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Hessen ist längst nicht mehr nur hier

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Die Hessen sind weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt und pflegen auch in der Ferne ihre Traditionen und ihre Küche. Der Name ziert auch Städte außerhalb des Bundeslandes und ein Schiff ist seit Jahren auf den Weltmeeren unterwegs.

Nicht jeder versteht die Mundart, nicht jeder mag die Spezialitäten oder verträgt sie. Und doch ist typisch hessisches oder der Name Hessen durchaus weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Schiffe, Städte oder Spiele tragen den Namen, Spezialitäten, werden exportiert, Liedgut und Comedy sind über Hessen hinaus bekannt und wer den Dialekt nicht versteht, kann in einem Wörterbuch nachschlagen oder sich bei den Galliern Asterix und Obelix Nachhilfe geben lassen. Dabei geht es aber nicht so dramatisch zu, wie bei den Rodgau Monotones: »Erbarme, zu spät, die Hesse komme«.

Wer sich zunächst einmal mit der Hessischen Mundart vertraut machen will, kann sich Wiederholungen vom »Blauen Bock« mit Ebbelwoi-Babbler Heinz Schenk (»Witzischkeit kennt keine Grenzen«) anschauen oder einen der vielen Sketche vom Comedy-Duo »Badesalz« (»Voodoobabbbel«) anhören.

Wer es lieber schwarz auf weiß hat, kann einen Mundartcomic von Asterix und Obelix lesen oder gleich in das Vokabelstudium eintreten. In der Sprach- und Lebenshilfe Asterix babbelt hessisch »Die Habbe en Dubbe, die Hesse!« - frei übersetzt, die sind nicht ganz bei Trost, die Hessen - lernt man einiges Nützliches aus dem hessischen Wortschatz. Beim Studium erfährt man, dass der »Hinnedruffhübber« ein Trittbrettfahrer, das »Bembelbüdsche« ein Apfelwein-Kiosk ist und dass »Labbe« Lappen, Führerschein und Zunge heißen kann. Wer Hilfe braucht: Es gibt Wörterbücher Hessisch-Deutsch.

Die Hessisch Oldendörfer sind keine Hessen und tragen das Wort nur im Namen. Doch lange Zeit gehörte die kleine Stadt zu einem hessischen Adelsgeschlecht. 1647 starb die männliche Linie der Schaumburger Grafen aus und Oldendorf fiel durch Erbteilung an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, die später Kurfürstentum wurde. Nach der Annexion Kurhessens durch die Preußen gehörte die Gemeinde seit 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Den Namenszusatz »Hessisch« bekam die Stadt 1905, um sie von gleichnamigen Orten zu unterscheiden. Die Stadt liegt heute in Niedersachsen im Landkreis Hameln-Pyrmont.

Mit ihrem Namen ist sie Botschafterin des Bundeslandes auf den Weltmeeren, die Fregatte Hessen . Seit ihrer Indienststellung 2006 legte das Kriegsschiff nach Angaben der Bundeswehr an 1622 Seetagen 386 677 Seemeilen oder 716 126 Kilometer zurück. Umgerechnet ist das fast 18-mal auf dem Äquator rund um die Erde. Mit ihrem Namen legte die Fregatte mit mehr als 200 Besatzungsmitgliedern als Botschafterin unter anderem in New York, Kapstadt, Mauritius oder Riga an. Derzeit gehören zur Besatzung auch fünf waschechte Hessen.

Wer sich erst einmal ortskundig machen will, kann dies unter anderem mit dem Hessen-Monopoly . Auf dem Spielbrett finden sich 22 Städte, Gemeinden und Sehenswürdigkeiten wie der Frankfurter Römer wieder. Ein extra Begleitheft gibt zudem Hintergrundinformationen zu den genannten Orten.

Handkäs beim Stammtisch in Berlin

Das Nationalgetränk der Hessen, der Ebbelwoi , ist längst nicht mehr nur in heimischen Schänken zu bekommen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wurden im vergangenen Jahr mehr als 27 Millionen Liter des Stöffchens in Hessen produziert. »Es gibt einen Export in die Nachbarbundesländer, mit wachsendem Erfolg«, sagt der Vorsitzende des Verbandes hessischer Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien, Martin Heil. Aber auch in das europäische Ausland, nach Japan, Australien oder die USA werde geliefert. Und nicht nur der in Hessen traditionell aus dem Bembel ins Gerippte gegossene Apfelwein, auch der im Bühnenbild einer Apfelweinkneipe mit Heinz Schenk spielende »Blaue Bock« war schon einst auch in anderen Bundesländern und Ländern zu Gast, zum Beispiel in Berlin, Basel, dem österreichischen Steyr, Zürich oder Heidelberg.

Einen ständigen Austausch unter Hessen gibt es mittlerweile auch in der Hauptstadt. Beim Hessischen Stammtisch gibt es Ebbelwoi aus Bembeln, Handkäs mit Musik, Grüne Soße, Ahle Wurst und andere regionale Spezialitäten, zumindest außerhalb der Corona-Pandemie. »Das sind Hessen, die in Berlin leben und hessisch babbeln wollen«, sagt Organisator Bernd Gasser. In normalen Zeiten kämen zwischen zwei und drei Dutzend Menschen zu dem Stammtisch. »Die Leute wollen ihre Heimat bewahren. Das Hessische habe ich nie aus den Augen verloren«, sagt der im südhessischen Babenhausen aufgewachsene Gasser. In Krisenzeiten wie jetzt wird hessische Küche dann auch schon mal in einer Videokonferenz gekocht.

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