech/Pfizer und Moderna wohl zusammen sieben Millionen Dosen erwarten, heißt es in Berlin. Wie viel davon nach Hessen kommen, stehe noch nicht fest, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU) vergangene Woche im Landtag.

?Wie wird der Impfstoff gelagert und transportiert?

Der Impfstoff wird in Hessen an mehreren - aus Sicherheitsgründen geheimen - Stellen zentral gelagert. Aus diesen Zentrallagern werden die Tagesdosen "bedarfsgerecht" an die Impfstellen ausgeliefert, heißt es in Wiesbaden. Das übernehmen Logistikunternehmen, die auch dafür sorgen müssen, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird.

?Wann geht es in Hessen los mit dem Impfen?

Wann der Impfstoff zur Verfügung steht, ist noch nicht klar. Es werde voraussichtlich Ende Dezember oder Anfang nächsten Jahres so weit sein, sagte Beuth im Landtag. "Unser Ziel ist es, am 15. Dezember 2020 die volle Einsatzbereitschaft für die größte Impfaktion in der Geschichte unseres Landes zu melden."

?Wie lange dauert die Impfaktion?

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) rechnete Anfang Dezember damit, dass die Impfaktion rund neun bis zehn Monate dauert. Das Land geht davon aus, dass hessenweit pro Tag rund 30 000 Bürgerinnen und Bürger geimpft werden können - gut 1000 pro Zentrum. 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung müssen sich impfen lassen, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Die Impfung ist aber freiwillig, wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) betont.

?Wo werden in Hessen die Impfungen durchgeführt?

28 Impfzentren wurden aus dem Boden gestampft - in Sporthallen, Hotels, Messehallen, Kongresszentren oder sogar auf einem alten Flugplatz. Verantwortlich für die Errichtung sind die Kreise und kreisfreien Städte - örtliche Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk oder das Rote Kreuz beraten und unterstützen. Die Zentren sollen an sieben Tagen von 7 bis 22 Uhr betrieben werden.

?Was kostet der Betrieb der Impfzentren?

Das Land hat den Kommunen für die Kosten des Betriebs der Impfzentren 170 Millionen Euro für die ersten Monate zur Verfügung gestellt. Den Impfstoff selbst bezahlt der Bund, im Etat 2021 sind vorerst 2,7 Milliarden Euro dafür reserviert. Für die Impfwilligen entstehen keine Kosten.

?Wer wird zu welchem Zeitpunkt geimpft?

Weil die verfügbaren Dosen in der ersten Zeit begrenzt sein werden, kommen zuerst "prioritäre Gruppen" dran. Das Land will sich dabei nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission richten. Dem Entwurf zufolge sollen zuerst Ältere über 80 Jahre immunisiert werden - laut Destatis wären das in Hessen 404 039 Menschen. Auch Pflegeheimbewohner und Personal mit höchstem Infektionsrisiko in Kliniken und Altenheimen sollen früh dabei sein.

?Wer arbeitet in den Impfzentren?

Neben Ärztinnen und Ärzten dürfen das auch medizinische Fachangestellte sowie "geschultes, medizinisches Personal". Für den Betrieb der Impfzentren schätzt das Land den Personalbedarf auf rund 5000 Personen. Die Landesärztekammer Hessen rekrutiert Mitglieder, die im Ruhestand oder aus anderen Gründen nicht berufstätig sind. Bis Ende der Woche sind laut Kammer 650 ausgefüllte Bögen zurückgekommen. Auch Organisationen wie der Rote Kreuz sollen helfen.

?Wie erfährt man, wann man dran ist?

"Bürgerinnen und Bürger, die zu einer priorisiert zu impfenden Bevölkerungsgruppe zählen, werden - sobald zugelassene Impfstoffe verfügbar sind - über die Möglichkeit und Terminierung der Impfung zeitnah informiert", heißt es etwas technokratisch auf der Homepage der Landesregierung. Wie das genau funktioniert, ist noch nicht ganz klar. Laut Innenministerium soll es zur Terminvereinbarung für die Impfungen ein Online-Portal und eine Hotline geben.

?Wieso kann man sich nicht beim Hausarzt impfen lassen?

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Der Biontech/Pfizer-Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden, das geht nicht beim Hausarzt. Ein größeres Zentrum kann mehr Menschen durchschleusen. Und mit zentraler Organisation ist es leichter zu bewerkstelligen, dass zuerst die drankommen, die am meisten gefährdet sind. Später - vielleicht im Sommer - sollen aber auch Arztpraxen eingebunden werden.

?Wie läuft es in einem Impfzentrum ab?

In den Zentren gibt eine Abfolge von Stationen, über die der Impfkandidat geleitet wird. Zuerst werden die Daten erfasst, dann gibt es ein Vorgespräch mit einem Arzt, schließlich wird in Einzelkabinen die Spritze gesetzt, am Ende liegt eine Ruhezone. Trennwände schotten die einzelnen Straßen voneinander ab. Zwei Impfungen sind nötig - man muss also zweimal hin.

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